Zwölf kleine Häuser mit großer Tradition

„Haiselscher"-Gastgeber nehmen langen Anlauf fürs Weinlesefest - Bis 10. Oktober geöffnet


Fröhlich feiern die Vereine in den Haiselschern mit ihren Gästen: Fachgerecht angezapft wird der '88er Bacchus durch den Beigeordneten Lutz Frisch (rechts) und den Präsidenten der "Feucht-Fröhlichen-Neustadter", Alfred Schilling, wie das linke Bild zeigt. Auch die "Singende Elf" (im mittleren Bild) bietet den Besuchern ausgezeichnete Weine. Vereinsvorsitzender Heinz Dörr (links) prostet dem "Vorkoster" Dr. Karl Adams zu (2. von links). Zünftige Musik bieten die "Woisträßler" als gute Beigabe zum edlen Rebensaft (rechtes Bild).

Die „Haiselscher" sinn widder uff. Im Weindorf am Saalbau geht's seit Samstag rund, dort wird während des Weinlesefestes mit allerlei Pfälzer Leckereien gefeiert. Das Weindorf mit zwölf Fachwerkhäuschen hat eine Tradition, die bis in die dreißiger Jahre zurückreicht. Neben anderen Vereinen sind dort die „Feucht-Fröhlichen-Neustadter" (FFN), die hiesige Trachtengruppe, die „Singende Elf" und die „Woisträßler" engagiert, die am vergangenen Freitag zur Vorschau geladen hatten.
Was die FFN-Aktiven bis 10. Oktober vom Neuen Wein, dem edlen alten Tropfen und Pfälzer Leibgerichten in ihrem Doppelhaus, anbieten, stellten die Vereinsvorsitzenden Alfred Schilling und Wilhelm Centner am Freitagabend in ihren zwei Gaststuben vor. Die „Feucht-Fröhlichen" servierten neben einer Weinprobe Rückblick und Vorschau von Vereinsaktivitäten. Beigeordneter Lutz Frisch zapfte gekonnt den '88er Bacchus mit 78 Grad Oechsle an.
Der Chef der Trachtengruppe bedankte sich mit einem Knopfkelchglas und einem Riesendubbeglas bei den fleißigsten der Häuslebauer, Yyonne Scholz und Jürgen Warkus sowie Ännchen Müller als ältestem Mitglied. Vom Erlös, der in „Spinnrädel" und „Rebstöckel" erwirtschaftet wird, werden wiederum Trachten angeschafft. Nicht immer präsent können die FFN'ler in der Weinfestvorwoche sein. Das FFN-Doppelhaus bleibt deshalb heute am Montag, morgen und am Donnerstag geschlossen.
Kaum sind die Haiselscher uff, zeigt das Stimmungsbarometer bei der „Singenden Elf prompt steigende Tendenz. Den Beweis tritt die feuchtfröhliche Runde am Freitagabend im Vereinsheim an, als Heinz Dörr und seine Mannen für gute Laune bei den Gästen sorgten. Dr. Karl Adams von der Weinbauschule stellte zehn prämierte Weine vor, die er zusammen mit Kellermeister Klaus Julier aus dem Anbaugebiet der Deutschen Weinstraße ausgewählt hatte. Trocken beziehungsweise halbtrocken war der Wein, nicht aber der Vortrag von Adams, der sich den Humor der „Singenden Elf" zu eigen machte. Seit 15 Jahren hat er dieses Amt inne, erzählt alljährlich Wissenswertes über den Wein. Zwischen den Weinproben sorgte die „Singende Elf" mit Schunkelliedern dafür, daß auch das „Knochengerüst" in Bewegung blieb. Zum 25jährigen Bestehen in diesem Jahr zeigte sich die Truppe in bester Verfassung.
„Tierisch" ging es bei den „Woisträßlern" am Freitag zu. In einer zehnteiligen Weinprobe, besprochen von Peter Fröhlich, wurden nur Weine vorgestellt, in deren Lagenname sich ein Tier verbirgt. Der Bogen spannte sich dabei vom Kindenheimer Vogelsang Dornfelder QbA bis hin zur Mußbacher Eselshaut Ehrenfelser Trockenbeerenauslese. Auch wenn mancher Lagenname nicht völlig zu klären war, wußte Fröhlich viel Interessantes einzubringen. Dem Motto des Abends „Pfälzer Wein - ein tierisches Vergnügen: Ein Bummel mit Musik und Prosa" entsprechend wurden die Pausen zwischen den Proben gefüllt mit Mundarttexten zum Thema Wein, vorgetragen vom „Woisträßler"-Vorsitzenden Harald Ehresmann, und Weinliedern des Trios Edi Wieczorek, Karl Heinz Hey und Harald Ehresmann. Tiere besonderer Art gaben dem Begrüßungscocktail den Namen. Serviert wurde der „Neustadter-Elwetritsche-Drink" (eingelegte Kiwi mit einem Sahnehäubchen). Selbst das Dessert nach der „Ochsenbrust mit Meerrettich" war „tierisch", es gab Bienenstich. Der am weitesten gereiste Gast des Abends war Linda Woods aus den USA, die gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter eine Europatour nutzte, um alte Bekanntschaften aufzufrischen.
awk/gik/krl


Die fleißigsten Haiselscher-Bauer der Trachtengruppe Neustadt, Yvonne Scholz (links) und Jürgen Warkus (2. von rechts) zeichnet Vereinsvorsitzender Wilhelm Centner aus. Das älteste Mitglied, Ännchen Müller (rechts), gratuliert mit dem Dubbeglas.

Quelle: Rheinpfalz vom 26.09.1988
Fotos: Franck, Wilde-Kaufhold