Würdigung für Lincolns Wein

Feucht-Fröhliche-Neustadter besuchen englische Freunde

NEUSTADT (red). Die Aktiven der Feucht-Fröhlichen-Neustadter (FFN) kehrten von einem Besuch bei ihrem Bruderverein FFN-Section Lincoln zurück. Eine Fahrt zur englischen Gartenschau nach Stoke-on-Trent sowie der obligatorische Besuch in Lincolns Weinberg gehörten zu den Höhepunkten des Programms.

Die vom Partnerschaftsbeauftragten der FFN Neustadt, Günter Pein, organisierte Fahrt führte zunächst über London. In Lincoln waren die Gäste bei den Familien der FFN-Lincoln untergebracht, wo alte Freundschaften vertieft und neue geschlossen wurden. Zwei vollbesetzte Busse waren dann von Lincoln nach Stoke-on-Trent zur Gartenschau unterwegs. Bei sonnigem Wetter spazierte die Gruppe durch blumengeschmückte Hallen, über Brücken und kleine Hügel zu der Nachbildung eines Neustadter Weinhäuschens. Im Inneren wurde durch Bilder und Schriften die Partnerschaft zwischen Lincoln und Neustadt dokumentiert und für die Pfalz und ihren Wein geworben.
Eine Besichtigung des 1972 unterhalb der Kathedrale von Lincoln angelegten Weinberges war zufriedenstellend. Die Reben zeigen in diesem Jahr allerdings einen spärlichen Traubenbehang, was durch die nördliche Lage des Weinbergs bedingt ist. Daß dieser Weinberg aber auch einen recht guten Tropfen hervorbringen kann, davon konnten sich alle an dem festlichen Abschiedsabend überzeugen.
Nach einem Dinner, begleitet von Dudelsackmusik, wurde ein 1984er Lincolner Wein zum Käse gereicht. Unter einem Wandbehang, der den Neustadter Löwen mit dem Lincolner Wappen in den Krallen zeigte, hatten nach dem Essen die Präsidenten der Vereine Gelegenheit, die Verbundenheit zwischen Neustadt und Lincoln zu betonen. Don Smith und Alfred Schilling waren sich einig, daß die Partnerschaft zwischen beiden Vereinen noch lange Bestand haben solle. Alfred Schilling überreichte als Gastgeschenk eine große, getöpferte Elwedritsche mit den Wappen von Neustadt und Lincoln, die für alle Mitglieder der FFN Lincoln kleine Kinder mitgebracht hatte. Beim Abschied zeigte sich dann erneut, daß die seit 1970 bestehenden Bande zwischen der FFN Neustadt und Lincoln eng sind.

Quelle: Rheinpfalz vom 16.08.1986


Schoppen an Schoppen

Am Freitagabend ist die "fünfte Jahreszeit" angebrochen

NEUSTADT (röt/krl/guh). Es ist nicht mehr zu übersehen: „Die Haiselcher, die Haiselcher sin uff" - angebrochen ist seit Freitagabend die „fünfte Neustadter Jahreszeit".
Tausende zog es am Samstagabend zu den zwölf Häuschen hin. Nicht nur in ihrem Inneren, sondern auch davor im Freien platzte das Geschehen fast aus den Nähten. Rücken an Rücken, Schoppen an Schoppen - so standen die Besucher dicht hintereinander gestaffelt um die dunklen Holzfässer herum. Tausende von Litern neuen Weines gingen am ersten „Häuschentag" bereits über die Theken. Nicht nur in großen Kannen wird er ausgeschenkt, sondern auch mit Hilfe eines Plastikschlauches, zeit- und personalsparend übrigens, direkt ins Glas gezapft. Ob nun süß oder milchig oder schon durchgegoren-herb, jedermann findet nach der ersten Probentour bei seinen Geschmacksfavoriten im Angebot der neun Vereine.
Der Freitagabend stand traditionell ganz im Zeichen der inoffiziellen Häuschen-Eröffnung. Doch das sonst übliche Treiben wird man vergeblich gesucht haben, denn ein Teil der betreibenden Vereine hatte diesmal in ihre eigene vier Wände geladen. So auch die Singende Elf, bei der Vorsitzender Heinz Doerr die Gäste im neuen Vereinsheim im Branchweilerhof willkommen hieß. Nach 13 Jahren zum ersten Mal waren hier auch die Frauen der Sänger mit von der Partie. Wie gewohnt präsentierten sich die Gastgeber von ihrer besten Seite, jede Menge musikalischen Frohsinn wurde dem begeisterten Publikum geboten. Krönender Höhepunkt des Abends war eine Spätburgunder-Probe aus den Anbauflächen rund um Neustadt, zusammengetragen vom Kellermeister der Vereinigung, Klaus Julier. Zwölf hervorragende Vertreter dieser Sorte, ihr Anbauanteil beläuft sich auf 1,1 Prozent, konnte Dr. Karl Adams, Leiter der Landes- Lehr- und Forschungsanstalt präsentieren. Seine Vorhersage für den 86-er Jahrgang: „Kein Jahrhundertjahrgang, aber mit großer Menge und gutem Mostgewicht".
Zur Eröffnung ihres Weihhäuschens lassen sich auch die „Woisträßler" immer etwas Besonderes einfallen. Dabei wird, wie es die Weingräfin der Unterhaardt Renate II ausdrückte, der Wein in Verbindung mit kulinarischen Genüssen gesetzt. Dieses Jahr verband die Vorstandschaft eine neunteilige Weinprobe mit einer Auswahl excellenter Käsesorten. Zu jedem Wein wurde, wie Vorsitzender Peter Fröhlich betonte, in mühevoller Probenarbeit der richtige Käse ausgesucht. Zeigen wollte man, daß der deutsche Wein vorzüglich zu Käse paßt, wobei man allerdings den Franzosen beim Käse völlig den Vortritt ließ. Lediglich eine der neun Spezialitäten kam nicht aus Frankreich sondern aus Italien. Peter Fröhlich stellte die Weine und die Käsesorten vor, sein Lob für Käse und Wein wurde Von den Gästen uneingeschränkt geteilt. Der zweite Vorsitzende Harald Ehresmann umrahmte die Probe mit meist selbstgeschaffenen Versen zum Thema Wein und Weingenuß. Die Unterhaardter Weingräfin Renate Siebert aus Grünstadt überreichte den Woisträßlern als Dank für deren unermüdlichen Einsatz um den Wein den Wappenteller der Gemeinde Grünstadt. Hugo Müller übergab im Namen der Winzergenossenschaft Haardt ein Weinpräsent und Schmuck für das Vereinsheim der Woisträßler, die Hüllsburg. Nach der Weinprobe hatten die Gäste Gelegenheit, die Weine zu probieren, die nun für drei Wochen im Häuschen ausgeschenkt werden. Und damit hieß es dann (auch) für die Woisträßler: „Die Haiselcher, die Haiselcher sinn uff.
Die „Feucht-Fröhlichen-Neustadter" machten ihrem Namen alle Ehre, als sie - feucht-fröhlich, versteht sich - zusammen mit über zweihundert Mitgliedern und Freunden des Vereins die inoffizielle Eröffnung der „Haiselcher" feierten. Traditionsgemäß fiel der Startschuß zum Weinlesefest im „Partnerschaftskeller" der FFN. Im FFN-„Haiselche" am Bahnhof hätte man die vielen Gäste, die auf den Bänken zusammenrücken mußten, auch kaum untergebracht. Kommunalpolitische Prominenz war natürlich auch vertreten, von FFN-Präsident Alfred Schilling herzlich begrüßt. Oberbürgermeister Ohnesorge mußte sich in einen zünftigen Kellermeister verwandeln, die Ärmel hochkrempeln und das erste Faß mit Neuem Wein, Jahrgang 1986, anstechen (unser Bild). Und durfte in (fast) korrektem Neistadterisch bekanntgeben: „De Neie laaft...". Neben dem Unterhaltungsprogramm mit Hermann Becker hatte sich die FFN diesmal etwas Besonderes einfallen lassen. Die „Feucht-Fröhlichen-Neustadter" wollen von ihren Gästen nämlich wissen, wie es um ihren Sachverstand in Bezug auf Wein bestellt ist. Dazu veranstalteten sie ein „Wein-Quiz", bei dem fünf Proben Mittelhaardter Weine aufgefahren wurden. Rebsorte, Geschmacksrichtung und Herkunftsort galt es herauszufinden oder - bei weniger Beschlagenheit in Sachen Wein - zumindest zu erraten. An den Tischen wurde gefachsimpelt, als würden lauter Weinprüfungskommissionen zusammensitzen. Und das Ergebnis zeigte, daß der Kenntnisstand der Gäste recht zufriedenstellend war. Auch wenn ein Tisch bei einem Wein auf „Herkunftsort: Mittelengland" getippt hatte...

Quelle: Rheinpfalz vom 29.09.1986
Foto: Franck


FFN - Ein Eingeschworener Verein

Naheliegend, daß sich in der Allgemeinsprache mit dem Begriff "feucht-fröhlich" recht unterschiedliche Vorstellungen verbinden. Daß mehr dahinter steckt, wenn von dem Verein der Feucht-Fröhlichen Neustadter die Rede ist, dafür steht hier auch Neustadts Ex-Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Brix. Er hat im Jahr 1977 den Grundstein zu dem Bürgerhaus gelegt, in dem der Partnerschaftskeller der "FFN" liegt. Hermann-Michael Kaufmann berichtet.

"Die Feucht-fröhlichen Neustadter"

Über die "Feucht-Fröhlichen Neustadter", die landläufig nur FFN genannte Truppe, zu schreiben, ist für einen Journalisten Ehrensache, wenn er sich mit ihnen sozusagen von Anbeginn verbunden fühlt. Und das ist von Erinnerungen geprägt, die noch bis in die Jahre vor der FFN-Gründung hineinragen. Wenn man dazu im berühmten Keller, dem vor Unternehmungslust geradezu sprühenden Präsidenten Alfred Schilling gegenüber sitzt, dann sprudelt dieser Brunnen munter, munter...

Seit 31 Jahren beispielhafter Präsident des Vereins und immer bereit vorrangig Mitverantwortung zu tragen: Alfred Schilling.

Alle vier Wochen treffen sich die Aktiven der "Feucht-Fröhlichen" in ihrem gemütlichen Weinkeller und rücken beim Stammtisch noch enger zusammen: Hier werden die zahlreichen Einsätze geplant.

Alfred Schilling lacht schallend in Erinnerung an das erste sogenannte Weinhäuschen auf dem Bahnhofsplatz, das mit Strohmatten gedeckt war, die nicht gerade windfest waren. Der 1987 runde 60 Jahre alt werdende Schilling ist der dritte Präsident der FFN. Seine Wahl erfolgte vor 31 Jahren, am 22. Juli 1955. Die beiden Vorgänger waren Erich Faber und Hermann Bach, die schon bei der Gründung als "Geburtshelfer" fungierten, um den "Mutterschoß", den Karnevalverein 1940, Neustadt, von dem "Kindlein" zu befreien, dessen Vater, wie sie fabulieren, nur "Bacchus" gewesen sein könne. Mit Hochachtung verwies Schilling aber auch auf die "Amme" und ihre großen Verdienste in der Person des unvergessenen Walter Engelmann. Die Namensgebung für den Neuling wurde fast zu einer Prozedur, denn zehn Vorschläge lagen seinerzeit auf dem Tisch. Darunter "Dunnerkeil, Gewidderbutze, Rappelkischd, Wechselzünder oder Weinkiste". Doch alle fielen sie durch, die Mehrheit entschied sich für "Feucht-Fröhliche Neustadter", ein Name, den Willi Klein ausgebrütet hatte. Das war am 14. Januar 1953 und schon am 17. Januar stellte sich die FFN im Rahmen eines Kappenabends der Öffentlichkeit vor. Und das mit Erfolg. Damit hatte der Jungelferrat des KVN seine Selbständigkeit erreicht. Ein Wunsch ging damit in Erfüllung. Mancher lächelte über die Neugründung und dachte vielleicht: "Na ja, ein Stammtisch mehr!". Doch die "Feuchtfröhlichen" wußten von Anfang an genau was sie wollten und bauten systematisch auf. So wurden sie in über drei Jahrzehnten zu einem Begriff, besser noch zu einer Institution mit internationalem Flair, der man Anerkennung und Respekt nicht versagt. Alfred Schilling erzählt, daß er sich nach seiner Wahl, von allen Aktivitäten in den Vereinen zurückgezogen habe, um sich ganz der FFN widmen zu können, die er mit seinen Kameraden als wichtigen Werbeträger für die Pfalz und ihren Wein sah. Das sei für ihn fast eine Lebensaufgabe geworden. Dabei übersieht er nicht, auf die große Hilfe seines Finanzberaters Herbert Kaul hinzuweisen, der mit ihm vor 31 Jahren das verantwortungsvolle Amt übernommen hatte. Pauschal kommt es zu einem besonderen Lob für die gesamte Mannschaft und ihren Zusammenhalt. "Mein Vorstand", ergänzt Schilling, "ist eine ganz hervorragende Crew, die immer bereit ist, neue Ideen zu verwirklichen und für Attraktivität zu sorgen, die dem Verein Anerkennung einbringt. Ich allein bin nichts", betont Schilling bescheiden, "nur gemeinsam können wir die Aufgabe bewältigen, die wir uns gestellt haben". Damit ist die Kerntruppe der FFN gemeint, die aus 30 Mitgliedern besteht. Davon gehören außer Alfred Schilling und Herbert Kaul noch Vizepräsident Gerd Reif, Schriftführer Dietmar Keimer sowie Michael Joa als Geschäftsführer dem Vorstand an. Eine besondere Stütze für den Verein sind die 200 passiven Mitglieder, echte Fans, die immer zugreifen falls es notwendig ist. Das kann man ohne weiteres auch den Damen der Aktiven zubilligen, die oft auch ihre "Frau" stehen.

Weinlese in der Gemarkung "Neustadter Mönchgarten". Bei der Ernte helfen auch viele Freunde der FFN mit. Hier wächst der Präsent-Wein, auf der Flasche ein feiner trockener Riesling.

Ausnahmsweise englische Bierspezialitäten servierten die Aktiven der FFN-Sektion Lincoln 1984 ihren Neustadter Freunden bei einer spektakulären Bierprobe in der Stella-Halle. Sie taten es für einen guten Zweck.

Die FFN pflegt die Freundschaft zum Paten-U-Boot U 26, stationiert in Neustadt in Holstein, auf herzliche Art. Kapitänleutnant Lutz Bieber bedankt sich hier im Namen der Mannschaft für eine excellente Weinprobe bei den Neustadtern.

Gemeinsamkeit stellten der englische und der deutsche FFN-Präsident bei der Spendenaktion zugunsten des Saalbau-Stammtisches unter Beweis. Bei der feierlichen Übergabe (von links): Don Smith; Alfred Schilling, ein Gast aus Mâcon, Oberbürgermeister Ohnesorge sowie Peter Archer und Frau aus Lincoln.

Der Geist ist es, der diese Truppe auszeichnet. Darin steckt eine Menge Idealismus und die richtige Einstellung. Ohne dies, wäre das Programm der vielfältigen Aktivitäten nicht zu schaffen. Auszeichnungen und Geschenke an den Wänden und auf den Tischen des Kellers sind dafür die deutlichen Zeichen. Allerdings darf man nicht übersehen, meint Schilling, daß die Arbeit von den Aktiven persönliche Opfer fordern, für die auch die Familien viel Verständnis aufbringen müssen. Das ist bei einem Blick auf den "Fahrplan" von 1981 zum Beispiel sofort einleuchtend, denn es ging damals um mehr als 90 Einsätze. Darunter waren allein 35 Tage zum Auf- und Abbau sowie Bewirtschaftung der Weinhäuschen anläßlich des Deutschen Weinlesefeste. Abgesehen von der Teilnahme am Festzug. Ferner standen 20 stilvoll angebotene Weinproben und 20 Einsätze für den 1977 übernommenen Keller und seinen Ausbau im Plan, der heute allen Anforderungen moderner Gastlichkeit genügt. 1500 Personen waren damals 1981 zu Gast. In diesem Jahr mußten bereits die Sandsteine im Keller neu verfugt werden. Das waren drei Wochen harte Arbeit für alle; täglich drei Stunden. Dabei konnte dann endlich der versprochene Grundstein mit der Jahreszahl 1977 gesetzt werden, den Bildhauer Norbert Mayer meiselte.
Die Aktivitäten der FFN sind Legion; man könnte schon fast ein Buch darüber schreiben. Man denke nur an die Einsätze in Sachen Lincoln-Partnerschaft seit mehr als zehn Jahren. Schon 1972 wurde der nördlichste Weinberg Europas an der Kathedrale mit 500 Rebstöcken gesetzt, der bereits ansehnliche Tropfen reifen ließ. Besonderes Lob verdienen auch die Patenschaftsverbindungen zum "Airbus Neustadt", zum "U-Boot 26" und zu "Neustadt in Holstein". Alles Pluspunkte für die Heimat. Respekt gebührt den FFN-lern für ihr Engagement auf sozialem Gebiet, wie bei der Altenbetreuung, Müttergenesung oder Hilfe für körper- und geistig behinderte Kinder, Versehrten Sportgruppe, Behinderte und Schüleraustausch. Groß aufs Panier geschrieben ist die Erhaltung des Pfälzer Brauchtums sowie der Weinkultur. Selbst wenn es um das Holz für den weit und breit bekannten Kamin im Keller geht, steht die Mannschaft bereit, um sich als Holzfäller-Kommando zu betätigen. Rund 25 Ster werden dabei geschlagen und für den Abtransport fertig gemacht. Nur wer in seine eigene Sache verliebt ist, ist ein echter FFN-ler. Der Lohn sind die besonderen Veranstaltungen mit familiärem Charakter. Da wird dann auch der Neustadter Mönchsgarten probiert; ein Riesling Kabinett, den sie für eigene Zwecke abernten und abfüllen lassen, um einen Wein für repräsentative Zwecke anbieten zu können. Schon zum 20jährigen Jubiläum 1969 spendete Oberbürgermeister Dr. Brix der FFN außerordentliche Anerkennung für ihren Einsatz zum Wohle der Stadt Neustadt; Weinbaupräsident Kurt Isler meinte: "Wir haben allen Grund uns dafür von Herzen zu bedanken".
HERMANN MICHAEL KAUFMANN

Stippvisite im nördlichsten Weinberg Europas, auf dem Gelände der Kathedrale der Stadt Lincoln. Vor 14 Jahren pflanzte die FFN Neustadt 300 Rebstöcke an.

Quelle: Neustadt Journal 11/1986