De Stadtspatz pickt

Zu was Pateschafte alles führe kennen, beweist jetzt en Brief vum Kommandant vum Neistadter Pate-U-Boot U26 - wann's iwwerhaupt noch so en Beweis gebraucht hot. Denn ei(n)g'fleischte Pateschaftsanhänger un Partnerschaftsbefürworter sin sich längst dodriwwer im Klare, das mer sowas net von owwe runner verordne kann. Awwer es kann aus anfänglicher "Pflicht" e ganz tolli "Kür" werre. Wie zum Beispiel bei der U26-Pateschaft. Die nämlich besteht offiziell mit dem U-Boot un seiner jeweilische Besatzung. Un inoffiziell mit alle die irgendwann emol uff dem U-Boot mit der Nummer U26 g'fahre sin. Denn so e Besatzung wechselt alle paar Johr. Un des bedeit, daß immer neie Patekinner fer Neistadt interessiert werren - un umgekehrt. Der bisheriche Kommandant, de Korvettekapitän Lutz Bieber, muß jetzt mit seine Manne die liebgewordene U26 mit irgendsoem annere Pott verdausche. Un des hot er zum Anlaß genumme, an der Präsident vun de FFN, de Alfred Schilling, an Riesebrief zu schreiwe, wu er nochemol fer die gut Betreuung vun ihm un seine Leit in Neistadt dankt (un im Betreue sin die FFN'ler jo wirklich groß), un gleichzeitich verspricht, daß die Freundschaft weitergeht, ach wann's mit de Pateschaft jetzt fer ihn un sei Leit aus is. Is des nett toll! Neie Patekinner un alte Freunde, so soll des soi, un so soll's möglichst noch lang bleiwe. In dem Sinn, bis zum nägschte Ufftauche vun so e paar U-Bootler in Neistadt

Eiern Amadeus!

10.07.1986


Brief des Kommandanten an den Präsidenten der FFN

Nun ist es also soweit, daß wir Abschied nehmen müssen von unserer Patenstadt
und damit auch von unseren FFN'ern. Heute um 12.00 Uhr Ortszeit werden wir
unser "U 26" an die Besatzung "U 14" übergeben und selbst "U 14" als unser
neues Uboot übernehmen. Und damit wird auch der Unterstellungswechsel zum
3. Ubootgeschwader in Eckernförde vollzogen sein.

Wir, die bisherigen "U 26'er" sind zutiefst betroffen, dieses gute Boot ab-
geben zu müssen, mehr noch aber empfinden wir geradezu Trauer über den
"Verlust" unserer Patenstadt. Und Patenstadt heißt bei uns gleichbedeutend
"Feucht - Fröhliche - Neustadter", die uns in all' diesen Jahren so aufopfernd
betreut haben.

Der Unterstellungswechsel war nun einmal nicht zu vermeiden, übergeordnete
Interessen, wie man so schön sagt, haben die Notwendigkeit diktiert. Ich habe
alle Register gezogen, die das hätten verhindern können, doch mir war kein
Erfolg beschert. So haben wir uns zu fügen, und wir tun es, wenn auch mit
außerordentlichem Bedauern.

Lassen Sie mich daher Ihnen und Ihren Mannen für die Zusammenarbeit danken,
für Ihr aller Bemühen, uns in Neustadt stets willkomen zu fühlen und für die
Gastfreundschaft, die m.E. mehr war als reine Patenschaft - ich meine es ist
eine Freundschaft, die auch durch Unterstellungswechsel nicht getilgt sein
kann.

Es mag nun ein Abschied sein, doch ist es nur ein offizieller Abschied. Als
"Ehemalige von U 26" werden der eine oder andere von uns immer wieder in
Neustadt a.d.Weinstrasse auftauchen und wir wissen, daß wir auch dann immer
willkommen sein werden. So kann an dieser Stelle eigentlich ein "Auf-Wiedersehen"
Genüge tun, denn ich bin sicher, wir werden uns wiedersehen.

Die neue Besatzung weiß um die besonderen Beziehungen zu den FFN'ern und
ich hoffe, der neue Kommandant, Kptlt. Wegner, weiß die Bedeutung meines
Hinweises richtig zu deuten. Es wäre schön, wenn die Tradition dieser Beziehung
mehr oder minder nahtlos fortgeführt werden würde, ein Zeichen guter Paten-
schaft, und ich bin sicher, die Freundschaft läßt nicht lange auf sich warten.

Ungeachtet der Kontakte, die Sie ja nun zu "U 26" (neu) unterhalten werden,
darf ich Ihnen sagen, daß alle FFN'er auch auf "U 14" jederzeit willkommen
sein werden. Lassen Sie uns wissen, wenn Sie in unserem Bereich sind, ein Treffen
wird sich wohl immer arrangieren lassen. Und so darf ich Sie bitten, mir mitzu-
teilen, wann die FFN'er in Neustadt/Holst. sein werden - ich weiß, daß es in
diesen Tagen eine solche Aktivität geben wird - damit wir möglicherweise einen
gebührenden, persönlichen Abschied feieren können.

Mir ist es ein Herzensanliegen, gerade den FFN'ern gegenüber in Dankbarkeit
Abschied zu nehmen, haben Sie alle uns doch bei unserem letzten Besuch in
Neustadt a.d.Weinstrasse einen Höhepunkt der Patenbeziehung in die Tat umzu-
setzen geholfen. Ich habe damals schon von dem drohenden Damoklesschwert
gewußt, welches über dieser Besatzung hing, doch habe ich, in der Hoffnung,
das "Unheil" abwenden zu können, nichts verlauten lassen. So habe ich den
Festumzug besonders genossen, denn es war ein würdiges Ende, an welchem
die FFN'er wesentlich Anteil hatten.

Ich darf Sie bitten, unser alter Dank an die Freunde der FFN weiterzugeben,
verbunden mit der Hoffnung, daß es kein endgültiger Abschied sein wird. Sagen
Sie ihnen, daß wir uns immer wie zu Hause gefühlt haben, daß wir immer wieder
gerne nach Neustadt gekommen sind und daß wir die besonderen Bemühungen
der FFN'er sehr wohl zu würdigen wissen. Dieses überaus freundschaftliche
Verhältnis wird uns allen unvergessen bleiben.

In der Hoffnung, Sie alle vielleicht doch noch in Kürze in Neustadt/Holst. wieder-
zusehen verbleibe ich daher für heute mit den besten Wünschen und herzlichen
Grüßen von meiner Besatzung,