Vereinsgründung / 14.01.1953


1953

Aber mit dieser Selbständigkeit allein war nichts anzufangen; wichtig war, wie präsentiert man sich der Öffentlichkeit. Das Protokollbuch über die Sitzung vom 14.1.1953 gibt Aufschluß:

Anwesend:
Präsident Bach, Vice Schilling, Finanzminister Kaul, Protokoller Kampfmann, die Mitglieder Baldauf, Zinkgraf, Klein, Braun, Scheid, Schlick und Schmidt.

Einziger Tagesordnungspunkt: Namensgebung.

Vorschläge:
1. Weinkiste
2. Dunnerkeil
3. endlich allein
4. FFN - Feucht-Fröhliche Neustadter -
5. Gewidderbutze
6. Weinnarren
7. Reblaus
8. Rappelkischd
9. Kunterbunt
10. Wechselzünder

Aus diesen Vorschlägen blieben letztlich übrig:
1. Weinkiste
2. Reblaus
3 FFN - Feucht-Fröhliche Neustadter -

Bei der Abstimmung erhielt der Vorschlag von Willi Klein - FFN - die Mehrheit. Von diesem Zeitpunkt an gab es also die offiziellen
F.F.N. - Feucht-Fröhlichen Neustadter

Schon am 17. Januar stellten sich diese FFN der Öffentlichkeit vor. Lassen wir hierüber die Presse berichten: "Bis auf den letzten Platz besetzt waren alle Räume der Winzergenossenschaft. Leicht begreiflich, wenn man wußte, daß dort der bisherige Jungelferrat, der sich selbständig gemacht hat, sein bestmöglichstes zum Gelingen des Abends beitrug. Höhepunkt des bewegten Kappenabends bildete das mehrmalige Auftreten der bestens bekannten Neustadter Stimmungskanone Heinz Baldauf. Der Winzerwirt, der für seine Gäste vorbildlich sorgte, erhielt einen hohen Narrenorden verliehen."

Der Erfolg beflügelte. Acht Tage später schon - am 24.1.1953 - gings erst richtig los. Auch hierzu nur die Kommunikationsmittel:
"Im Reigen der zahlreichen Faschingsveranstaltungen fand in der Waldmannsburg ein Kappenabend besonderer Prägung statt. Veranstalter war die karnevalistische Nebenregierung von Neustadt, genannt "FFN", also Feucht-Fröhliche Neustadter. Diese aus jungem Narrenvolk gebildete Gesellschaft hat, da sie offenbar hoch hinaus will, die Waldmannsburg zu ihrer Hochburg erklärt. Der Abend stand unter dem Motto: FFN dreht weiter uff - und macht schun Widder ener druff. Die FFN hatten zum Publikum eine feste Verbindung. Ein Programm hatten sie sich zurecht gelegt und entfesselten damit ein frohes und feuchtes Leben und Treiben. Höhepunkte der Veranstaltung waren das Auftreten Heinz Baldaufs mit seiner französischen Paradiesgeschichte und ein völlig unpolitischer Staatsbesuch "Exkönigs Faruk". Bei einer anschließenden völlig unkriegerischen Luftschlangenschlacht wurde gar viel Munition verschossen. Äußere Verletzungen gab es keine." Und solchermaßen im Fahrwasser ging's weiter mit dem 31.1.1953, über den die Öffentlichkeitsorgane berichteten:
"Beim protestantischen Kirchenchor war der Stimmungshöhepunkt erreicht, als die FFN ihren prunkvollen Einzug hielten. Dann schlugen die Wellen der Fröhlichkeit natürlich erst recht hoch. Elferratspräsident Bach verteilte reichen Ordenssegen und anschließend nahm das nebenregierende Ministerium mit schönheitsgewohnten Augen und treffsicherem Urteil eine Maskenprämiierung vor. Alles in allem: Die Stimmung war großartig. FFN in bester Form!"

Der Maskenball des "Frohsinn" in der Turnhalle am 14.2. und die Saalbau-Redoute am 16.2. schlossen sich an, worüber berichtet wird:
.....als die Feucht-Fröhlichen Neustadter einen Elferratseinmarsch inszenierten und bei stürmischem Beifall der Präsident die Geschwindigkeitsbegrenzung aufhob, alle Anwesenden zu Prinzessinnen und Prinzen ernannte, konnte er die "Frohsinn"-Vorstände mit prächtigen Orden dekorieren." Das obenstehende Bild gibt Ausschnitte wieder. Fastnachtsdienstag - 17.2. - sieht als Hauptquartier den "Bayer. Hies'l". Der Saal ist bis auf den letzten Stuhl besetzt, als König "Faruk" - alias Alfred Schilling - erscheint und im wahrsten Sinne des Wortes "die Bude" auf den Kopf stellt. Es existiert hierüber leider kein Bildmaterial. Doch aus der gleichen Zeit stammt die nachstehende Aufnahme aus einem "Frauenrechtlerinnen-Vortrag"  zwischen Alfred Schilling und Herbert Schreiber.Und am Aschermittwoch - 18.2. - sangen die FFN - müde und wieder im Ernst des Lebens angekommen - das Lied vom braven Mann.

Das Jahr hatte jedoch erst begonnen. Erneut waren es die FFN, die sowohl das Wolfsburgspiel, wie auch die Erstürmung des Winzinger Tores - genau wie im Vorjahr - aufführten. Interessant ist es, nebenstehend einmal die Akteure bei der Probenarbeit zu sehen, womit bewiesen ist, daß nicht alles Gold ist, was glänzt, sondern daß dahinter manche Stunde harter körperlicher und geistiger Arbeit steht. Schon damals von den FFN praktisch vorexerziert. Die schönen Seiten der Sache zeigt die obenstehende Aufnahme mit Alfred Schilling als "Stadtbürgermeister" und Erich Faber als "Bürgermeister von Winzingen".
Aber noch einmal in diesem Jahr stand den FFN ein Großeinsatz bevor; die Mitwirkung beim Deutschen Weinlesefest.

Die bacchantische Phantasie zur Wahl und Krönung der Deutschen Weinkönigin wurde unter wesentlicher Mitgestaltung der FFN im Festsaal des Saalbaues aufgeführt, woraus die obenstehende Aufnahme stammt. Noch mehr aber trug zum Gelingen des Deutschen Weinlesefestes bei der von den FFN gestaltete und gebaute Festwagen "In Neustadt werd die Weltachs gschmiert". Wir entnehmen dem Protokoll, daß diesem Wagen höchstes Lob gezollt wurde und daß die Anerkennung in einer für unsere damaligen Verhältnisse sensationell hohen Spende von 50,-  DM bestand. So ändern sich die Zeiten. Und unter welch dramatischen Umständen war der Festwagenbau vor sich gegangen.
Das "Zeug" wollte infolge des schlechten Wetters einfach nicht trocknen, die Maler konnten deswegen nicht malen und es war schon Freitag Nacht. Vier Ster Holz wurden um den Festwagen aufgeschichtet und abgebrannt, um den Trocknungsprozeß zu beschleunigen. Es gelang. Bei den FFN ist eben nichts unmöglich.