Regen kein Hindernis für Altstadtfestbesucher

Neustadt hatte am Samstag von 10 bis 20 Uhr wieder seinen großen Tag: Von überall her strömten Gäste auf's beliebte Altstadtfest, wo sie sich an elf Ständen auf dem Marktplatz und am Klemmhof gütlich taten. Bei Rieslingschinken, Wildschwein vom Grill, bei gebackenen Forellen und Calamaris, Schwenksteaks und Bratwurst, Kartoffelpfannkuchen mit Apfelbrei und Hering und "Gequellde" und natürlich etlichen Schoppen Wein harrte das muntere Völkchen auch bei Regen und Donnergrollen aus. Vorsorglich hatte man Regenschirme mitgebracht. se

Quelle: Rheinpfalz vom 11.06.1990
Foto: Franck


"Feucht-Fröhliche" ehren Schilling und Reif

Aus Gesundheitsgründen Ämter niedergelegt - Helmut Schuster neuer Präsident, Michael Joa Vizepräsident

Die Kameradschaft der "Feucht-Fröhlichen Neustadter" traf sich in ihrem weit und breit bekannten Partnerschaftskeller, um von einem Tatbestand Kenntnis zu nehmen, der keine Überraschung mehr war. Nicht nur Alfred Schilling, seit 35 Jahren Präsident, gab sein verantwortungsvolles Amt in andere Hände, sondern auch sein Vize Gerd Reif, der ihm 24 Jahre treu zur Seite stand.
Die zwei Macher, die ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen abgaben, waren aus dem gleichen Holz geschnitzt. Für sie war die FFN fast zu einer Lebensaufgabe geworden; eine Sache nach Maß, mit der man vieles verwirklichen konnte, was für die Heimat und ihren Wein von Bedeutung war. Schilling lacht in Erinnerung heute noch, wenn er an das erste Weinhäuschen auf dem Bahnhofsplatz denkt, das mit Strohmatten gedeckt und nicht gerade wetterfest war. Schilling wurde im Juli 1955 gewählt, seine beiden Vorgänger waren Erich Faber und Hermann Bach, die schon bei der Gründung der FFN 1949 als "Geburtshelfer" fungierten, um den "Mutterschoß", den Karnevalverein 1840 Neustadt, von dem "Kindlein" zu befreien, dessen Vater, wie sie fröhlich fabulierten, nur "Bacchus" persönlich gewesen sein konnte. In 40 Jahren wurde die FFN zu einer Institution mit internationalem Flair, der man Anerkennung und Respekt nicht versagen kann. Schilling erzählt, daß er sich nach der damaligen Wahl zum Präsidenten von allem zurückgezogen habe, um sich ganz der FFN widmen zu können, in der er einen wichtigen Werbeträger sah.
Immer wieder stellt er seine "Kerntruppe" heraus; das sind etwa 30 Mann, ohne die, wie er sagt, nichts gegangen wäre. Viel Idealismus und die richtige Einstellung zur Sache zeichne sie aus. Die Aktivitäten sind so breit gefächert, daß man ein Buch darüber schreiben könnte. Man denke dabei nur an die Gründung der FFN-Sektion Lincoln. Schon 1972 wurde der Weinberg an der Kathedrale mit 500 Rebstöcken gesetzt. Nicht zu übersehen die Partnerschaft mit "U-Boot 26" und Neustadt/Holstein.
35 Jahre lang war Alfred Schilling Präsident. Ihm wurde nun der Titel eines Ehrenpräsidenten verliehen, während man den Vize Gerd Reif, seine rechte Hand über 24 Jahre, zum Ehrenmitglied ernannte. Am gleichen Abend wurden Helmut Schuster zum neuen Präsidenten und Michael Joa zum Vizepräsidenten gewählt.
hmk

Gerd Reif (links) FFN-Ehrenmitglied. Alfred Schilling Ehrenpräsident.

Quelle: Rheinpfalz vom 02.07.1990
Foto: Privat


Alte Recken verabschiedet

Alfred Schilling und Gerd Reif scheiden aus ihren FFN-Ämtern

Wenn zwei alte Recken, die nach 35 und 24 Jahren verdienstvoller Arbeit für die FFN verabschiedet werden, wie Alfred Schilling und Gerd Reif, wird das bei der Kameradschaft standesgemäß gefeiert, die sich Wein, Humor und Fröhlichkeit aufs Panier geschrieben hat.
In diesem Zeichen stand der Partnerschaftskeller am Samstag, in dem die Aktiven mit ihren Frauen versammelt waren, um in Erinnerungen zu schwelgen. Das erhielt noch besonderen Auftrieb, da sich mit Hermann Bach auch der erste Präsident der Feucht-Fröhlichen-Neustadter eingefunden hatte und zwei Filme aus den fünfziger und sechziger Jahren zeigte. Mit ihrem Lied "Wir sind die FFN" eröffnete die schmucke Truppe der Aktiven in ihren grünen Festtagsjacken den Abend, der gleich mit einer Überraschung begann, die der Vorstand für das Duo Schilling-Reif inszeniert hatte. Zu deren großer Freude tauchte nämlich plötzlich Präsident Don Smith mit Geschäftsführer Robin Rushton von der FFN Lincoln auf. Der Coup ist gelungen, meinte schmunzelnd der neue FFN-Präsident Helmut Schuster bei seiner Begrüßung, die natürlich besonders den Gäste aus der Partnerschaft galt. Er wies kurz darauf hin, daß die beiden Kameraden Schilling und Reif in der FFN Geschichte geschrieben hätten, er wolle mit seinem Vize Michael Joa den gesteckten Zielen und Aufgaben treu bleiben.
Präsident Smith freute sich in Neustadt bei der Verabschiedung dabei sein zu können. Er machte auf die großartige Arbeit von Alfred Schilling aufmerksam, ohne den vieles nicht gegangen wäre. Smith lud für Oktober nach Lincoln ein, wo der Neustadter ebenfalls Ehrenpräsident werden solle. Helmut Schuster gratulierte er zu seiner Wahl als Schilling-Nachfolger in der Hoffnung auf gute Zusammenarbeit wie bisher, was der angesprochene zufrieden versicherte. Darüber brauche man sich keine Sorgen zu machen.
Alfred Schilling dankte auch im Namen von Gerd Reif für den Abend und hängte in seiner letzten Amtshandlung seinem Nachfolger Schuster die Präsidentenkette um. Wenn Not am Mann sein sollte, so Schilling, würden beide immer greifbar sein.
Mit den Worten: "Alfred Schilling hat sich um die FFN und seine Heimatstadt verdient gemacht", überreichte er ihm die Ernennungsurkunde zum Ehrenpräsidenten und ein in Sandstein gehauenes Wappen der FFN. Frau Schilling erhielt Blumen, weil sie in den 35 Jahre auf vieles verzichten mußte. Dafür erhielt auch Frau Reif einen schönen Strauß. Ihr Mann bekam als Abschiedsgeschenk eine Gartenbank, die er sich gewünscht hatte. Sie wurde gleich hereingeschleppt und die erste Sitzprobe war perfekt.
Das Rahmenprogramm ließ keine Wünsche offen. Es wurden musikalische Akzente gesetzt. Zuerst brachten die Pfälzer Weinkehlchen ein kleines Ständchen mit reizenden Heimatliedern und danach glänzten die Rheinpfälzer Parforcehorn-Bläser aus Ludwigshafen unter Karl Heinz Weber bei zwei Auftritten. Stürmischer Beifall war der Dank dafür.
hmk


Ein alter Recke scheidet: Alfred Schilling (links) wird Ehrenpräsident

Quelle: Rheinpfalz vom 13.08.1990
Foto: Franck


Spende für MS-Selbsthilfegruppe

Neustadt. Eine Spende in Höhe von 1000 Mark konnte am Montagabend Marga Gerhardt, Vorsitzende der MS-Selbsthilfegruppe Neustadt, aus den Händen von FFN-Präsident Helmut Schuster in Empfang nehmen. Zusammengekommen war das Geld bei der inoffizielen Eröffnung des FFN-Weinhäuschens, bei der die passiven Mitglieder einen Betrag von 735 Mark spendeten, der dann von der FFN auf eine runde Summe aufgestockt wurde.
Bereits zum dritten Mal führt die FFN eine solche Aktion durch, die stets für caritative Zwecke verwendet wird. Wie Marga Gerhardt ausführte, werde das Geld hauptsächlich für Fahrdienste zu den Gruppentreffen verwendet, die Jeweils am ersten Samstag im Monat der Breslauer Straße stattfinden.


FFN-Präsident Helmut Schuster übergab im vereinseigenen "Woihaisel" die Spende.

Quelle: Stadtanzeiger vom 18.10.1990


Geschlossene Front gegen Verlagerung

Betreiber der „Haiselcher" beharren auf dem Bahnhofsvorplatz als Standort - Gesprächsrunde angeregt

Geht es nach dem Willen der Vereine, die alljährlich zum Weinlesefest zweieinhalb Wochen die „Haiselcher" bewirtschaften, dann bleiben sie auch in Zukunft auf dem Bahnhofsvorplatz stehen. Eventuellen Verlagerungsplänen der Stadtverwaltung in die Nähe der Festwiese oder auf den Alten Turnplatz traten die Vertreter der zuständigen Vereine in einer Abschlußbesprechung im FFN-Keller entschieden entgegen.
Der Tenor war einstimmig: Das Winzerdorf macht geschlossen Front gegen jede Verlagerung, auch auf den Alten Turnplatz. Mit diesem Beschluß traten die verantwortlichen Männer der „Haiselcher" allen Spekulationen, Gerüchten und Munkeleien entschieden entgegen. Außerdem waren sie sich darüber einig, daß das Deutsche Weinlesefest ohne die Basis des Winzerdorfes auf dem Gelände zwischen Bahnhof und Saalbau nicht gestaltet werden könne. Als vorläufiges Ergebnis des Bilanzgespräches 1990, an dem sich von städtischer Seite Kulturdezernent Gerhard Handrich und Otto Burkhart, Leiter des Fremdenverkehrsamtes, beteiligten, wurde festgelegt, sich mit einem verantwortlichen Mann der Stadtverwaltung zu einer intensiven Gesprächsrunde zusammenzufinden. Als Vertreter der Vereine werden Walter Ebel (Feuerwehr), Klaus Trutzel (Singende Elf) und Helmut Schuster (Feucht-Fröhliche Neustadter) entsandt.
Burkhart teilte in dem Zusammenhang mit, daß auch mit den Schaustellern eine Gesprächs- runde vereinbart sei. Er war der Meinung, das Weindorf müsse „bleiben wo es ist und wie es ist". Sein Vorschlag ging wie der des FFN-Präsidenten Helmut Schuster dahin, das Weinfest „hochzuholen". Das heißt für sie im Klartext: Der Alte Turnplatz, die Exterstraße und Teile der Fußgängerzone sollten den Schaustellern und „Gutselständen" Platz bieten. Sowohl Burkhart als auch Schuster sehen darin zwei Vorteile. Erstens: Das Weinlesefest wäre konzentriert im Mittelpunkt der Stadt, die beiden bisher auseinanderliegenden Schauplätze würden zusammenrücken. Sowohl Fremden als auch Einheimischen, vor allem Eltern mit Kindern, wäre damit gedient; aber auch dem Einzelhandel, der sicherlich mitziehen würde. In der Vergangenheit habe man soviel Geld in die Altstadtsanierung gesteckt, aber immer noch schicke man die Leute auf die Festwiese. Zweitens: Man hätte auf der Festwiese „wahnsinnig" viel Parkplätze gewonnen. Burkhart will dieses Angebot, wie er sagte, den Schaustellern „verkaufen".
Auch Gerhard Handrich, der in der Verlegung der Weinhäuschen vom Bahnhofsvorplatz in Festplatznähe ein Politikum sieht, gestand offen ein, daß sich der Festplatz, so wie er heute sei, unmöglich für den Aufbau eines Weindorfes eigne.
Ein besonderes Problem in Sachen Weinfest - gleich ob Weindorf, Umzug. Feuerwerk, Festplatzbeschickung und alle damit zusammenhängenden Umstände - sah man einheitlich in den verschiedenen Zuständigkeitsbereichen der Stadtverwaltung. Einhellig Kritik geübt wurde an der Tatsache, daß zwei verschiedene Ämter -Hauptamt und Fremdenverkehrsbüro - das Weinfest organisierten. Niemand wisse, wer für wen und wofür zuständig sei. Gerade in diesem Punkt drängten die Vereinsvertreter auf Verbesserung, beziehungsweise Einheitlichkeit. Kulturdezernent Handrich versprach den anwesenden Vereinsvertretern, die Ordnungszuständigkeit bei der Stadtverwaltung zu klären.   se

Quelle: Rheinpfalz vom 03.11.1990
Foto: Franck