Alfred Schilling 25 Jahre Präsident der FFN

Für ihre Heimatstadt sind sie immer da

NEUSTADT. Bescheidenheit wird zwar vielen Leuten nachgesagt, ob sie diese Tugend aber tatsächlich besitzen, steht auf einem anderen Blatt. Auf wen es mit Sicherheit zutrifft, ohne wenn und aber, ist der „Boß" der „Feucht-Fröhlichen Neustadter", Alfred Schilling. Der Neustadter Geschäftsmann wirkt lieber im Stillen, obwohl „seine" FFN so oft im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht. So nimmt es auch nicht wunder, daß der 52jährige ohne Aufhebens ein Datum verstreichen ließ, das in der Geschichte der FFN von Bedeutung ist: Genau vor 25 Jahren wurde Alfred Schilling Präsident der „Feucht-Fröhlichen".
1952 war es, als sich etliche wackere Neustadter Männer zusammenfanden, um die inzwischen aus der Neustadter Szene nicht mehr wegzudenkende FFN zu gründen. Hermann Bach hieß der Mann, der das Vereins-Ruder übernahm. Doch, schon im Jahre 1955 war eine Neuorientierung an der FFN-Spitze notwendig: Hermann Bach veränderte sich beruflich, er mußte Neustadt verlassen. Doch für ihn gab es keinen Zweifel, wer in seine Fußstapfen treten sollte: Sein „Vize" Alfred Schilling, der seit 1953 zu den „Feucht-Fröhlichen" gehört. Der Einzige aus jener Zeit neben Schilling ist übrigens „Finanzminister" Herbert Kaul, er hat den Posten seit 26 Jahren inne).
„Es gab Höhen und Tiefen in diesen 25 Jahren, aber es ist uns immer gelungen, dank der Kameradschaft, dank des Zusammenhaltes, das Schiff sicher durch die Wogen zu bringen", blickt Alfred Schilling auf die 25 Jahre seiner Präsidentschaft zurück. Es gab auch Zeiten, da lag die FFN fast am Boden. Manchen Mitgliedern passten die Vereins-Richtlinien nicht hundertprozentig, andere sahen ein finanzielles Fiasko voraus, als das Projekt FFN-Keller sich immer mehr der Verwirklichung näherte. „Da galt es manchen Strauß auszufechten", bekennt Schilling. Doch auch diese Hürde wurde genommen, die Lücken in der FFN wurden von neuen Mitgliedern gefüllt. Heute kann der Verein auf 28 aktive und 180 fördernde Mitglieder verweisen, eine gesunde Basis.
Die Ziele, welche sich die FFN'ler gesetzt haben, sind klar umrissen: Pflege heimatlichen Brauchtums, Pflege der Partnerschaft zu Lincoln und der Patenschaften zur U-Boot-Besatzung 26 und zum Airbus A 300, getauft auf den Namen „Neustadt". Doch darin erschöpft sich die Tätigkeit jener Männer, welche aus allen beruflichen Schichten kommen und rnit Begeisterung, Feuereifer bei der Sache sind, keineswegs. Wenn es gilt etwas für die Heimatstadt zu tun, sind die Männer um Alfred Schilling immer da. Sei es bei Neustadter Festen, sei es bei Weinproben im FFN-Keller für auswärtige Gruppen oder Delegationen, welche Pfälzer Spezialitäten und Brauchtum kennenlernen wollen. „Am wichtigsten ist, nicht auf dem bisher Erreichten auszuruhen, dann verfällt ein Verein in Lethargie", meint der FFN-Präsident, der sich zum Ziel gesetzt hat, immer einige neue Ideen einzubringen, zu verwirklichen. „Wir sind für alles zu haben, was Neustadt, dem Ruf unserer Heimatstadt, dient", sagt er. Und wer das Engagement Schillings und seiner Truppe in der grünen Schürze kennt, nimmt diese Aussage ab, ohne auch nur ein bißchen daran zu zweifeln. Ende Juli soll die FFN bei einem Altstadtfest in Neustadt/Holstein mitwirken. ,,Wenn wir es irgendwie hinbringen, werden wir - trotz der Urlaubszeit - natürlich dort präsent sein, um für den Neustadter Wein zu werben".
Ist er nach 25 Jahren amtsmüde geworden? Alfred Schilling, dessen stete Freundlichkeit viel für das Image der FFN gebracht hat, verneint ohne zu überlegen. Solange er bei den Kameraden Unterstützung finde, von ihnen als Präsident akzeptiert werde und der Gesundheitszustand es erlaube, wird er weiter für die „Feucht-Fröhlichen" wirken. Was hierfür an Zeit, Idealismus, persönlichen Opfern erforderlich ist, verschweigt Alfred Schilling. Wie eingangs schon gesagt: Er liebt nicht die großen Worte, ist mehr für die stilleren Zwischentöne.
NORBERT KNOLL

25 Jahre an der Spitze der "Feucht-Fröhlichen Neustadter": Präsident Alfred Schilling

Quelle: Rheinpfalz vom 21.06.1980


Trockene Weine rasch begehrt

FFN hatte in Neustadt/Holstein Riesenerfolg - "Abstinenz" bei den Wurstspezialitäten

NEUSTADT (hink). „Eine der großen Attraktionen des Altstadtfestes war die .Fröhliche Weinstube" im Foyer unseres Rathauses. Dies war zwei Tage lang der ständig überfüllte Treffpunkt aller Festbesucher. Einen solchen Ansturm hat unser Rathaus im Laufe seiner langen Geschichte sicher noch nicht erlebt. Daß dies so war, und hervorragend bewältigt wurde, ist das Verdienst der gut eingespielten Mannschaft der Feucht-Fröhlichen Neustadter unter Präsident Schilling." Dieses Lob kam aus Neustadt/Holstein.
Die Qualität des ausgeschenkten Weines stellte auch die sonst eher Korn und Bier gewohnten Gaumen der Norddeutschen vollauf zufrieden, das Auftreten der FFN-Mitglieder sei eine Freude und Werbung zugleich gewesen. Ort der Handlung war „das andere" Neustadt in Holstein. Die vorstehenden Zeilen waren einem Brief an Oberürgermeister Dr. Brix zu entnehmen, in dem sich sein Holsteinscher Kollege, Bürgermeister Hans-Joachim Birkholz, für die Unterstützung bedankte. Durch die Entsendung der FFN-Abordnung seien die freundschaftlichen Kontakte der beiden Städte bestätigt worden.
Die FFN, immer bereit, für die Heimatstadt eine Lanze zu brechen, hatte eine Einladung von Bürgermeister Birkholz zum Altstadtfest angenommen, um auf diesem Volksfest zwei Tage lang Pfälzer Wein zu präsentieren. Ein Kleinbus, ein Lieferwagen und 13 FFN'ler machten sich auf den 700 Kilometer langen Weg an die Ostsee. Geladen hatten sie eine Theke, Fässer, Gläser und natürlich einen guten Tropfen, einmal lieblich, einmal trocken aus Diedesfelder und Hambacher Gefilden, dazu hausgemachte Wurst und Brot. Die FFN-Delegation wurde außerordentlich gastfreundlich empfangen. Die Stadt bedankte sich für die Unterstützung und die Bemühungen um die Städtefreundschaft mit einer sehr guten Unterkunft in ihrem Jugendheim direkt am Ostseestrand.
Im Foyer des Rathauses, an einem geradezu exklusiven Platz, richteten die Pfälzer ihren Ausschank ein. „Die fröhliche Weinstube" wurde zur Attraktion des Altstadtfestes und zum allgemeinen Treff, in dem es hoch herging, bei glänzender Stimmung. Die allerhand gewohnten Mannen um Alfred Schilling staunten nur so, denn eine solche Begeisterungsfähigkeit der „kühlen Norddeutschen" hatten sie ehrlich nicht erwartet, die sogar bis zu später Stunde ihre Standfestigkeit beim Wein unterstrichen.
Der Pfälzer Wein kam sehr gut an. Doch, wie im Norden üblich, sprachen die Holsteiner erst einmal dem lieblicheren Tropfen zu, während sie bei dem trockenen Wein Zurückhaltung übten. Doch sie stellten sich sozusagen stehenden Fußes um, denn als der liebliche Wein infolge der großen Nachfrage alle war, tranken die Holsteiner mit der gleichen Begeisterung den trockenen, der ihnen mit jedem Glas besser schmeckte, während die bei uns so hochgeschätzten Wurstspezialitäten nicht so ankamen; daran müssen sich norddeutsche Gaumen eben erst gewöhnen.
Bürgermeister Birkholz schlug bei der Eröffnung des Altstadtfestes traditionell ein Faß Bier an, doch wußte er auch den Ein-Liter-Römer zu schätzen, der ihm, gefüllt mit einem edlen Diedesfelder Riesling, gereicht worden ist und ganz nach seinem Geschmack war. Als Geschenk hatte die FFN für Birkholz das „Große Pfalzbuch" mitgebracht
Deutlicher kann der FFN-Erfolg nicht unterstrichen werden: Der Bürgermeister lud beim Abschied die Mannschaft um Alfred Schilling zum nächsten Altstadtfest wieder ein.

Quelle: Rheinpfalz vom 19.08.1980


Termin stand lange im Kalender

"Die Haiselcher" erlebten den ersten Ansturm - 17 Tage lang die Vereine im Dauereinsatz

NEUSTADT (hmk/ims/no). Seit Wochen war er schon in den Terminkalendern der Wein-„Schlotzer" vorgemerkt: Der 27. September. Was da passierte, intonierte die „Singende Elf" am Freitag voller Begeisterung: „Die Haiselcher, die Haiselcher, die Haiselcher sin uff. Obwohl längst bekannt, daß freitags nur für die Freunde und Mitglieder der einzelnen „Bewirtschafter" das Weindorf zwischen Saalbau und Bahnhof geöffnet ist, standen die ersten Dutzend Weinfreunde auf der Lauer, um vielleicht doch irgendwann in die Haiselcher schlüpfen zu können.
Am Samstag hieß es dann „Start frei" für alle, und es war auch ein „Massenstart". Wie die Heringe saßen die Besucher auf den Bänken gedrängt, ebenso rar war ein Stehplatz rund um die Haiselcher. 17 Tage lang sind die Mitglieder der Vereine im Dauereinsatz, zur Freude der Besucher, die sich auf deftige Schoppen, Pfälzer Spezialitäten und vor allem „uffs Babble" mit Freunden oder Fremden freuen.
Bis auf den letzten Platz besetzt waren auch die beiden FFN-Häuschen. Präsident Alfred Schilling strahlte, ist diese für ihn so erfreuliche Tatsache doch ein Gradmesser für die Beliebtheit der Feucht-Fröhlichen Neustadter. Zwei Probenbesprecher, in jedem Häuschen einer, Alfred Schilling
und Gerd Reif, stellten 13 Weine vor, zuerst jedoch die vier Ausschankweine, die von 13 Betrieben mit 51 Flaschen angestellt worden waren.
Neuer Wein gibt es ab heute, Montag. Ein echter Pfälzer kommt auf den Tisch, kein .Ausländer". Im Ausschank sind Müller-Thurgau, Silvaner, Kerner und ein trockener Riesling. Bürgermeister Ulrich Framenau zapfte in Vertretung von Oberbürgermeister Dr. Brix ein Faß „Festwein 80" an und erklärte das Deutsche Weinlesefest 1980 für eröffnet. „Wir wollen bemüht sein," betonte er, „Querulanten und Störenfriede von unserem Weindorf fernzuhalten, wir wollen uns die weinige Atmosphäre nicht verderben lassen".
Alfred Schilling ehrte im Verlauf des Abends verdiente FFN'ler. Für zehnjährige treue Dienste wurden mit der goldenen Ehrennadel Gerhard Buschard, Arno Kühling, Eugen Weiß, Dieter Schulze und Horst Geiger ausgezeichnet. Für 17 Jahre in den Reihen der FFN überreichte Schilling seinem Kameraden Manfred Biebel das Buch „Weinland Rheinland-Pfalz".
Zwei Quiz-Reihen mit je sechs Fragen bereiteten den Anwesenden viel Freude. Sieger in Sachen Rebsorten wurde Manfred Thidig, Mannheim, in der Fragenserie hatte Hans Preßmann, Neustadt, die Nase vorn.
Toleranz wurde großgeschrieben im Weinhäuschen des Vereins „Die Woisträßler". Pfalz- und Naheweine konnten sich profilieren und die amtierenden Weinköniginnen, die Pfälzerin Heike I. sowie Naheweinkönigin Ursula I. - beide Anwärterinnen auf den Thron der Deutschen Weinkönigin - zollten sich gegenseitig Anerkennung. Viel Prominenz hatte sich im gemütlichen Häuschen der „Woisträßler" versammelt. Die ehemaligen Weinhoheiten Heidrun Winkelmann und Christa Brauch, Bürgermeister Ulrich Framenau, die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Neustadter Volksbank sowie Abordnungen von Winzergenossenschaften und der Landes-Lehr- und Forschungsanstalt, das waren nur einige der Ehrengäste, die erster Vorsitzender Wolfgang Rendel willkommen hieß. Verkostet wurden die während des Weinfestes zum Ausschank kommenden Weine aus Haardter, Mußbacher und Hambacher Gemarkungen, der Patenwein von der Nahe sowie eine achtteilige Probe typischer Naheweine. Beifall und Zeichen der Anerkennung gab es rundum für die in Sachen Weinkultur so engagierten „Woisträßler". Ihr Wunsch für die bevorstehenden Festwochen: Dem Thema „Deutsches Weinlesefest" gerecht zu werden und allzeit um Harmonie bemüht zu sein.
Die „Singende Elf hatte zur Weinprobe geladen, quer durch die deutschen Weinbaugebiete; wobei man es, des Vergleiches wegen, bei QbA- und Kabinett-Weinen beließ. Interessant waren auch die fachlich-launischen Ausführungen von Dr. Karl Adams, der mit Anekdoten, Gedichten, weinkundlicher Kleinkunst in gebotener Kürze die rechte Einstimmung auf die Haiselcher-Atmosphäre lieferte. Daß die „Singende Elf" gleich in ihr musikalisches Repertoire griff, um mit lockeren Versen á la S11 den gut gelaunten Besuchern heitere Stunden zu bereiten, war selbstverständlich. Diese Bühne nutzten die Männer um Heinz Dörr, um gleich drei Neuschöpfungen unter's Volk zu bringen. Wenn auch auf Grund kurzer Probezeit mancher Ton ins Abseits rutschte, scheint sicher: Die Lieder „Dampnudle", „Schän, so schän" und „Trink, moin Pälzer, trink", können wieder zu Gassenhauern werden. Dr. Adams nutzte die Plattform der Weinkenner und -liebhaber um ein paar kurze Anmerkunfen zum Jahrgang 1980 zu machen. Man könne für die Pfalz konstatieren, daß man wieder gut davonkommen werde. Die bevorstehende Ernte sei mit Sicherheit erheblich besser (Qualität), als im Laufe dieses Sommers manche angenommen hätten. Die Konsumenten könnten einen Jahrgang erwarten, der etwa dem des Jahres 1978 entspreche.


Braucht man bei diesem Bild noch ein Wort über die Anziehungskraft der "Haiselcher" am Saalbau zu verlieren? Am Samstagabend bekam man nur mit Mühe und Not ein Plätzchen im "Winzerdorf"


Intern feiern die Vereine, welche die "Haiselcher" bewirtschaften, am Freitagabend den Auftakt zum "Prolog" des Weinlesefestes. Bei der FFN zapfte Bürgermeister Ulrich Framenau, assistiert von FFN-Boß Alfred Schilling, den ersten '80er (Bild links). - Mit einer Naheweinprobe warteten die "Woisträßler" auf. Unser zweites Bild von links zeigt den Vorsitzenden Wolfgang Rendel zusammen mit der Naheweinkönigin Ursula I.


Drei neue Kompositionen, die bestimmt wieder zu Hits werden, stellte die S11 vor (Bild links). Dazu gab es eine Probe aus allen deutschen Weinbaugebieten. - Ebenfalls eine Weinprobe kredenzte die Trachtengruppe, die Vorsitzender Rudi Müller besprach (Bild rechts).


Eifrig gezapft wird der "Pfälzer Neue Wein" Jahrgang 1980 im Weinhäuschen der FFN (Feucht-Fröhlichen Neustadter), hier sehen wir Vorstand A. Schilling rechts und H. Reich beim Anzapfen des neuen Jahrganges.

Quelle: Rheinpfalz vom 29.09.1980
Fotos: B. Franck