Das „Pfälzer Zeitalter" ist angebrochen

Vereine haben am Freitagabend Weinfest eingeläutet - „Woisträßler" mit Ehrenurkunde ausgezeichnet

Bei der Eröffnung ihres Weinhäuschens am Freitagabend wurden die „Woisträßler" für „ihre Verdienste um die Weinwerbung und den Fremdenverkehr und für ihr beispielhaftes Engagement für Neustadt" durch den Beigeordneten Gerhard Handrich und Tourist-Information-Leiter Otto Burkhardt mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet.   
Neben den genannten Gründen war der Anlaß für die Auszeichnung, daß die „Woisträßler" dieses Jahr zum 20. Mal ihr Häuschen zum Weinlesefest aufgebaut haben, und dies obwohl der Verein mit 32 Aktiven (und ihren Familien) sicher nicht geringere personelle Schwierigkeiten hat als andere Vereine, die ihr Häuschen inzwischen aufgegeben haben.
Und so stand das Häuschen auch im Mittelpunkt des Eröffnungsabends. Peter Fröhlich besprach eine zehnteilige Weinprobe, deren Weine entweder mit einer Station der Häusel-Geschichte oder mit einem Förderer des Vereins verbunden war. Harald Ehresmann, Walter Weber und das Trio Ehresmann, Edi Wieczorek und Karl-Heinz Hey erzählten mit Worten oder in Liedern von den ernsten und lustigen Begebenheiten um das Häuschen und seinen Auf- und Abbau in den letzten zwanzig Jahren und um den Streß zum Weinfest, den „Pol, um den sich das Pfälzer Jahr dreht" (Ehresmann). Peter Fröhlich stellte auch die Ausschankweine der „Woisträßler" vor. Als Neuerung bieten die Woisträßler, so Fröhlich, in diesem Jahr Traubensaft und Traubensaftschorle, um so auch für die weinfestbegeisterten Autofahrer ein Angebot zu haben.
Ehrungen und Anerkennung gab es auch bei der Häuselcher-Eröffnung der Trachtengruppe Neustadt. Mit dem „Trachtengruppenrömer", einer Spezialanfertigung für die Neustadter Trachtengruppe, zeichnete der Vorsitzende Wilhelm Centner Manfred und Eugen Watier und Uwe Gassner aus, die bei der Renovierung des Häuschens „Spinnrädel" die gesamten Malerarbeiten geleistet haben. Insgesamt rund 1000 Arbeitsstunden haben zehn Mitglieder der Trachtengruppe bei der Renovierung des Häuschens während des Sommers geleistet. Geehrt wurden auch Jakob Linzler, der seit zwanzig Jahren als Nichtmitglied beim Aufbau der Häuschen hilft und die eifrigsten „Häuschen-Bauer" dieses Jahres, Helmut Schick und Diana Melzer. Während des Abends stellte Centner die sechs Ausschankweine der Trachtengruppe vor, danach konnten sich die Gäste an einem rustikalen Pfälzer Büffet stärken, das auch das Speiseangebot der Trachtengruppe während der „Häuselcher-Zeit" umfaßte. Centner und Pressewart Wolfgang Scholz wiesen auf einige Neuerungen hin: So hat die Trachtengruppe die Absage der „Geinsheimer" dazu genutzt, auch einen Ausschank im Freien einzurichten,
Ihrem Ruf als Stimmungskanonen wurde die „Singende Elf" bei der inoffiziellen Eröffnung der „Haiselcher" in ihrem Vereinsheim im Branchweilerhof am Freitag gerecht, zu der, der „S 11"-Vorsitzende Heinz Dörr zahlreiche Gäste begrüßen konnte. Einer harten Belastungsprobe waren die Zwerchfelle der Besucher bei der Zaubervorführung „des Stars aus dem Pariser Moulin Rouge", Werner Larenz, ausgesetzt. Das Original aus den Reihen der Singenden Elf „zauberte" mit einer gehörigen Portion Pfälzer Witz, wobei sein Auftritt weniger auf Zaubertricks denn auf einer originellen Darbietung basierte. Ein Vergnügen für sich war es, die Mimik von Larenz zu beobachten, etwa als er als „Mann mit vier Tennisbäll in de Gosch" sich im Zielspucken auf Heinz Dörr übte. Bestens auch Larenz als Musiker auf dem goldenen Kochlöffel und dem Rohrophon und als Erzähler von Witzen. Vier der Weine, die im „Haiselche" der „Singenden Elf" ausgeschenkt werden, stellte Dr. Karl Adams in einer kleinen Weinprobe vor. Die Weinkenntnisse der Besucher waren bei einem Weinquiz gefragt. Für die Kenner der Materie, die alle Fragen zu beantworten wußten, gab es Preise in Form des goldenen Rebensaftes. Zur Unterhaltung der Besucher trugen Lotte Gassner mit einem Gedicht und Richard Hafner mit einem Pfälzer Lied ebenso bei wie eine Stimmungsrunde mit Heinz Dörr.
Im Partnerschaftskeller der Feucht-Fröhlichen-Neustadter stach nach einem rustikalen Germanenspieß mit diversen Beilagen Bürgermeister Jungmann in Kieferschürze das erste Faß Neuen an, einen Bacchus-Müller-Thurgau aus dem Weingut Eduard Müller (Hambach). Sein erster Schluck galt den Winzern und Winzerinnen, denen er ein gutes Weinjahr wünschte, sein zweiter Schluck den fleißigen FFN-Mitgliedern. Präsident Helmut Schuster, nach dessen Worten das Pfälzer Zeitalter wieder begonnen hat, streifte kurz die FFN-Aktivitäten in diesem Jahr und kündigte für Mai 1992 einen englischen Abend mit Lincolner Beteiligung im Saalbau an. Während einer kleinen, aber feinen Weinprobe, fachgerecht besprochen von Stefan Hafen, wurden zahlreiche FFN-ler für zehn- bis 38jährige Mitgliedschaft geehrt, darunter die zwei Gründungsmitglieder Hermann Bach und Herbert Kaul und zwei „Silberne": Rudi Sohns und Luise Heim. Der Festschoppen im FFN-Haiselche ist ein Hambacher Schloßberg Müller-Thurgau zum Preis von 4.50 Mark.
krl/ann/se


Nach einem Jahr Abstinenz stürmten Tausende am Wochenende wieder die Weinhäuschen.

Quelle: Rheinpfalz vom 30.09.1991
Foto: Franck


Not unbürokratisch lindern

„Weißer Ring" erhält Spende von Feucht-Fröhlichen - Hilfe für Opfer

FFN-Präsident Helmut Schuster (links) überreichte Hans Müller vom Weißen Ring den Scheck.

Der „Weiße Ring" macht es sich zur Aufgabe, die Opfer von Kriminalität zu unterstützen. Ein Scheck, überreicht von den Feucht-Fröhlichen Neustadt (FFN), soll dem „Weißen Ring" helfen, dieses Ziel zu bewältigen.
Im Vereinskeller händigte der Präsident der Feucht-Fröhlichen, Helmut Schuster, dem Leiter der Außenstelle Neustadt-Bad Dürkheim des „Ringes", Hans Müller, den Scheck über 1000 Mark bei einer vorweihnachtlichen Feier am Sonntag aus. Das Geld stammt aus den Einnahmen der inoffiziellen Eröffnung des FFN-Weinhäuschens beim Weinlesefest. „Ich sehe darin die Würdigung unserer Arbeit", dankte Müller für die Spende.
Der „Weiße Ring" wurde 1976 von Eduard Zimmermann gegründet mit dem Ziel, Kriminalitätsopfern finanzielle und betreuende Hilfe anzubieten. Im einzelnen bedeutet dies: Übernahme der Kosten, wenn keine Prozeßkostenhilfe genehmigt wird - je nach finanzieller Lage des Opfers, Begleitung zu den Ämtern und seelischer Beistand. Im westdeutschen Bundesgebiet bestehen inzwischen über 300 Außenstellen. Die Bundeshauptgeschäftsstelle befindet sich in Mainz.
Die Außenstelle Neustadt-Bad Dürkheim besteht seit 1985, von Anfang an übernahm Hans Müller ihre Leitung. Sie zählt rund 100 Mitglieder, darunter auch die Neustadt, Bad Dürkheim und die Haßloch. Alle Helfer sind ehrenamtlich tätig. In Neustadt-Bad Dürkheim sind in diesen sechs Jahren ihres Bestehens 48 Kriminalitätsfälle betreut worden, angefangen vom Handtaschenraub über Sexualdelikte und Totschlag bis zum Mord. In Neustadt seien alle zwei Monate drei Opferfälle zu verzeichnen gewesen, so Müller. Insgesamt wurden für diese umfassenden Hilfen 125.379 Mark ausgegeben. Die Gelder fließen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Zuweisungen von Bußgeldern. „Not wird sofort und unbürokratisch gelindert", verweist Hans Müller auf die schnelle Hilfe. Über 90 Prozent aller eingegangenen Mittel würden den Opfern zufließen. So war der „Weiße Ring" auch im Mordfall Salim Thattil äußerst engagiert und hat sowohl finanzielle Hilfen als auch seelischen Beistand geleistet. Die Mutter des ermordeten Kindes hat bereits vor Monaten Neustadt verlassen und arbeitet nun in einem Krankenhaus in der Schweiz. Ihre Familie wird ihr folgen, sobald die Voraussetzungen dafür geschaffen sind.
Hans Müller steht sehr engagiert hinter seiner Aufgabe. Er tritt allerdings nur bei Anzeigen in Aktion. Er begleitet die Opfer zu den Verhandlungen, besucht sie oder lädt sie in seine Wohnung zu Gesprächen, er prüft die finanziellen Verhältnisse der Opfer und kann über eine Summe bestimmter Höhe selbst verfügen. Alles eingehende Geld aber, auch die 1000 Mark-Spende des FFN, fließt zuerst in den Fonds der Bundesgeschäftsstelle.   üb

Quelle: Rheinpfalz vom 11.12.1991
Foto: Franck


FFN spendet auf Weihnachtsfeier für Weißen Ring


Große Freude herrschte bei den Kleinen, als der Nikolaus im FFN-Keller erschien. 

Neustadt (hk). Den Erlös der diesjährigen Weinfest-Eröffnungsveranstaltung der FFN (Feucht-Fröhliche-Neustadter) rundete der Verein auf und übergab eine Spende in Höhe von 1000 Mark auf seiner Weihnachtsfeier vergangenen Sonntagnachmittag an den Weißen Ring. Hans Müller, Außenstellenleiter des Weißen Rings der Region Neustadt/Bad Dürkheim nahm von H. Schuster den Scheck entgegen.
Der Weiße Ring ist eine Vereinigung, die Kriminalitätsopfern hilft. Seit Gründung der Niederlassung in Neustadt im Jahre 1985 habe der Verein laut Hans Müller für 48 Fälle rund 125.000 Mark für Kriminalitätsopfer In unserem Bereich aufgewandt. Zu einer richtigen Weihnachtsfeier mit vielen Kindern gehört auch ein Nikolaus. Dieser kam anschließend In den FFN-Keller und brachte in einem großen Sack viele Geschenke. Bei manchen Knirpsen war allerdings die Überraschung so groß, daß sie das vorher mühsam auswendig gelernte Gedicht einfach vergaßen. Oder war es eher die Angst, daß der Nikolaus alles wissen könnte, was man da so das ganze Jahr über angestellt hat...?

Quelle: Stadtanzeiger vom 12.12.1991