Erfolg beflügelt zu närrischen Taten

Vor 40 Jahren Feucht-Fröhliche-Neustadter gegründet - Werben für Pfalz und Wein

Heute vor 40 Jahren wurde der Verein Feucht-Fröhliche-Neustadter (FFN) aus der Taufe gehoben. Geburtshelfer waren Hermann Bach und Erich Faber, die von Walter Engelmann, dem damaligen Präsidenten des Karnevalvereins Neustadt (KVN), den Auftrag erhielten: "Gehet hin, und suchet Euch weitere neun Freunde."
"Wichtig war, wie präsentiert man sich der Öffentlichkeit, nachdem Willi Klein dem "Täufling" den Namen FFN gegeben hatte", heißt es in der Vereinschronik. Mit einem Kappenabend stellten sich die Feucht-Fröhlichen-Neustadter drei Tage später vor. Der Erfolg beflügelte sie zu weiteren närrischen Taten.
Bald waren die FFNler aus der Neustadter Kulturszene nicht mehr wegzudenken. Sie führten das Wolfburgspiel und die Erstürmung des Winzinger Tores wieder auf. Ihr schauspielerisches Können und ihren unerschöpflichen Ideenreichtum stellten sie bei ihrem ersten Großeinsatz für das Deutsche Weinlesefest 1953 unter Beweis: Bühne und Festsaal der "guten Neustadter Stubb" verwandelten sie in einen Bacchustempel zur Wahl und Krönung der Weinköniginnen.
Für den Winzerzug bauten sie ihren ersten Motivwagen mit dem Titel "In Neustadt werd' die Weltachs' gschmiert". Spätestens ab 1955 waren die Feucht-Fröhlichen-Neustadter ein fester Bestandteil der Neustadter Fastnacht. Und ihre Motivwagen ernteten bei den Fastnachtsumzügen in Ludwigshafen und Mannheim sowie beim Winzerzug immer großen Beifall.
Ein Mann, der von Juli 1955 bis Juli 1990 den Verein "antrieb" und an vorderster Front die Ärmel hochkrempelte, ist Alt-Präsident Alfred Schilling. 1959 reifte die Idee, das Winzerdorf, das nachweislich ab 1936 auf dem Bahnhofs- und Saalbauvorplatz aufgebaut war, wieder ins Leben zu rufen. Mit einem Weinstand legten die FFN'ler den Grundstock. Ein Jahr später erstellten sie ihr erstes Winzerhaus.
Sie trugen zum Aufbau der Partnerschaft mit der englischen Stadt Lincoln bei und gründeten eine Sektion Lincoln, die 1972 den nördlichsten Weinberg in Europa unter der Lincolner Kathedrale anlegte. Der Verein war Initiator des Weihnachtsmarktes in der englischen Partnerstadt. Verbindungen werden auch zum "Airbus Neustadt", zum "U-Boot 26" und zu "Neustadt in Holstein" gepflegt.
Im Juli 1990 löste Helmut Schuster Alfred Schilling als FFN-Präsidenten ab. Heute hat der Verein 25 Aktive mit Gründungsmitglied und Schatzmeister Herbert Kaul, die immer noch zupacken, wenn Wein- und Bierproben auszurichten sind, und die Pfalz und die Stadt Neustadt im In- und Ausland repräsentieren. (awk)


Mit einer Weinrakete nahmen die FFNler am Winzerumzug 1957 teil. (Foto: awk)

Quelle: Rheinpfalz vom 14.01.1993


Vereinsportrait

Als Wein-Botschafter für Neustadt unterwegs

40 Jahre Feucht-Fröhliche-Neustadter


Gruppenbild mit Fahne:
Die FFN-Gründungsmitglieder (von links)
Herbert Kaul, Hermann Bach, Alfred Schilling, Präsident Helmut Schuster, Jürgen Traxel, Michael Joa and Artur Müller.

Der 20. Dezember 1982, Flughafen Frankfurt: Am Schalter der Lufthansa Wortgefechte. Frauen verteidigen ihr Handgepäck. Die Gesellschaft verlangt eine Untersuchung. Zutage befördern Frauen der Feucht-Fröhlichen-Neustadter (FFN) Dampfnudelpfannen. Sie warten erst gar nicht die Entscheidung der Lufthansa ab, sie klemmen ihre Haushaltsgeräte unter den Arm und steigen ein in die Maschine, die sie, die FFN'ler, samt Neustadter Hefe nach England bringt,
»Frische dumplings mit winecreme«, ruft Alfred Schilling aus Leibeskräften, bis er heiser ist. Die von Natur aus skeptischen Engländer sind als Besucher des ersten Weihnachtsmarkts in Lincoln zunächst nur neugierig. Doch der Erfolg gibt FFN-Präsident Alfred Schilling, der die Initialzündung zum »Christmas-Market« gab, schließlich recht. Seither gibt es auf der »Bailgate« bei der Kathedrale einen Weihnachtsmarkt.
14. Januar 1953, »Nachtlichtel« Neustadt: Elf Männer heben die Feucht-Fröhlichen Neustadter aus der Taufe. Daß sie Botschafter ihrer Heimat sein wollen, hatten sie sich als Jung-Elferräte des Karnevalvereins Neustadt zu Walter Engelmanns Zeiten schon auf die Fahnen geheftet. Jetzt galt es nur noch, dem Kind einen Namen zu geben. Vorschlag Nummer vier, »Feucht-Fröhliche Neustadter« (unter insgesamt zehn, wie »Dunnerkeil«, »Reblaus«, »Weinkiste« und »Weinnarren«), siegte. Die FFN, jetzt 40 Jahre alt, waren geboren und mit ihnen eine Gruppe ins Leben gerufen, die, hätte »Amme« Walter Engelmann sie nicht hochgepäppelt und »Vater Bacchus« sie nicht inspiriert, man hätte erfinden müssen. Schon allein wegen ihres universellen Pioniergeistes, wegen ihrer grenzenlosen Phantasie und ihres unerschöpflichen Ideenreichtums.
Höhepunkte im Zeitraffer: Was sie anpackten, hatte Hand und Fuß, was sie initiierten, wurde zur ständigen Einrichtung. Sie sind Neustadts Aushängeschild, seit vier Jahrzehnten. Kein Umzug zur Fastnachtszeit, ob in Ludwigshafen, Mannheim, Landau oder beim Weinlesefest in Neustadt ohne einen FFN-Motivwagen. Die FFN machte den Zuschauern schon 1953 klar, daß »in Neustadt die Weltachs' g'schmiert wird«. Und mit einer Geschwindigkeit von 30 Knoten und schwerem Tiefgang fuhr 1954 ihr Weintanker durch Neustadts Innenstadt. Und wenn Alfred Schilling ab Mitte 1955 als Nachfolger von Hermann Bach zum Arbeitseinsatz aufrief, täuschte keiner der damals gut 60 Aktiven Zeitmangel vor. September 1960: Zum Weinlesefest er- öffnen sie ihr erstes Winzerhäuschen auf dem Bahnhofsvorplatz und sind damit die ersten Baumeister des wiederentdeckten und seit Kriegsausbruch eingemotteten Winzerdorfes. Imposant ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden: 3100 an 60 Tagen, zwei stadteigene Baracken in der Siedlerstraße wurden dabei zur Holzgewinnung abgerissen. Das Barvermögen von rund 2000 Mark wurde für die Haiselcher aufgebraucht, rund 3500 Mark Schulden lud sich der Verein auf und nahm sogar hin, daß die Polizei die Arbeiten wegen Störung des Feiertagsfriedens einmal einstellte.
Oktober 1961: Die FFN chartern vier Lastwagen, »verpacken« sie mit Kellerattrappen und etablieren sie an vier neuralgischen Punkten der Kernstadt. »Ein Viertel Neustadter Rosengarten mit Glas zu einer Mark« steht auf dem Transparent: die Premiere des heute nicht mehr wegzudenkenden Weinausschanks vor Beginn des Festzuges. »Neustadter Stimmungswirbel am schwäbischen Meer«, schrieb der »Südkurier« über den Pfälzer Abend, den die FFN 1964 in Marktdorf aufgezogen hatten. Die Stadt Neustadt griff in diesen Jahren immer öfter auf die Feucht-Fröhlichen Weinbotschafter zurück, wenn es galt, die Perle  der Pfalz über die Weinstraßengrenzen hinaus am »Weißwurst-Äquator«, bei den Nordlichtern, in Macon und Lincoln bekannt zu machen.
September 1966: Herbert Kaul, seinerzeit auch FFN-Mundschenk, kredenzt Bundesverkehrsminister Dr. Hans Christoph Seebohm und Regisseur Kurt Hoffmann, den Schauspielern Heidelinde Weis und Harald Leipnitz im Saalbau edle Pfälzer Tropfen. Die Prominentenschar, die sich von den FFN'lern verwöhnen ließ, aufzulisten, hieße Wein nach Neustadt zu tragen - so viele bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Showgeschäft haben schon am Stammtisch der FFN gesessen. Schier unmöglich auch, alle FFN-Aktivitäten aufzuzählen von der Gründung der Sektion in Lincoln 1972 über den Anbau des nördlichsten Weinberges der Welt bis zur Taufe des Paten-U-Boots und des Airbus auf den Namen »Neustadt«. Motivwagen bauen die Feucht-Fröhlichen-Neustadter nicht mehr, dafür aber sind ihre beiden Winzerhäuschen beim Weinlesefest immer proppenvoll. Auch Fasnachtsnarren sind nicht mehr in ihren Reihen zu finden. Trotzdem sind sie »Neustadts Markenzeichen«. Und nicht nur dann treten sie wieder in Aktion, wenn sie, wie im April vorigen Jahres, den Saalbau in einen Pub verwandeln, ohne Aufhebens Not lindern helfen und in ihrem Keller Persönlichkeiten von Rang und Namen bewirten. Sie sind da, wenn sie gebraucht werden, schlüpfen in ihre grünen Uniformen als Botschafter: Die Feucht-Fröhlichen-Neustadter.

Angelika Wilde-Kaufhold


Hoch hinaus: Einen »Hubschrauber« baute die FFN zum Winzerfestzug 1958. (Fotos: Wilde-Kaufhold)

Quelle: Neustadter Journal 03/1993


40 Jahre Feucht Fröhliche Neustadter:

So fing alles an!


Anstoß zum Winzerdorf: Dieser Weinstand der FFN im Jahre 1959 war der Auslöser für die späteren "Haiselcher" am Bahnhotsvorplatz.

Neustadt. (bg) Grund zum Feiern gibt es in der Pfalz immer; die Feucht-Fröhlichen-Neustadter wollen Pfälzer Lebensart erhalten.
Was liegt dann näher, als den 40. Jahrestag der Gründung der FFN standesgemäß zu feiern? Am kommenden Samstag, dem 3. April, wollen sie im Partnerschaftskeller in der Fröbelstraße eine kulinarische Wein-Dia-Wanderung durch vier Jahrzehnte Pflege Pfälzer Brauchtums durchführen. Mit Bild und Ton soll den geladenen Gästen, natürlich auch aus Lincoln, vorgeführt werden, wie vielfältig die Aktivitäten in der Vergangenheit waren.
Über den Jung-Elferrat ging's lange in der Fasnacht weiter, mit Schlüsselübergaben und anderen Einlagen. Darauf folgten Beteiligung an Weinfest-Umzügen mit eigenen Motiv-Wagen, die Wiedereinführung der Weinhäuschen am Bahnhofsvorplatz, die Pfalzweinwerbung im gesamten Bundesgebiet, Weinproben im "Gläsernen Zug" der Bundesbahn und nicht zu vergessen die "Großen Pfalzweinproben" im alten Saalbau.
Zum Schwerpunkt der FFN-Aktivitäten wurden seit 1969 die Partnerschaft mit Lincoln und der Ausbau des Partnerschaftskellers in der Fröbelstraße.
Neben all den weinbezogenen öffentlichen Auftritten der FFN stand im Hintergrund auch das soziale Engagement. Über all die Jahre hinweg wurde unbürokratisch Menschen in Not geholfen. Ob dies 1974 die Übergabe eines VW-Käfers an die Sozialstation war, Hilfe für die ersten Vietnam-Flüchtlinge oder zuletzt eine Spende für die Lebenshilfe: immer war ein großer Teil des erarbeiteten Erlöses für karitative Zwecke verwendet worden.
Wer sich für die Vereinsarbeit der FFN interessiert, vielleicht auch Zeit und Lust hat, aktiv mitzumachen, kann sich mit einem kurzen Brief vorstellen und erhält danach eine Einladung zu einer Zusammenkunft.

Quelle: Stadtanzeiger vom 01.04.1993
Foto: Grohmüller


40 Jahre Feucht Fröhliche Neustadter:

Geburtstagsfeier mit vielen Gästen


Willkommene Geschenke: Zum Jubiläum Bilder fürs Vereinsheim

Neustadt. (bg) "Was waren das für Männer, die 1953 in den Jahren des Wiederaufbaus, einen Geselligkeits-Verein zur Pflege Pfälzer Brauchtums gründeten" fragte Oberbürgermeister Dr. Jürgen Weiler die nahezu zweihundert Geburtstagsgäste der Feucht Fröhlichen Neustadter am vergangenen Samstag im Partnerschaftskeller in der Fröbelstraße, "was müssen diese Menschen für einen Optimismus gehabt haben!" Er freue sich, solch lobenswerte Bürger-Initiativen auch heute wieder in der Stadt anzutreffen. Wenn er die Fördervereine betrachte, so sei er an diesen Pioniergeist erinnert. Einen dieser Pioniere der ersten FFN-Stunde konnte er für seine vorbildliche Ausdauer ehren. Herbert Kaul, seit der Gründung der FFN der erste und einzige Kassierer, konnte -wie auch die FFN- vom OB ein Bild mit Neustadter Motiv entgegennehmen. Bilder gab es im Verlauf des Abends einige für das "Geburtstagskind" FFN. Etwas ganz Besonderes hatte man sich bei der Weinbruderschaft einfallen lassen: Ordenskanzler Dr. Theo Becker überbrachte neben den Glückwünschen an die "Schutztruppe des OB" eine Bildhauerarbeit mit den vereinten Wappen: "in vite vita" der Bruderschaft und Kurpfälzer FFN-Löwe. Gleich zwei Flaschen Wein aus  dem Geburtsjahr der FFN wurden der Schatzkammer zugeführt: Beigeordneter Gerhard Handrich hatte erfolgreich in seinem Raritäten-Schatzkästlein gestöbert; der erste Ehrenpräsident der FFN, Herrmann. Bach -selbst Gründungsmitglied- präsentierte gar ein echtes Juwel: einen 1953er Ruppertsberger Linsenbusch. Just die Flasche, die er von seinem Nachfolger, Alfred Schilling, bei der Amtsübergabe mit Siegel bekommen hatte. Schilling, ebenfalls Ehrenpräsident der FFN, konnte zum allseitigen Bedauern nicht an der Feier teilnehmen. Präsident Helmut Schuster sandte unter lang anhaltendem Beifall die besten Genesungswünsche auf den Weg zu "dem Mann, der die FFN zu dem gemacht hat, was sie heute ist". Er sei der Motor gewesen, der alle angetrieben und zeitweise regelrecht mitgerissen habe. Für die unterhaltsame Überraschung des Abends sorgten die Freunde von der "Singenden Elf": unerwartet erschienen sie mit "Ein dreifach Hoch", ließen hören, was echte "Neustadter Buwe" sind, gratulierten mit dem frisch getexteten "Vierziger Lied" und traten als "Tramps" wieder den Rückzug an. Ein unerwartetes musikalisches Geschenk, das von den "Jubilaren" mit Freude angenommen wurde. Unter den Gratulanten waren auch Vertreter der "Mutter der FFN", so Sitzungspräsident Wolfgang Materne vom Karnevalverein Neustadt, aus deren Jung-Elferrat nach einem Zwist die FFN entstanden war. Die Woisträßler, die Trachtengruppe und der Automobilclub Neustadt waren gerne der Einladung gefolgt, um mit dem Nachbarn im Haus der Vereine gemeinsam zu feiern. Als sich dann bei der von Dr. Dietmar Hoos besprochenen, Weinwanderung durch 40 Jahre FFN der ein oder andere Ehemalige auf den gezeigten Dia-Reproduktionen wieder erkannte, war natürlich die Stimmung bald auf dem Höhepunkt. Nach einem abgewandelten Wort von Alfred Schilling war man an diesem Abend verfahren: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, es darf auch mal was Fein'res sein." Der Maitre de Cuisine, Rolf Schneider, erhielt einen Sonderapplaus, als er am Ende seines Menüs den Dank des FFN-Präsidenten entgegennehmen konnte. Das symbolische Eintrittsgeld, die von jedem Gast "abverlangte Spende", geht an die Ökumenische Sozialstation Neustadt und wird älteren Mitbürgern in Neustadt zu Gute kommen. Steht zu hoffen, dass die Wünsche vieler Gratulanten in Erfüllung gehen mögen und die FFN auch die nächsten 40 Jahre aktiv für die Pfalz und für den Wein werben können.

Quelle: Stadtanzeiger vom 8.4.1993 Foto: bg


"Brauchtum gepflegt"

40 Jahre Feucht Fröhliche Neustadter

 

Als eine lobenswerte Bürger-Initiative bezeichnete Oberbürgermeister Dr. Jürgen Weiler die Feucht Fröhlichen Neustadter (FFN), die mit fast 200 Gästen im Partnerschaftskeller in der Fröbelstraße ihr 40jähriges Bestehen feierten. Wie der OB sagte, wurde der Geselligkeits-Verein zu Zeiten des Wiederaufbaus gegründet, um das Pfälzer Brauchtum zu pflegen. Herbert Kaul, seit 40 Jahren Kassierer, wurde als einer der Männer der ersten Stunde von Weiler mit einem Bild geehrt. Die Weinbruderschaft überbrachte eine Bildhauerarbeit mit den vereinten Wappen: „in vite vita" der Bruderschaft und Kurpfälzer FFN-Löwe.
In die Schatzkammer wurden anlässlich des Jubiläums zwei Flaschen Wein aus dem Geburtsjahr der FFN gebracht, darunter ein 1953er Ruppertsberger Linsenbusch von Gründungsmitglied Herrmann Bach, den er von seinem Nachfolger Alfred Schilling bei der Amtsübergabe erhalten hatte. Schilling, der nicht an der Feier teilnehmen konnte, bezeichnete Präsident Helmut Schuster als den Mann, der die FFN zu dem gemacht habe, was sie heute seien. Zur Überraschung der FFNler sangen die Männer der "Singenden Elf". Zu den Gratulanten zählten außerdem der KVN, die Woisträßler, die Trachtengruppe und der ACN. Die Eintrittsspende des Abends geht an die Ökumenische Sozialstation. (red)


Herbert Kaul (rechts), seit 40 Jahren Kassierer der FFN, erhielt vom OB ein Bild mit Neustadter Motiv von Hans-Rolf Peter. Links: FFN-Präsident Helmut Schuster. (Foto: privat)

Quelle: Rheinpfalz vom 8.4.1993


Pfälzer Schoppen und Weine aus deutschen Anbaugebieten im Angebot

Woihaiselscher öffnen ihre Türen - Kulinarisches bei Musik und Gesang


Je später der Abend desto mehr Besucher finden sich vor den Woihaiselscher ein.

Das Deutsche Weinlesefest nähert sich mit schnellen Schritten: Die Woihaiselscher auf dem Bahnhofsvorplatz, die am Samstag ihre Tore öffneten, sind Vorboten für das große Fest, bei dem sich in diesem Jahr einiges ändern wird. Die Innenstadt wird zum Ort des gesamten Weinfestgeschehens. Fahrgeschäfte, Ausschankstellen und Schausteller liegen nur wenige Meter vom Weindorf entfernt. Die Festwiese wird als citynaher Parkplatz mit kostenlosem Bustransfer in die Innenstadt dienen.
"Wir wollen durch unser attraktives Angebot breitere Bevölkerungsgruppen, ein neues Publikum, ansprechen als dies bisher der Fall war", sagte Sabine Platt, Geschäftsführerin der Tourist-Kongress und Saalbau GmbH, am Freitag bei einer Präsentation der Neukonzeption im Michelschen Hof. Zum neuen Konzept gehört Neues und Altbewährtes: die Oldie Night, die volkstümliche Unterhaltung mit dem "Original Alpenecho", der "Tag der Damen" im Saalbau, die 45. Krönung der Pfälzischen Weinkönigin sowie die Lasershow, ein High-Tech-Spektakel der Extraklasse.
Zur Eröffnung ihrer "Haiselscher-Saison" luden die Woisträßler in ihr Vereinsheim im Michelschen Hof ein. Informiert wurde dabei mit Blick auf das "Deutsche" Weinlesefest über die beiden jüngsten bundesdeutschen Weinbaugebiete: Saale/ Unstrut und Sachsen. Vorgestellt wurde auch der "Gastwein" der Woisträßler, ein 92er Grüner Silvaner des Weingutes F.H. Bahr aus Langenlonsheim/Nahe. Jedes Weinhaus schenkt, so eine Neuerung dieses Jahr, einen Wein aus einem anderen deutschen Weinbaugebiet aus, eine Reverenz an das Deutsche Weinlesefest, wie Woisträßler-Vorsitzender Harald Ehresmann mitteilte.
Die Feucht-Fröhlichen-Neustadter (FFN) haben ihr kulinarisches Angebot um einen Feinschmeckerteller aus Neptuns Reich erweitert. Wie es guter Brauch ist, drehen am Umzugssonntag die FFN'ler auf der Terrasse vor einem ihrer beiden Häuschen den Germanenspieß. Zum Festschoppen wurde ein 91er Diedesfelder Johanniskirchel, Silvaner halbtrocken, erkoren. Ausgeschenkt wird als Reverenz an das Deutsche Weinlesefest aus dem Weinanbaugebiet Ahr bei den Feucht-Fröhlichen ein Spätburgunder im Viertelglas und weitere vier Sorten aus Weingütern der FFN-Mitglieder. Geöffnet sind die FFN-Häuschen montags bis freitags ab 16 Uhr, samstags und sonntags ab 14 Uhr und am Umzugssonntag ab 10 Uhr.
Fünf Weinhäuschen-Betreiber haben den Diedesfelder Musikverein zur musikalischen Unterhaltung engagiert. Die Musiker spielen am 1. Oktober um 18 Uhr zur Eröffnung des Weinlesefestes und am 3. Oktober als Frühschoppen-Konzert ab 11 Uhr vor dem Saalbau auf.
Die Singende Elf hält mit ihrem kulinarischen Angebot an der Pfälzer Tradition mit Leberknödel, Rippchen und Saumagen fest. Zu ihrem Festschoppen hat die Singende Elf einen 90er Silvaner-Riesling halb- trocken ausgewählt. Insgesamt schenkt sie vier Weine aus. Sie kredenzen als Reverenz an das Weinanbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer einen halbtrockenen Riesling im Viertelglas.
Geöffnet ist das Singende Elf-Häuschen montags bis freitags ab 16.30 Uhr bis 23 Uhr, samtags und sonntags ab 10.30 Uhr bis null Uhr. Für gute Stimmung werden die Aktiven Rudolf Hess, Werner Larenz, Heinz Dörr und Erich Frisch sorgen.
Das bereits seit 30 Jahren aufgestellte Weindorf-Häusle der Neustadter Trachtengruppe wird heuer erstmals von Montag bis Donnerstag bereits um 11.00 Uhr geöffnet, um vor allem den Berufstätigen eine ihrer alljährlich angebotenen preiswerten pfälzischen Spezialitäten als Mittagessen zu kredenzen. Neben der Palette mit Weinen aus der Region wird als besonderer Akzent ein Iphöfer Burgweg, ein Frankenwein, ausgeschenkt. Und noch etwas Besonderes für die Trachtengruppe: Erstmals werden die Weine im Trachten-Häusle in Schoppengläsern mit dem hauseigenen Trachtenpaar als Emblem ausgeschenkt. Es gibt also im ganzen Weindorf keine „nackten" Schoppengläser mehr.
Das Haus der Weinkehlchen in der Wallgasse ist durch die Weinfest-Platz-Verlagerung räumlich ein wenig ins Abseits des Festtrubels geraten. Dennoch bleibt es täglich ab 18.00 Uhr ein „Treffpunkt der Chöre", der Ort für stille Genießer, für alle, die eine gepflegte Umgebung schätzen und zum Weingenuß die herzhafte, typisch pfälzische Kost bevorzugen. Vor allem für alle, die eine gepflegt-volkstümliche Unterhaltung durch Chorgesang genießen wollen, denn im Weinkehlchenhaus werden jeden Abend Chorvorträge von zahlreichen Singgemeinschaften der Region und natürlich auch von den Weinkehlchen angeboten. (tw/krl/awk/ub)

Quelle: Rheinpfalz vom 27.09.1993 Foto: Franck


Die Haiselcher sinn uff: FFN und S 11

Deftiges und Gesang


Zurück zum pfälzischen Ursprung: Deftige Spezialitäten bei den Feucht-Fröhlichen Neustadtern.

Neustadt. (bg) Pünktlich um 20 Uhr zapfte Oberbürgermeister Dr. Jürgen Weiler am vergangenen Freitag ein Faß mit neuem Wein bei den Feucht Fröhlichen Neustadtern im Partnerschaftskeller an. Damit gab er den Startschuß für die Haiselcher, die seit dem vergangenen Samstag geöffnet sind.
Wie alljährlich hatten die aktiven FFN'ler ihre sogenannten Passiven Mitglieder zur Weinfesteröffnung eingeladen. Mit dampfendem Kesselfleisch, Gequellte und Zwiwwel-Salat hatten sie sich auf Pfälzer Spezialitäten besonnen. Vollmundige Weine, wie sie auch im FFN-Weinhäusel ausgeschenkt werden, begleiteten die "herrliche Sauerei", wie aus dem Mund von Ehrenpräsident Herrmann Bach zu hören war.
Außerdem OB konnte FFN-Präsident Helmut Schuster, Bürgermeister Georg Jungmann, den 87jährigen FFN-Fan Arthur König und weitere 120 Weinfreunde begrüßen. Das symbolische Eintrittsgeld von fünf Mark floß natürlich in den Fond für wohltätige Zwecke.
Nicht weniger stimmungsvoll wurde die fünfte Neustadter Jahreszeit bei der Singenden Elf eingeläutet. Zum 20jährigen Haisl-Jubiläum rief Vorsitzender Karl-Heinz Dörr mit seiner S11-Truppe den Gästen zu; "Die Haiselcher sinn uff, jetzt geh'n mer enner bloose, jetzt mach' mer enner druff!" Gesagt - getan: mit Schwung und flotten Liedern stieg man in die hochkarätige Weinprobe ein. Wie man sich bei einer Weinprobe verhalten soll, kann oder darf schilderte Lotte Gaßner in Pfälzer Mundart, Weinproben- sprecher Dr. Karl Adam war es ein Vergnügen, elf exzellente Weine - von Klaus Julier ausgesucht- dem aufmerksamen Publikum nahezubringen.
Freudig begrüßt wurde auch hier OB Weiler, als er mit Gattin Renate auf einen Sprung vorbeikam. Gerade drei oder vier Weine konnte er in heiterer Gesellschaft verkosten, bevor er wieder weiter mußte, da er an diesem Abend allen Häusel-Betreibern seinen Besuch zugesagt hatte, dazu kamen noch die Weinlesefest-Pressekonferenz und der "Bunte Abend" der Stadtsparkasse...
Nach der großartigen Weinprobe labten sich S 11 und Gäste noch an einem Riesling-Schinken. Da sage einer, die Neustadter wüßten nicht zu leben.

Quelle: Stadtanzeiger vom 30.09.1993
Foto: bg


2.500 Mark für Sozialstation:

Schöne Bescherung - Nikolaus bei den Feucht Fröhlichen Neustadtern

Neustadt. (bg) Wie der Nikolaus die Kinder der Feucht Fröhlichen Neustadter (FFN) besuchte und beschenkte, konnten letzten Sonntag Lincolns Bürgermeister Winston Crumblehulme und Beigeordneter Gerhard Handrich mit Gattinnen erleben. Es sei ihm eine angenehme Pflicht, bei den Mitbegründern des Lincoln Christmas Market zu verweilen, betonte der Mayor. FFN-Präsident Helmut Schuster bestätigte die guten privaten Kontakte und freundschaftlichen Bande. Rund zwanzig FFNler werden in der Vorweihnachtszeit in Lincoln sein. Nachdem der Nikolaus alle Kinder beschert hatte, holte er aus seinem großen Sack noch einen Scheck heraus! Luigi Hohenegger, Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation Neustadt, konnte von der FFN einen Betrag über 2.500 Mark entgegennehmen. Wie er erklärte, werde das Geld als willkommener Beitrag für ein Spezial-Bett im Wert von über 10.000 Mark verwendet. Er bedankte sich für die Spende, mit der nun das Bett angeschafft werden könne.


Luigi Hohenegger (rechts) nahm den Scheck gerne entgegen. Das Geld kann die Sozialstation sehr gut gebrauchen

Quelle: Stadtanzeiger vom 09.12.1993
Foto: bg