Deutsches Weinlesefest


1959

Dieser Jahrhundertweinjahrgang ließ auch in den Reihen der Feucht-Fröhlichen-Neustadter etwas reifen; den Gedanken um ein Winzerdorf.
Hatten die Feucht-Fröhlichen sich für dieses Jahr einen Weinstand gebaut, in dem sie neben dem "Neuen" auch "guten Alten" am Bahnhofvorplatz zum Ausschank brachten (die obenstehenden Bilder zeigen dies) so reifte in ihnen der Gedanke ein "Winzerhaus" zu bauen. Während dieses Problem über den ganzen Winter hinweg "gewälzt" wurde, Pläne gemalt, Finanzierungsvorschläge gemacht, heftig "für" und "gegen" debattiert und das Finanzamt dabei in eine Relation gebracht wurde, kam das Frühjahr.

1960

Von März bis Oktober dieses Jahres wurde das erste Winzerhaus unter Mithilfe der treuen Förderer Jakob Lamm und Wilhelm Auberer gebaut.
Es waren an rund 60 Arbeitstagen zusammen 3.100 Arbeitsstunden geleistet, zwei stadteigene Baracken in der Siedlerstraße zur Holzgewinnung abgerissen, ein Barvermögen der FFN von rund DM 2.000,- aufgebraucht, rund DM 3.500,- Schulden gemacht und eine Anzeige eines Anliegers und die polizeiliche Einstellung der Arbeiten wegen Störung des Feiertagsfriedens hingenommen worden.


Die beiden Bilder zeigen:

Vesper an einem Arbeitstag

Diskussion nach der polizeilichen Einstellung der Arbeiten am Christi-Himmelfahrtstag 1960

Die untere ist eine Aufnahme aus den Septembertagen 1960. Damals waren auf dem Gelände Kriegshäuser an der Talstraße zwar schon die "Maler" am Werk, aber noch nicht klar, wer den FFN das Holz für das Dach auf "pump" geben würde. Den Fußboden hingegen stellte in dankenswerter Weise 5 Jahre Ph. Schwab zur Verfügung, bis es nach Abtragung des Schuldenberges möglich war, einen eigenen Fußboden zu zimmern. Wer kennt nicht das schmucke Winzerdorf am Bahnhofvorplatz, nachdem die Stadtverwaltung und die Trachtengruppe 3 weitere Häuser dazu bauen ließen? Mekka der Weingenießer - Treffpunkt der Weinfreunde. Unser obenstehendes Bild zeigt Oberbürgermeister Dr. Brix, Sendeleiter Wilhelm Kutter vom SDR und Bürgermeister Framenau bei einer Weinprobe im FFN-Winzerhaus.

Zum ersten Male seit zwei Jahrzenten steht wieder ein Winzerhäuschen auf dem weinfestlichen Bahnhofsplatz. Nicht dem vielgerühmten wirtschaftlichen  Unternehmergeist ist es zu verdanken, sondern dem "feucht-fröhlichen Neustadter" Bürgersinn einiger Idealisten, auf daß andere beispielgemäß nacheifern. Dann wird eines Tages auch das schmucke Weindorf wieder vorhanden sein, das einst eine Zierde des Deutschen Weinlesefestes gewesen ist. (Aufnahme: Peil)

1961

Das Jahr 1961 sieht die Feucht-Fröhlichen-Neustadter beim Deutschen Weinlesefest in dreifachem Einsatz: Sie betreiben ihr eigenes Winzerhaus Sie mieten das inzwischen von der Stadt erbaute zweite Winzerhaus an und bewirtschaften es und sie führen erstmals einen inzwischen oft nachgeahmten Weinausschank vor dem Festzug durch. Zu letzterem Zweck werden vier Lastwagen gechartert, mit Kelleratrappen umkleidet und sternförmig ab 12 Uhr in die Innenstadt auf Reisen geschickt. Werbeslogan: "Ein Viertel Neustadter Rosengarten mit Glas DM 1,-".
Wie diese Neuerung zur Belebung beigetragen hat beweist die Tatsache, daß mehr und mehr Organisationen diesen Weg im Lauf der Jahre eingeschlagen haben und es dadurch den Feucht-Fröhlichen leicht machten, die Ebene dieses Tun's zu verlassen in der Gewißheit: Das Ziel ist erreicht, gleich durch wen und mit welchen Mitteln.