Das NEWO geht auf Tauchstation

10 JAHRE PARTNERSCHAFT MIT U 26


Empfang der U-Boot-Mannschaft durch OB Dieter Ohnesorge beim Weinlesefest 1984

Einen für Landratten ungewöhnlichen Ausflug hat das Newo-Team vor sich. Auf Einladung der Stadt Neustadt nimmt es in Kiel am 10jährigen Patenschaftsjubiläum des Unterseebootes U 26 teil. Selbstverständlich wird dabei mit dem U-Boot, das den Namen „Neustadt" trägt, auch auf Tauchstation gegangen, mit gemischten Gefühlen zwar, aber dennoch mit der Zuversicht. Denn bei Kapitänleutnant Lutz Bieber und seiner 20 Mann starken Besatzung ist man in besten Händen.

Unzuverlässiger Petrus
Eigentlich war die Gratulationscour für den 13. März vorgesehen. Aber Wettergott Petrus spielte nicht mit. Eis und Schnee machten ihren eigenen Terminplan für die Jubiläumsfeierlichkeiten auf, so daß erst jetzt - vom 30. Mai bis 2. Juni - die Neustadt-Delegation antreten kann.
Das Programm verspricht außer einer Begrüßung mit militärischen Ehren gemäß dem Bundeswehr-Reglement durch Kommandant Lutz Bieber und seine Mannen auch eine Besichtigung des Marinestützpunktes Kiel.
Für Neustadt sind die Besatzungsmitglieder von U 26 alte Bekannte. Schließlich kommen sie alljährlich zu diversen Veranstaltungen in die Pfalzmetropole, urn für kurze Zeit Wasser mit Wein zu tauschen. Als vierte pfälzische Stadt hat Neustadt am 13. März 1975 die Patenschaft eines U-Bootes der Bundesmarine übernommen. Die erste Anregung kam von Dr. Hans Ludwig Grieshammer, Korvettenkapitän der Reserve, bereits 1973. Seit Jahren bemüht sich der Offizier in Ruhe um die Vermittlung von Patenschaften zwischen einzelnen Schiffen der Marine und bundesdeutschen Städten. 1975 waren es rund 130 Schiffe, die Paten gefunden hatten.
   
Einstimmig
Im September 1974 stimmte auch der Neustadter Stadtrat dem Patenschaftsvorschlag des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Brix einstimmig zu. Wie es sich für echte Paten gehört, waren diese dann auch bei der Taufe und Indienststellung des U-Bootes im März 1975 dabei.
So, wie es jetzt beim zehnjährigen Jubiläum für die Mannschaft Gastgeschenke gibt, gab es damals 100 Flaschen Wein aus Neustadter Gemarkungen. Zwischenzeitlich hat die 18köpfige Besatzung, die einst unter Leitung des Kommandanten Kapitänleutnant Hartmut Manseck stand, mehrfach gewechselt. Die Zuneigung und Verbundenheit, welche die Patenschaft zur Bundesmarine als Bindeglied zwischen dem „kühlen" Norden und dem „sonnigen" Süden dokumentierte, ist jedoch geblieben. Sie wird alljährlich durch beiderseitige Besuche bekräftigt.

Weinkönigin
Mit von der Partie werden beim 10jährigen Geburtstag des U-Bootes die Pfälzische Weinkönigin Heidrun I. und die Feucht-Fröhlichen-Neustadter sein, die für die Wasserratten eine Weinprobe initiieren.
Am 2. Juni „tauchen" dann alle wieder auf, um Abschied vom Paten-U-Boot und der Besatzung zu nehmen, die danach sofort wieder in See sticht.

Angelika Wilde-Kaufhold

Quelle: Stadtanzeiger vom 30.05.1985
Fotos: kau


Das Paten-U-Boot lädt zum Jubiläum

NEUSTADT (red). Heute morgen sitzen 24 Neustadter im Bus in Richtung Kiel: Ab heute abend feiern sie das Jubiläum eines „Patenkindes" der Stadt Neustadt mit: Das U-Boot „U 26" begeht den zehnten Jahrestag seiner Indienststellung.

Zwar zählen die jeweiligen Besatzungen von „U 26" zu den eifrigsten Neustadt-Besuchern, wenn in der Patenstadt zu bedeutenden Anlässen geladen wird, doch die eigentliche Patenschaft gilt dem U-Boot. Oberbürgermeister Ohnesorge und Beigeordneter Jungmann führen die kleine Delegation an, sind allerdings schon vorausgesreist, um unterwegs noch Müllverwertungsanlagen im Norden des Landes zu besichtigen. Stadtverwalter, Vertreter der Parteien, Presse und 14 Aktive der FFN Neustadt bilden diesmal die Delegation .

Das Programm sieht morgen eine Kranzniederlegung am U-Boot-Ehrenmal Möltenort vor, anschließend ein Treffen mit den U-Boot-Fahrern von „U 26", dem die FFN-ler mit Präsident Alfred Schilling eine Pfälzer Weinprobe beisteuern. Dann können die Neustadter sich ein wenig auf dem Paten-U-Boot umschauen, abends wird zum Jubiläumsball eingeladen. Der Frühschoppen am Sonntag morgen bedeutet schon den Ausklang des Patenbesuchs.

Quelle: Rheinpfalz vom 31.05.1985


Im Smoking spricht man nicht von Angst

Der harte Dienst der U-Boot-Fahrer bleibt in der Enge der Stahlröhre - U 26 ein "glückliches Boot"

KIEL. Draußen an der Pier glänzt die schwarzbraune Stahlröhre von U 26 in der knallheißen Sonne. Das Turmluk ist offen, der unvermeidbare U-Boot-Mief einer fünfwöchigen Fahrt ist ausgelüftet. Außer der Wache ist niemand an Bord Kommandant und Besatzung stehen in schmucker Ausgangsuniform ihren Gästen zur Verfügung. Im Hotel Conti-Hansa wird ein U-Boot-Kapitel geschrieben, das mit dem harten Alltag an Bord nichts zu tun hat; es wird gefeiert. Es war am 13. März 1975, als U 26 zur ersten Fahrt auslief. Genauso lange ist es her, daß die Stadt Neustadt an der Waterkant Pate stand für U 26, getauft von der Gattin des heutigen Fregattenkapitäns Hartmann. Beide natürlich wieder dabei, jetzt beim Jubiläum.Neustadt hatte einige geübte U-Boot-Fahrer nach Kiel entsandt: Etwa Norbert Dreier, als Taufpate schon vor zehn Jahren dabei und seitdem mit dem Ehrentitel „Kurfürst“ Besatzungsmitglied auf Lebenszeit. Die Ehre teilt er sich mit Enno Scherwing, der aus gut gefüllter Privattasche den U-26ern manches Extra erlaubt und inzwischen zum „Großen Kurfürst“ avanciert ist. Dritter Kurfürst ist überdies Udo Lindenberg. Er ließ sich entschuldigen und lud dafür zu seinem nächsten Konzert ein. Daß die zehn Jahre recht nobel gefeiert werden konnten, verdankt U 26 neu einem U-Bootfahrer vom Zweiten Weltkrieg. Er hat überlebt, hat es zum Millionär gebracht und tief in die Tasche gegriffen.
U-26-Pate mit Leib und Seele sind auch OB Ohnesorge, Beigeordneter Jungmann, die Stadträte Klaus Römer und Friedrich Fuchs. Horst Brandl für die SPD als U-Boot-Neuling auf Tour war ein gelehriger Schüler, als das Kommando „Achtung Peilung“ geübt wurde. So ein Jubiläums-Boot will natürlich schwimmen und muß begossen werden. Ja, und die 14 FFN-Aktiven haben schon manchen Liter Wein an die Waterkant gebracht. Alfred Schilling bewies den Sealords am Sonntag, daß man eine zehnteilige Weinprobe, wenn's pressiert, in einem Tempo besprechen kann, in dem sonst im Norden Bier und Korn in durstige Seemanns-Kehlen zischen. Millionäre sind die Landratten-Paten aus der Pfalz zwar nicht, aber ihre Gastgeschenke fanden großen Anklang. Das Weinfaß von der Stadt, die Elewtritsche-Familie von „Kurfürst“ Dreier und die Holzschnitzerei von Alfred Schilling. U-26-Förderer Scherwing revanchierte sich bei den Delegatiosleitern mit den brandneuen U-Boot-Anstecknadeln, vergoldet natürlich. Die beiden Herren aus England, die plötzlich beim Empfang dabeistehen, gehören wirklich dazu. Aus der Patenstadt Lincoln sind John Thomas und Trevor Rook nach Kiel gekommen, um den Paten des Partners mitzufeiern. Auch Macon hatte man eingeladen. Doch da kam nicht einmal Antwort. Die Enttäuschung zeigt man nicht.
Man genießt den Landurlaub zum Jubiläum, das Büffet beim Ball, und ist zugleich stolz auf den Smutje, der in der engen Röhre manches leckere Mahl zaubert. Man dreht sich im Foxtrott-Schritt und läßt etwas von der extremen Belastung erahnen, wenn 22 Mann wochenlang im Boot kaum Platz haben, sich in der Koje zu drehen. Rund 60 000 Seemeilen hat U 26 auf der antimagnetischen Stahlhaut. Ein Drittel davon auf Tauchfahrt. Nie konnte man sich als Außenstehender ein besseres Bild machen vom U-Boot-Alltag als in dem TV-Film „Das Boot“. Die Endlosigkeit der 17-knoten-zähen Fahrt, die Monotonie, die Aggresivität des Lebens auf engstem Raum. Und die Gedanken an den Ernstfall, von dem jeder an Bord überzeugt ist, daß er seinen Beitrag leistet, ihn zu verhindern. Tanzmusik und Sekt lindern die Brisanz der harten Realitäten.
Und doch wird die U-Boot-Tragödie zweier Weltkriege nicht verdrängt. Das offizielle Programm vereinigt zu Beginn U-26-Besatzung, 24 ehemalige U-26-Fahrer aus dem Zweiten Weltkrieg und Gäste am U-Boot-Ehrenmal in Möltenort. Man legt unter militärischem Zeremoniell einen Kranz nieder. 28728 Opfer forderten die Kriegsjahre 1939 bis 1945 unter Wasser, 4744 waren es von 1914 bis 1918. Militärpastor Petersen findet die richtigen Worte. „Redet nich von Euren Erfolgen, sprecht über Eure Angst“ mahnt er die Veteranen. „Ich weiß nicht, warum die vielen jungen Menschen gestorben sind, ich weiß nicht wofür, ich weiß nur, daß sie tot sind“, so mahnt er die Jungen, die Sinnlosigkeit des Tötens nicht zu vergessen.
Doch das Leben geht weiter. Für U 26 bald wieder mit Einsatzfahrt. „Ein glückliches Boot“ ist U 26, sagt Fregattenkapitän Hartmann, Geschwaderchef. Nicht nur wegen seines guten Ausbildungsstandes und jenes „sagenhaften U-Boot-Geistes“, den auch der derzeitige Kommandeur, Kaleu Lutz Bieber feststellt. Mit seiner Patenstadt Neustadt, mit vielen Freunden und Gönnern ist U 26 fest in unserer Gesellschaft verankert, so stellte auch Oberbürgermeister Ohnesorge fest.
Ja und draußen an der Pier dümpelt der Gegenstand aller Feiern und Reden, U 26, sanft in der kaum bewegten See. Ein bißchen abseits, bis doch noch einige Besucher dem Jubilar einen Besuch abstatten. Neustadter wollen doch auch einen Blick ins Boot werfen. U 26 brilliert in seiner faszinierenden Häßlichkeit ausgeklügelter Technik und funktioneller Formen. Es ist eine Partnerschaft, die Menschen verbindet. U 26 hält sich diskret im Hintergrund.

G. WIEHLER

Am Ehrenmal der U-Boot-Fahrer beider
Weltkriege wurde ein Kranz niedergelegt.

Jedes Rohr an Bord kann lebenswichtig
werden.

Behende wie ein Artist: Der Motormeister
auf "heißer" Laufbahn

Drei "alte" U-26er bei der FFN-Weinprobe
im Stützpunkt

Quelle: Rheinpfalz vom 04.06.1985