Neustadter „Till"

Den Neustadtern ist Hermann Bach mehr als „Till" bekannt. Weniger als Gründer der Feucht-Fröhlichen-Neustadter, nachdem er den Weinbotschaftern nur ganze zwei Jahre als Chef vorstand. Berufliche Gründe zwangen damals den heute 60jährigen „Narren", seiner Heimatstadt den Rücken zu kehren. Trotzdem ist Hermann Bach Neustadt über den örtlichen Karnevalverein und die Freunde der FFN, die die Verdienste des Jubilars für den feuchtfröhlichen Verein anläßlich seines 60. Geburtstages würdigten, treu geblieben. Seine Verbundenheit zu seiner Geburts- stadt bekundet Hermann Bach alljährlich - nach einer Zwangspause - mit seinem Auftritt als Till in der Narrenbütt. Mit Humor und dem nötigen Ernst hält er den Bürgern und Ratsmitgliedern den Spiegel vor und sagt als Narr nicht selten die Wahrheit.
Denn Hermann Bach ist gut informiert, was sich in Neustadt im Laufe eines Jahres an Lokalkolorit tut. „Wir können und wollen auf unseren Freund Hermann nicht verzichten", sagt Alfred Schilling, der in diesem Jahr dreißig Jahre die Geschicke des Vereins Feucht-Fröhliche-Neustadter leitet. Hermann Bach, der heute in Mönchengladbach lebt und arbeitet, ist also jederzeit gerngesehener Gast.


FFN-Präsident Alfred Schilling (links) überreicht Hermann Bach ein feucht-fröhliches Präsent

Quelle: Wochenblatt vom 09.05.1985
Foto: wk


Was Alfred Schilling mit einem Riesling gemein hat

Die Firne erhöht die Qualität - Dreißig Jahre FFN-Präsident - Dazu ein langgedienter Finanzchef


Die Seele der FFN ist nun seit dreißig Jahren schon Präsident Alfred Schilling (2. von rechts). An FFN-Dienstalter übertrifft ihn sogar noch Schatzmeister Herbert Kaul, zwanzig Jahre ist Weinhäuschen-Experte Jakob Kramm (rechts) am Werk. Offizieller Gratulant ist FFN-Vize Gerd Reif.

NEUSTADT (krl). Dreißig Jahre Präsident, zweiunddreißig Jahre Schatzmeister, wer kann schon auf eine solch lange Amtszeit zurückblicken? Alfred Schilling und Herbert Kaul können es: Sie lenken bereits für diese Zeiträume die Geschicke der Feucht-Fröhlichen-Neustadter.
Diese Jubiläen, das zwanzigjährige Jubiläum des „Weinhäuschen-Aufbau-Experten" Jakob „Jockel" Kramm und die zehnjährigen Jubiläen des FFN-Geschäftsführers Michael Joa und des Partnerschaftsreferenten Stefan Hafen waren für die FFN Anlaß zu einer geselligen Familienfeier mit einem deftigen Pfälzer Essen in der Eselsburg in Mußbach zu Ehren der Jubilare.
FFN-Vizepräsident Gerd Reif bedankte sich zuerst bei den Ehefrauen der „Langjährigen", bei Edeltraud Schilling, Marianne Kaul und Renate Kramm, mit einem Blumenstrauß, denn ohne ihre verständnisvolle Mithilfe hätten die drei mit Sicherheit nicht so lange in ihren Ämtern bleiben können.
In einem Rückblick zeigte er die Entwicklung des Vereins während der Amtszeit der Jubilare auf. Manche der Stufen sorgten für Falten im Gesicht des Schatzmeisters Kaul, dem es aber immer gelungen sei, den Haushalt in Ordnung zu halten. So sei der Verein zwar heute nicht vermögend, aber die Finanzen seien völlig in Ordnung.
Das offizielle Gründungsdatum der FFN, so Reif, sei trotz anderer Angaben der 14. Januar 1953. Seit dieser Zeit ist Kaul der Wächter über die Finanzen, seit 1955 leitet Alfred Schilling die Geschicke des Vereins, der seine erste Aufgabe in der Gestaltung von Festwagen für den Weinlesefestzug sah. 1960 wurde mit 200 Mark Kassenbestand das erste, 3500 Mark teure, Weinhäuschen finanziert, eine Zeit der schlaflosen Nächte für Kaul. Das zweite Haus folgte. 1962 wurde erstmals der Gedanke gefaßt, in die Werbung für den Wein einzusteigen, ein Beginn wurde mit Schweinfurt gemacht.
1964 beginnt die „Saalbau-Ära" der FFN, mit einer Reihe von Großweinproben. Da die FFN diese nach den damaligen Worten von Schilling „Für Pläsir, aber nicht für die Kass'" veranstaltete, waren hier weitere Sorgenfalten beim Schatzmeister fällig. Es folgte die Brixianische Ära und dann 1969/70 der Einstieg in die Partnerschaft mit Lincoln, die heute nun zu den vorrangigen Aulgaben der FFN zählt
Mit den siebziger Jahren schloß Reif seinen Rückblick, denn die Jahre bis heute seien den anwesenden Mitgliedern ja bekannt. Heute seien die FFN ein gestandener Verein, der in Neustadt, in der Pfalz, in Deutschland und durch die Partnerschaft mit Lincoln auch in Europa einen guten Namen habe. Und dies sei im wesentlichen das Verdienst der Jubilare.
Bei einem so dem Wein verbundenen Verein konnte die Beschreibung der Charaktere der Jubilare nur mit Vergleichen zum Wein erfolgen: Alfred Schilling, der Riesling: Ein harmonischer Wein mit angenehmer Säure, der auch nach langer Lagerung noch so gut ist wie am Abfülltag und dessen Wert durch einen leichten Firngeschmack nur noch gesteigert wird; Herbert Kaul, der Silvaner, ausgewogen in der Art und vor allem als Spätlese zu allen Zeiten trinkbar; Jockel Kramm, der Müller-Thurgau mit der Ausgeglichenheit des Silvaners und der Säure des Rieslings.
Als Ehrengeschenk für Alfred Schilling wurde eine eigens gestaltete Elwedritsche erkoren, die in ihrer Vielgestaltigkeit symbolhaft für das vielfältige Wirken des Präsidenten stehe. Herbert Kaul erhielt einen geschnitzten Winzer, dessen gefüllte Logel die Hoffnung widerspiegelt, daß die Vereinskasse immer wohlgefüllt sein möge. Weinverbunden auch das Geschenk für Jockel Kramm, das Wachsbild einer Winzerin an einer Kelter. Für Stefan Hafen und Michael Joa gab es schließlich aus der Hand des Präsidenten die Ehrennadel der FFN. Das Festessen wurde durch einen Telefonanruf „gestört", der zeigte, daß die Kunde von dem besonderen Jubiläum auch nach Lincoln vorgedrungen war: Don Smith, Präsident der Lincolner FFN-Sektion ließ es sich nicht nehmen, persönliche Glückwünsche aus England durch den Telefondraht zu übermitteln. So gab es Gründe genug für die Familienfeier, an der zur Freude der Jubilare eine große Zahl von FFNlern teilnahm, und die Eselsburg war Zeuge, daß die FFN sich auch aufs Feiern verstehe.

Quelle: Rheinpfalz vom 20.06.1985
Foto: B. Franck


Fröhliche Vorboten auf kommende Weinfest-Tage

Bei der inoffiziellen Eröffnung der „Haiselcher" alten und neuen Wein probiert - Vorschußlorbeeren für den 85er

NEUSTADT (röt/asn/krl). Es war einfach nicht zu überhören: „Die Haiselcher, die Haiselcher, die Haiselcher sin uff." Lautstark erschallte es aus dem Weinhaus der Singenden Elf. Auch im Häuschen von Woisträßlern und im Keller der Feucht-Fröhlichen Neustadter feierten Pfälzer Frohsinn und Fröhlichkeit hörbar Triumphe - ein Vorgeschmack auf die kommenden Weinfest-Tage.
Eine Weinprobe stand wieder im Mittelpunkt des ersten „inoffiziellen" S-11-Abends. „50 Jahre Deutsche Weinstraße" hieß das Motto. Elf Weine, ein klitzekleiner Teil der Frucht von den 160 Millionen Rebstöcken zwischen Schweigen und Bockenheim, präsentierte Dr. Karl Adams, Leiter der Landes- Lehr- und Forschungsanstalt (LLFA). Entlang der Jubiläumsstraße ging die Reise, musikalisch begleitet vom „Weinexpreß" der Singenden Elf. Endstation war in Neustadt, direkt „an der Pfälzer Weltachs'!". Eine Mußbacher Eselshaut, Jahrgang 1983, Silvaner Auslese, und ein 81er Königsbacher Idig, Optima Beerenauslese, „versüßten" den Abschied.
Einen kurzen Streifzug unternahm Dr. Adams durch die 85er Jahrgänge der einzelnen Jahrhunderte. Gab es 1185 eine frühe Lese mit einem herrlichen Wein, war 1485 Pest, Hunger und eine geringe Ernte zu verzeichnen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gab es nur noch bescheidene Jahrgänge mit schlechter Qualität, in diesem Jahr kann nun mit der Wende gerechnet werden: „Der 85er wird phantastisch", kündigte Dr. Adams an, vor allem der Riesling.
„Kein schöner Land in dieser Zeit" - keiner der mehr als 200 Besucher im Keller der Feucht-Fröhlichen Neustadter (FFN) wollte dieser Feststellung in einem Liedvortrag der Pfälzischen Parforce-Hornbläser widersprechen, denn auch das FFN-„Haisel" ist nun wieder geöffnet. Aus Platzgründen blieben allerdings beim inoffiziellen Eröffnungsabend die Tore noch geschlossen, denn dem Ansturm der aktiven und passiven Mitglieder sowie weiterer Gäste wäre das Weinhaus nicht gewachsen gewesen. So konnte Oberbürgermeister Dieter Ohnesorge auch ohne Platzprobleme das erste Faß mit neuem Wein anstechen, die Anwesenden das Essen mit anschließender 15teiliger Weinprobe ohne Gedränge genießen.
Natürlich gab's auch einen musikalischen „Nachtisch", wie Vorsitzender und Probensprecher Alfred Schilling eine Harnbacher Drei-Mann-Kapelle ankündigte, die mit Schunkelliedern einem Teil angefütterter Kalorien wieder den Garaus machte. Ebenso großen Beifall erhielt ein Glockenspiel-Solist aus Offenbach am Main. Und wenn die große FFN-Familie beieinander sitzt, sind natürlich auch Ehrungen angesagt. Die goldene Vereinsnadel erhielt Helmut Fecht aus den Händen von Alfred Schilling, der anschließend auch für Käthe Stürmer ein Präsent parat hatte. Ein besonderes Wort des Dankes sagte der FFN-Boß schließlich der Familie Bauer, die trotz ihres 33. Hochzeitstages dem „Häuschenfest" des Vereins die Treue hielt. Die Weinhäuscheneröffnungsfeier der Woisträßler gestaltete Hobby-Koch Günter Schönig zu einem kulinarischen Ereignis. Der Verein wollte, so Vorsitzender Peter Fröhlich, einmal den gewohnten Weinprobenrahmen sprengen. So wurde die zehnteilige Probe von einem Menü begleitet, das - bedenkt man die beengten Verhältnisse in der Küche - Günter Schönig im wahrsten Sinne des Wortes herbeizauberte. Zu jedem Gang - Parma-Schinken mit Melone, Kalbsrahmsuppe mit Chesterstange, Holsteinteller (mit Fischhappen), Lammfilet in Rahmsoße mit Kastanien und Rote Grütze mit Vanillesoße und Maraschinokirschen -wurden zwei Proben gereicht. Auch wenn die breite Öffentlichkeit während der Öffnungszeiten der Häuschen natürlich nicht mit solchen kulinarischen Feinheiten und einer solchen Vielfalt von Weinen verwöhnt werden kann, so verspricht der Verein allen Besuchern Trinken und Essen in bekannter Woisträßler-Qualität
Zu dem Eröffnungsabend in „geschlossener Gesellschaft" (manch einer mußte, angelockt von dem hell erleuchteten Häuschen erfahren, daß der offizielle Startschuß erst am nächsten Morgen fiel) konnte Peter Fröhlich den Ortsvorsteher von Haardt, dem Heimatortsteil des Vereins, begrüßen. Zahlreich vertreten waren auch die Bank-und Ex-Bank-Direktoren Kunz, Rendel, Siebert und Becker, Indiz dafür, daß der Ursprung der Woisträßler seinerzeit in der Betriebsfußballmannschaft der Neustadter Volksbank lag. Mit Beifall wurden zu später Stunde die Weingräfin der Unterhaardt, Renate II., und OB Dieter Ohnesorge begrüßt.
Weniger fröhliche Vorboten für das Weinfest waren die Zecher, die am Samstagabend im Weindorf dem Alkohol übermäßig zugesprochen hatten und Streit suchten. Mehrere Haiselscher-Besucher führte die Polizei nach Prügeleien ab und steckte sie bis gestern in die Ausnüchterungszellen.


Die Haiselcher hänn endlisch, endlisch uff: Am Freitagabend nahmen die „Woisträßler" (Bild links), die „Feucht-Fröhlichen Neustadter" (Bild Mitte) und die „Singende Elf" (Bild rechts) Anlauf zur Eröffnung des Weinlesefestes am nächsten Wochenende.

Quelle: Rheinpfalz vom 30.09.1985
Foto: Franck


Mode-Moderator Wein im FFN-Keller

NEUSTADT (gif). „Frisuren - Wein - Mode" bot zum siebten Male der Salon Hanni (Gitta Rottmayer) im Keller der Feuchtfröhlichen Neustadter. Die Mischung aus Modenschau und Weinprobe kommt gut an, und so war drangvolle Enge bei den FFN. Die Haarmode für das kommende Frühjahr wurde vor Ort geföhnt, gelockt, gefestigt und verwuschelt, ins getönte oder gesträhnte Haar gezaubert.
Die Mitarbeiterinnen des Salons Hanni führten profihaft bereits die Sommermode fürs nächste Jahr zwischen den Tischreihen vor. Badeanzüge und Bikinis, kess mit hochgezogenen Beinausschnitten und raffinierten Oberteilen wurden unter eleganten Bademänteln und Strandkleidern sichtbar. Schwarz ist dabei Trumpf, mit Farbeffekten durchsetzt oder mit Pailletten verziert.
Leichte, fließende Stoffe wurden zu Kleidern verarbeitet, die fast in eine Handtasche passen, so zart sind die Gewebe, Auch hier stand Schwarz neben stark kontrastierenden Farben in blumigen oder grafischen Dessins. Passende Accessoires -Gürtel, Ketten, Clips und Handtäschchen- unterstrichen die lässige Linie und setzten Akzente. Auf Verarbeitung von Ärmeln mit gefälliger Weite und Betonung der Halsausschnitte und Kragen wird Wert gelegt als Blickfang bei Kleidern, Jacken und leichten Mänteln.
Eduard Scharfenberger führte locker durch die Schau, während auf der Bühne fieberhaft an den Frisuren gearbeitet würde. Dazwischen gab es Weinproben, die FFN-Präsident Alfred Schilling besprach und mit Anekdoten, Witzen und Lebensweisheiten zum Thema Wein zusätzlich würzte. Woiknorze und Sauschwänzel sorgten für Neutralisierung der Zunge bis zur nächsten der insgesamt acht Sorten, angefangen bei einem Mußbacher Bischofsweg 1982 Dornfelder trocken und endend mit einem 1984er Haardter Herzog, Optima Beerenauslese.
Begeisterung schlug noch einmal Wellen, als die Mannequins in kostbaren Pelzen von Pelzhaus Bernbrich erschienen, unter denen sie exklusive Kreationen von Bademoden trugen.


Wein, Mode und Haartracht - einträchtig bei der Präsentation im Keller der Feuchtfröhlichen Neustadter.

Quelle: Rheinpfalz vom 16.11.1985
Foto: Franck


Vom Sinn der Spende überzeugt

Zwei Gruppen von FFN bedacht

NEUSTADT. Die Feucht-Fröhlichen Neustadter bestätigten auch in diesem Jahr wieder ihr soziales Engagement. Alfred Schilling und Gerd Reif von der Vorstandschaft besuchten während des vorweihnachtlichen Treibens den CeBeEf in ihrem auf Zeit zur Verfügung gestellten Haus am Marktplatz, um mit einer Geldspende dieser Vereinigung eine kleine Freude zu bereiten. Christoph Schwerer, Vorsitzender des Clubs der Behinderten und ihrer Freunde, freute sich über den Besuch und dankte dann beiden für die finanzielle Unterstützung. Er gab zu verstehen, daß das Geld mit Sicherheit einem guten Zweck dient.
Als zweiter Empfänger konnte der „Verein Lebenshilfe" eine Spende der FFN in Empfang nehmen. Bei der Übergabe der Schecks führte Arnulf Link, Vorsitzender des Vereins Lebenshilfe, und die Geschäftsführerin Elfriede Burhardt den Präsidenten der Feucht-Fröhlichen Neustadter, Alfred Schilling, durch das Haus der Lebenshilfe in Speyerdorf. Tief beeindruckt zeigte sich Alfred Schilling von den Betreuungsaufgaben, die der Verein Lebenshilfe im Neustadter Raum leistet.

Quelle: Rheinpfalz vom 18.12.1985