Frische Brise in Sachen Partnerschaft

Delegation aus Neustadt-Weinstraße zu Besuch in Neustadt-Holstein bei Unterseeboot U 26

NEUSTADT/HOLSTEIN (ims). Nach zehn Stunden Anfahrt war alles klar: Bilderbuchwetter, blauer Himmel über der Ostsee, stets einen frische Brise und ein überaus abwechslungsreiches Programm „round about" - rund um die Uhr. Vom Heimathafen Kiel war das Unterseeboot U 26 ins holsteinische Neustadt ausgelaufen, um die aus der Partnerstadt Neustadt an der Weinstraße angereiste 45köpfige Delegation diesmal am schönsten Stützpunkt der Bundesmarine in der Neustädter Bucht zu empfangen.
Gern ist Oberbürgermeister Dieter Ohnesorge dem Wunsch des derzeitigen Kommandanten Kapitänleutnant Wolfgang Jeschke und seiner Besatzung nachgekommen, eine möglichst bunte Truppe Neustadter Bürger zum Partnerschaftsbesuch mitzubringen.
Sie setzte sich erstmals zusammen aus Schülern und Sportlern, Mitgliedern von Stadt- und Ortsbeirat, Angehörigen der Feuerwehr, von Polizei und Marinekameradschaft, wie auch der FFN, die der Mannschaft von U 26 seit Jahren eng verbunden sind. Fregattenkapitän Günther Hartmann, Standortsältester und Chef der U-Boot-Lehrgruppe, verwies beim Sektempfang in der Offiziersmesse auf das so intensiv gepflegte Patenverhältnis zwischen den Männern von U 26 und der Stadt Neustadt/ Weinstraße und ihren Bürgern. Für die herzliche Verbindung sprach schon das Programm, das die Gastgeber nach taktischen Gesichtspunkten erfreulich gestaltet hatten.
Mit der Besichtigung der Anlagen der U-Boot-Lehrgruppe und des Innenlebens von U 26 begann der informative Teil des Partnerschaftsbesuches. Daß der Spaß und die Möglichkeiten zum Kennenlernen nicht zu kurz kamen, dafür sorgten unter anderem das Fußball-Freundschaftsspiel zwischen der Besatzung von U 26 und einer interessanten Mitschung von Neustadter Gästen, der Bordabend und ein Bummel durch die Lübecker Altstadt. Über den weiteren Verlauf dieser beeindruckenden freundschaftlichen Begegnung werden wir noch berichten.

Quelle: Rheinpfalz vom 14.05.1984


Neuigkeiten und Erinnerungen von der Waterkant und vom Schiff

Neustadt/Holstein und Lübeck Stationen der Neustadter Delegation - Beim Fußball unentschieden

NEUSTADT (ims). Jede Menge Information und überwiegend heitere Erinnerungen konnten die 45 Neustadter von der Weinstraße von ihrem dreitägigen Besuch am Wochenende beim Paten-Unterseeboot U 26 in Neustadt in Holstein mit nach Hause nehmen. Für ideale Voraussetzungen gesorgt hatte dabei die Besatzung unter dem Kommando von Kapitänleutnant Wolfgang Jeschke, das Engagement der Feucht-Fröhlichen-Neustadter und nicht zuletzt die herzliche Verbindung zwischen Gastgebern und Gästen.

Über zwei Tage bot sich Gelegenheit zum Kennenlernen des Marinestützpunktes in Neustadt/ Holstein, begonnen bei der Besichtigung der Ausbildungsstätten der U-Bootlehrgruppe, des imposanten 30-Meter-Tieftauchtopfes bis zum Durchlaufen eines Ausbildungsabschnitts. In Vortrag und Filmdokumentation wurde mit dem Auftrag der Bundesmarine, im besonderen der U-Boot-Flotille vertraut gemacht.
Dem Blick über den Zaun zu den Kollegen vom Bundesgrenzschutz in Lübeck, bedeutendes Sicherheitspotential an der Küste und der innerdeutschen Grenze, folgte die Besichtigung eines Grenzabschnitts.
Ein Spaziergang in der Lübecker Altstadt, verbunden mit dem traditionellen Labskausessen in der historischen Gaststätte der Schiffergesellschaft bildeten den Gegensatz zur nahen Grenzproblematik.
Umso amüsanter die sportliche Begegnung zwischen den Mannschaften von U 26 und einer recht bunt zusammengewürfelten Neustadter Elf: Dabei OB Ohnesorge auf halbrechter Position, Polizeichef Metzger im Sturm, Schüler, offensichtlich geübtere Tennisspieler ... Das beide Seiten zufriedene Ergebnis: Ein Unentschieden in der Verlängerung, 5:5 mit Elfmeterschießen, gut „beweint" vom Sanitätskommando der FFN.
Je näher der Abschied, umso höher schließlich die Wogen guter Stimmung auf beiden Seiten, wobei das U-Boot-Kommando „Klarmachen zum Peilen" beim Bordabend mit Spanferkel und Bier am schnellsten Eingang in den Neustadter  Sprachgebrauch fand.
In kameradschaftlicher Verbundenheit werden nun im zehnten Jahr Erfahrungen zwischen Neustadter Bürgern und der Besatzung von U 26 ausgetauscht. Neuheit dieses Jahres: die Anpflanzung zweier Hausreben der Sorte „Gutedel" auf militärischem Terrain. Oberbürgermeister Ohnesorge und FFN-Präsident Alfred Schilling setzten sie gemeinsam mit dem Kommandeur der U-Boot-Lehrgruppe, Fregattenkapitän Hartmann - wohlbegossen mit Neustadter Rebensaft.
Die Überreichung von Gastgeschenken stand am Abschluß der eindrucksvollen Begegnung (am Samstag stieß auch Beigeordneter Jungmann dazu), die erneut zur Festigung des Patenschaftsverhältnisses beitrug. Auf das Weinlesefest im Oktober freut sich die Besatzung von U 26 heute schon. Dann gibt es Saumagen statt Matjes, neuen Wein statt Bier und Korn, und als Ergebnis der vergangenen Begegnung manch neue persönliche Bindung, als Beweise lebendiger Partnerschaft.

Eine steife Brise muß man schon vertragen können, wenn man sich in die  Welt der U-Boot-Fahrer wagt. Den Mienen der Neustadter auf dem Paten-U-Boot "U 26" (links Oberbürgermeister Ohnesorge) läßt sich ablesen, daß so ein bisschen "Nord"wind die "Südlichter" nicht erschüttern kann.

Quelle: Rheinpfalz vom 15.05.1984


Patenschiff U26 - Alles andere als ein Traumschiff

Zwei Meter unter dem Meeresspiegel schwindet die Sealord-Romantik - Trost kommt nur aus der Kombüse

Ein „Traumschiff" ist es nicht, das Paten-U-Boot der Stadt Neustadt, die „U 26". Doch Gegenstand heftigen Interesses beim Besuch vom Wochenende an der Ostsee. Wo der Kommandant behend am Turm kraxelt, sondiert OB Ohnesorge etwas vorsichtiger das Terrain.

Schwarzgrau, unscheinbar liegt er da im Hafen. Ein über 40 Meter langer Riesenfisch mit schmalem Rücken, dem allein die schwarz-rot-goldene Flagge Farbe gibt; U 26, eines der 24 Unterseeboote der Bundesmarine, Neustadts Paten-U-Boot, das seinen 100-Millionen-Mark-Wert unter der unauffälligen Schale nichtmagnetischen Stahls verbirgt Ein U-Boot, nein, das ist kein Traumschiff.
Nur noch während des Augenblicks, als Kommandant und Offiziere höflich-behilflich zum Einstieg bitten, kann sich das weitverbreitete Bild der Sealords in schicken Uniformen, vom flotten Leben der „blauen Jungs" halten. Zwei Meter tiefer, die 48 Zentimeter Durchmesser schmale Öffnung hinab, verblasst die von Freddy, Heino & Co. forcierte Stimmung. Dieselmief statt frischer Brise, Empfang in diffusem Licht und Enge zum Platzangstkriegen. Doch mit aalähnlichen Windungen sind die 30 Meter zwischen Motor- und Wohnraum am ungefährlichsten zu überwinden. Hier gilt „Raum für Technik über alles" - zugunsten geringer Bootsgröße und des Vorteils größerer Wendigkeit - zugunsten erhöhter Sicherheit und eben auf Kosten des Bewegungsraumes für die 22-Mann-Besatzung. So bleibt weniger als ein Quadrameter pro Nase, zum Essen, Schlafen, Arbeiten.
Eingetaucht in eine Welt, die der Öffentlichkeit meist verschlossen bleibt, kommen schon Erinnerungen an die 30000 deutschen U-Bootfahrer auf, die während der zwei Weltkriege in diesem Gefährt von hydrodynamischer Form gleich den stählernen Sarg fanden. Der Aufkleber von Mac-Donalds in der Kombüse und die Stimme des „Kaleu", Kapitänleutnant Jeschke, verdrängen den Rückblick. Zeit zum Staunen, ja. Zum Nachdenken? Besser nicht. Der Ernstfall wird nur geprobt in den Gewässern vor England oder an den Ostseezugängen. Dafür muß auch U 26 des öfteren auf Tauchstation, vierzehn Tage, drei Wochen lang. Und während diesen Einsätzen wird selbst den härteren Typen der „Job", der heute nur noch ausgewählte Spezialisten brauchen kann, mit seinen extremen Belastungen bewußt.
Trost kommt dann regelmäßig aus der Kombüse. Kuchen und Kalorienbomben gegen eventuellen Katzenjammer. Fernsehen und Videorecorder zur Unterhaltung? Bei U 26 heißt es noch: Nein, danke! Zu anstrengend ist der alle vier Stunden wechselnde Dienst-/Freizeit-Rhythmus. Das Ausruhen, Schlafen wird bevorzugt, die Konzentration fordert ihren Preis.
„Unterseeboote sind geeignet zum Torpedoangriff, Minenlegen, zur Fernaufklärung..." Ruhig und sachlich wird technisches Raffinement im Grundprinzip erklärt Von Sonar- und Radaranlage ist die Rede. Gesprochen wird über Sensoren, die über die Peilung zum Ziel, Lage und Identität des Ziels Aufschluß geben. Das Unterseeboot U 26 verfügt über acht Bugtorpedorohre, steht in einer Informationsschrift zu lesen. Welche Auswirkungen sie haben können... ?
„Kein Zuckerlecken, ... würd' ich nicht aushalten,... Maulwurfdasein", heißt es in manchen Randbemerkungen. Dabei ist der Streß im Boot und unter Wasser nur zu erahnen. Und das Wissen, daß die Seestreitkräfte des Warschauer Paktes denen der NATO um fast ein dreifaches überlegen sind, drückt plötzlich ganz schön in der Magengrube.
Die Mannschaft von U 26, vier Offiziere, fünf Feldwebel und 13 Unteroffiziere, sehen die meisten nun in anderem Licht. Diskutiert wird von den „alten Hasen" noch lange über technische Fortschritte. Gelassen fragen Jugendliche und sie erhalten nüchterne Argumente. Offen, nicht geschönt. Aber auch von Ängsten in der Krise, im Verteidigungsfall ist die Rede. Wieder festen Boden unter den Füßen, werden sie verdrängt Der frische Ostseewind pustet Gedanken um Krieg und Frieden weg. Zurück bleibt die schönste Momentaufnahme von U 26. Im Sonnenschein gleitet es geräuschlos zum Hafen hinaus. Vom Turm aus winken der Kommandant und zwei Offiziere zu der Neustadter Gruppe herüber. Alle winken lange zurück.

INGA MARIA SÄFTEL