Die Wurzeln / 1949 - 1952


Gründungsjahr und Entwicklung...

... Betrachten wir also mit Stolz als "Amme" der Feucht-Fröhlichen-Neustadter unseren Walter Engelmann, und als Mutterschoß den Karnevalverein 1840.

Vater hingegen - und hier mag dem Verfasser gestattet sein, ein klein wenig zu fabulieren - war mit Sicherheit Bacchus, der Gott des Weines in einer seiner besten Stunden.

Die damals noch jungen Geburtshelfer, die beiden Famulusse Bach und Faber, sondierten, getreu ihres Sendauftrages, das seinerzeit noch weitaus kleinere Neustadt und vollendeten die Geburt der ersten FFN mit der Mannschaft

Erich Faber als Präsident
 - Fabrizius Robertsohn, Edler von Amorbach -

Hermann Bach als Vice
 - Fürst Hermanicus zum Bächel-Eilossedoch

Werner Flügel als Finanzminister
 - Pfalzgraf Werner vom hohen Eck

Rudi Kerling als Minister für Äußeres
 - Rudi Graf Kedi von Backpulverhausen -

Hubert Hager als Minister für schöne Künste
 - Hubertus der Hagere vom Steinbruch -

Rolf Müller als Minister ohne Portemonnaise
 - Raubritter Müllerius zu Pflasterhausen -

Rolf Schleicher als Minister für Propaganda
 - Rolf der Schleicher zum Liebesbrunnen -

Waldemar Roßmann als Fox- und Sambaminister
 - Graf Waldemar der schöne von Witzelhausen -

Hans-Rolf Peter als Minister für schmierige Angelegenheiten
 - Hans Freiherr Klcksler vom Öltopf -

Werner Wendel als Minister für gesamtnärrische Angelegenheiten
 - Wendelin der Sänger von Dichtershausen -

Fred Kleemann als verkehrter Minister
 - Fred von der Landstraße in den Kleeacker -

Das "WERDEN" der Feucht-Fröhlichen-Neustadter

- Walter Engelmann zum Gedenken -


Die Karnevalskampagne 1948/49, die erste nach dem Beginn der wirtschaftlichen Wiedergesundung von uns Deutschen, war zu Ende gegangen. Im Kreise der damals alle noch schlanken Neustadter Narren hatte das närrische Volk im "alten Saalbau" der Darbietung der "Jungen" Hermann Bach und Erich Faber zugejubelt, die sich  zeitgemäß so sinnig

"Neueste Funknachrichten"

titulierte. Der unvergessene, leider so früh schon so tragisch verstorbene Präsident des Karnevalvereins, Fabrikant Walter Engelmann, in seiner Funktion als "Walter von der Nudelweide" in aller Erinnerung, den man getrost als Eizelle allen heimatlichen Brauchtums in einer Epoche bezeichnen darf, er fasste in der "Aschermittwochsfeier" in der damaligen Sektkellerei Gennheimer in der Maximilianstraße seine spühenden Gedanken so in Worte:

"Wir brauchen einen Jungelferrat".

Er, der damals schon 64-jährige Universalmensch, Rundummensch, das Urbild eines echten Pfälzers nach echtem Schrot und Korn, der humorigste der Humoristen, der trinkfesteste aller Trinkfesten, der sprachgewaltigste aller Sprachgewaltigen - mit einem Wort - die Kostbarkeit Neustadts zu dieser Zeit, er beauftragte Hermann Bach und Erich Faber - wie Weiland der Herr in seiner Sendbotschaft:

Gehet hin und suchet euch
weitere neun Freunde
die zu euch passen
die in der Lage und bereit sind
dem Frohsinn und Humor zu dienen
erstmal zur Eröffnung
der Karnevalscampagne 1949/50
aber auch fürderhin bei allen Anlässen
auf daß ihr
- erst einmal elf entsprechend
der närrischen Ziffer -
mit eurem jugendlichen Elan
neue Punkte aufzeichnet
und zu verwirklichen sucht.

Wie weitschauend war doch Walter Engelmann, wenn man bemüht ist, zur heutigen Zeit Parallelen zu sehen.

Dieses "Leben gewordene Instrument Feucht-Fröhliche-Neustadter" wurde urkundlich als "Jungelferrat" personenstandesrechtlich in den Protokollen eingetragen. Wie überall in der Welt stellten sich als erstes Kinderkrankheiten ein, die zum Ausscheiden verschiedener Freunde und zur Neuformierung des Jungelferrates führten. Im obenstehenden Bild, das als älteste Aufnahme des Jungelferrates gilt, stellt er sich vor.

Walter Meyer, Fred Kleemann, Heinz Baldauf, Alfred Schilling, Werner Baade, Hubert Haager, Hermann Bach, Rolf Müller, Erich Faber, Hans-Joachim Gottschalk, Werner Flügel.

1949

Schon bei der ersten Vorstellung in der Öffentlichkeit fällt der damalige Jungelferrat aus dem Rahmen - dem Rahmen der Narrheit -

Er wird nicht vorgestellt zur Eröffnung der Narrenkampagne am 11.11., oh nein - er wird vorgestellt am 12.11.

Ort der Handlung:Damaliges Gesellschaftshaus - heute Rotkreuzhaus -
Zeit:20 Uhr 11 Minuten
Frage:War dies ein mißglückter Start?
Karnevalsembleme:Natürlich geliehen
Aufgabe:Großes Maskulina - Ballett - das tanzende Kamel -
Optik:Leider kein Bildmaterial mehr aufzutreiben
Fazit:Erste Zeichen zur Hebung des Weinumsatzes. "Jungelferrat mischt sich anschließend unter das Narrenvolk". Wahrlich, eine lapidare Feststellung im Protokollbuch.
Und weiter daraus:
"Heimkehr bei Tagesgrauen"
Welch schreckliches Omen!
Eigentliche Vorstellung:Alle Jungelferräte zogen laut närrischer Anordnung nach Aufruf in den Saal ein und hatten ihre ersten "Gehversuche" vermittels eines überdimensionalen Schnullers, eines Nuddels, zu demonstrieren. Solche Diktionen müssen, wie mitunter die Folgejahre bewiesen, geradezu nach Revanche geschrien haben.

1950

Die Vereinsliteratur zeigt, daß zu jenen Zeiten die Bindung der jungen Leute während des Jahres sehr lose, um die Zeit des Ausbruchs der Narretei aber, also etwa ab Oktober, umso intensiver war. Lesen wir doch mit Interesse, daß es Aufgabe des Jungelferrats im Jahre 1950 war, einen Kindermaskenzug auszurichten, der, beginnend um 13.00 Uhr am Sonntag dem 19. Februar am Bahnhofplatz, durch die Stadt geführt wurde und im großen Saal des Saalbaues mit Kinderspielen des "Onkel Schorsch", Kinderballettvorführungen und einer Maskenprämiierung endete.
Es ist nicht beweisbar, aber aus dem Material zwischen den Zeilen zu erkennen, daß der "Motor" der Jungen stark durch die Bremse des Altelferrats gedrosselt wurde. Jedenfalls war ein gemeinsamer Einzug beim Rosenmontag dem 20. Februar nicht vorgesehen. Der Prinz - zu dieser Zeit Ännchen Bayer - (offenbar sehr den Jungen gewogen) lehnte es ab, offiziell von der Bühne zu proklamieren, wenn nicht der Jungeleferrat erscheine.
Hierauf sicherlich wartend rutscht die Elf über eine Rutschbahn von der Galerie in den großen Festsaal, bekleidet als Kavaliere mit Monokel, Chrisantheme, Handschuhe und Stock, um dem Prinzen die Referenz zu erweisen und den Fortgang des "Protokolls nicht weiter zu stören. Dieser seinerzeitige kalte Krieg wurde dadurch beigelegt, daß beim Staatsbesuch bei der Weinkönigin in Diedesfeld das alleinige Programm in - wie die Anweisung vom 14. Februar aussagt - "Vorführungen des Jungelferrats" bestand. Dabei erinnern wir uns noch gerne an die Vorträge "Kaffee", "Trompetensketsch", "Floh" und "Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt". Den Zeitplänen nach waren beim "Noppes" in der Friedrichstraße viele nächtliche Proben zu absolvieren. Wen wundert's da, wenn dies auch heute noch da und dort passiert?

1951

Kalauer-Vortrag

Die Chronik zeigt auf, daß der Jungelferrat in diesem Jahr sehr häufig und sehr aktiv tätig war. So beim ADAC-Ball, beim Maskenball des Männerchors, bei der Sitzung der "Rheinschanze" Ludwigshafen, der Pfälzer Fastnacht in Kaiserslautern, der Festsitzung in Bad Dürkheim und der Jubiläumssitzung am 31. Januar. Ein reicher Programmteil wurde jeweils gestellt. Noch häufig wird heute die Meinung vertreten, daß die Darbietung "Schüsse im Schloß" eine der besten Nummern war, die der Jungelferrat je gebracht hat. Unvergessen hierbei Heinz Baldauf als Geräuschmeister. Ebensogut der "Kalauer"-Vortrag, von dem wir obenstehend ein Bild mit (v. l. n. r.) Baldauf, Faber, Bach und Schilling bringen.Zu dieser Zeit soll übrigens das Verhältnis zwischen den Damen der Altelferräte und den Jungelfern so glänzend gewesen sein, daß sie sich - während die "Alten" mit der Prinzengarde in der Villa des damaligen Ministers Wickert auf der Hambacher Höhe feierten - im Atelier Gerspach zu  einer tollen  Partie trafen.  Dem Vernehmen  nach  wurde  zu  später  Nachtstunde der "Sturm der Villa Wickert" durch den Jungelferrat telefonisch angekündigt. Und während die "Altelfer" sich mit  Malerwagen  und  dergleichen  verschanzten und 1 1/2 Stunden im Kalten in Stellung lagen, feierten die "Jungelfer"  munter weiter, wovon die untenstehende Aufnahme beredtes Zeugnis gibt. Der "Altelferrat" soll damals mit steifen Gliedern bittere Rache geschworen haben.

Jungelferrat mit Damen des Altelferrates im Atelier Gerspach

1952

Dies war ein Jahr, in dem wohl mit die meisten Akzente in der Geschichte des Vereins gesetzt wurden. Wurden noch die Karnevalsveranstaltungen in reicher Fülle durchgeführt, so waren doch schon düstere Wolken am Himmel der Freude erkennbar.
Jedoch der Reihe nach:
Neben der Teilnahme an den eigenen Sitzungen des Karnevalvereins 1840, insbesondere an der Damensitzung, wurde teilgenommen und mitgewirkt beim 50-jährigen Jubiläum der Kölner Ehrengarde, beim Weinstraßenkarneval in Saarbrücken und v. a. m. Erstmals aber wurde am 6.1.1952 im Stadion ein Fußballspiel zwischen Presse/Rundfunk und dem KV 1840 ausgetragen.
Nachstehend die Mannschaftsaufstellung:

Moster
LührsWickelt
ÖhlbachMeiningerBirghan
HauckBachKorbBaldaufMeier

Auszug aus der schriftlichen Trainingsanweisung vom 20.12.1951:

"Spieltaktik:  In der ersten Halbzeit wird auf Tordeckung mit 5 Verteidigern und 2 zurückgezogenen Läufern aus dem Sturm (halb rechts, halb links), in der zweiten Halbzeit nach Neuauffrischung der Mannschaft auf Sturm gespielt (Nicht für die Presse). In der Halbzeit können 4 Spieler ausgetauscht werden. Hierfür stellt der Jungelferrat unbedingt 4 Ersatzleute. Für das leibliche Wohl hat die Prinzengarde besorgt zu sein, aufgrund der von uns rechtzeitig ausgehändigten Schnapsflaschen.
Die Neustadter Ärzte und die freiwillige Sanitätskolonne werden anwesend sein.
Hans Lührs schließt noch eine Unfallversicherung ab. Das Krankenhaus wird auf das Stadion verlegt. Am 6. Januar wird mit Kälte zu rechnen sein, weshalb ich die im Saal geübten Kämpfer auf genügende Schutzmittel aufmerksam machen möchte. Da die Presse ihrerseits als Herausforderer die ganze Sache m. E. etwas ernst nimmt (vergl. Artikel im Vorderpfälzer Tageblatt vom 20. Dezember 1951) und wir uns nicht durch allzuhohe Packungen blamieren dürfen, so bitte ich die genannte Aufstellung, Organisation, Ersatzleute und Proviantierung einzuhalten."

Am Schluß der Karnevalskampagne aber war die Auffassung zwischen Altelferrat und Jungelferrat so unterschiedlich, daß man sich nach verschiedenen harten Sitzungen, in denen viel wahres und unwahres gesagt worden war, entschloß, sich zu trennen. Dies hieß für den bisherigen Jungelferrat, sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen, ein Feld, das nicht ausschließlich auf der Ebene des Karnevals lag.

So wurde die Pflege des heimatlichen Brauchtums auf das Panier geschrieben und erstmals sowohl das Wolfsburgspiel, wie auch das Spiel zur Erstürmung des Winzinger Tores bei der Winzinger Kerwe gestaltet. Die untenstehende Bildnachlese gibt hierüber beredtes Zeugnis.
Sie zeigt oben die Akteure Kaul, Klein und Schilling und unten einen Szenenausschnitt mit Faber als „Baschan"

Szenenschnitt bei der Erstürmung des Winzinger Tores