25 Jahre Feucht-Fröhliche-Neustadter in Lincoln

Freundschaft wurzelt im Weinberg

1970 erster Besuch in Partnerstadt - 1972 Reben bei Kathedrale gepflanzt

VON UNSERER MITARBEITERIN GISELA FOLTZ
Die „Feucht-Fröhlichen-Neustadter", meist nur mit der Kurzform FFN benannt, feiern in wenigen Tagen ein besonderes Jubiläum in ihrer 44jährigen Vereinsgeschichte: Vor 25 Jahren wurde in der englischen Partnerstadt die Sektion „FFN-Lincoln" gegründet. Am 7. Mai wird deshalb eine Delegation aus der englischen Partnerstadt nach Neustadt kommen, und dann wird bis zum Sonntag mit einem vielseitigen Programm gefeiert. Offizieller Höhepunkt ist ein Festabend am Freitag, 9. Mai, im Mußbacher Herrenhof. Die Geschichte zwischen den FFNlern und Lincoln ist schon ein Stückchen älter. Auf Bitte des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Brix reisten die FFN zusammen mit der Stiftskantorei 1970 zum ersten Mal - natürlich mit Wein im Gepäck - über den Kanal, und im Jahr darauf rief die erste "Pfälzer Woche" in Lincoln helle Begeisterung hervor. Nachdem über hundert Mitglieder der Lincolner „Gilbert- and Sullivan"-Vereinigung zum Weinfest einen Gegenbesuch in Neustadt gemacht hatten, schmolz dann 1972 das Eis zwischen den zurückhaltenderen Engländern und den Pfälzern restlos: Die FFN legte zur Feier der damals 900 Jahre alten prächtigen Kathedrale einen Weinberg am Südhang der ehrwürdigen Kirche an. Ein richtiges Volksfest mit Tanz und viel Musik entwickelte sich spontan rund um den „Vineyard", den nördlichsten Weinberg Europas. 1975 ergab die erste Lese 60 Liter Wein.
Das Jahr 1972 brachte noch weitere Höhepunkte. Zum ersten Mal verfrachteten die FFNler zwei ihrer selbstgebauten „Haiselcher" nach Lincoln und kredenzten den Wein nach Pfälzer Art im Schoppenglas. Das Mini-Weindorf wurde regelrecht gestürmt. Von da an war der Schritt zur Gründung einer englischen „Zweigstelle" nicht weit: Die „FFN-Sektion Lincoln" war beschlossene Sache und wurde mit der ersten Lieferung von 3000 Litern Wein vom Feinsten besiegelt. Sie ist jetzt, nach Aussage des ehemaligen Schatzmeisters Herbert Kaul, fast aktiver als die Neustadter Sektion. In den 25 Jahren gab es viele Besuche und Aktionen auf beiden Seiten, und manche dauerhafte Freundschaft entstand auf privater Ebene. So ist auch das Treffen zum 25. Jubiläum eine Begegnung mit Freunden, denen man - wie FFN-Vorsitzender Helmut Schuster sagt - „ein paar schöne Tage" bereiten will.

Herbert Kaul

Quelle: Rheinpfalz vom 25.04.1997


Feucht-Fröhlicher Haiselcher-Auftakt

FFN fit für's Weinfest


Ehrenpräsident Hermann Bach und Präsident Helmut Schuster füllen den ersten Römer mit dem bitzelnden Neuen Wein, einem Bacchus von Hambachs sonnigen Hängen.

Neustadt. (hs) Wie es seit Jahren guter Brauch ist, versammelten sich die Feucht-Fröhlichen-Neustadter (FFN) am Abend vor der offiziellen Eröffnung der Haiselcher in ihrem Partnerschaftskeller in der Fröbelstraße, um im Kreise von Mitgliedern und Freunden mit einem geselligen Beisammensein die Weinfestzeit einzuläuten, die ja für die aktiven Mitglieder und ihre Frauen drei strapaziöse Wochen mit reichlich Arbeit im FFN-Häuschen bedeuten, den Aufbau nicht zu vergessen.
Daß sie top in Form sind, bewiesen die Aktiven einmal mehr mit zügigem Servieren von Speisen und Getränken. Mit Spießbraten und hausgemachtem Kartoffelsalat stärkten sich die Besucher für die Verkostung der im FFN-Haiselche kredenzten Weine. FFN-Präsident Helmut Schuster hatte eine überraschung parat "für alle, die immer schon mal bei den FFN an den Knöpfchen drehen wollten": eine Mark in einer Stromzähler werfen und am Knopf drehen und schon wird für eine Minute ein großer goldener Imp angestrahlt, dem Fabelwesen an der Kathedrale der englischen Partnerstadt Lincoln (der "Imp" ist ein kleines Teufelchen, das ein frustrierter oder schalkhafter Steinmetz an einer Säule anbrachte). Der Erlös aus der Beleuchtungsaktion wird wieder für einen karitativen Zweck verwendet. Wurde im vergangenen Jahr ein Ehepaar aus Lincoln eine Woche in Neustadt bestens beherbergt (gratis im Page Treff-Hotel) und betreut, so wird vom diesjährigen Betrag, der entsprechend aufgestockt wird, ein Neustadter Ehepaar, das seit 30 Jahren nicht in Urlaub war, eine Woche auf Kosten der FFN in Lincoln verbringen können.
Herbert Schreiber, aktives Mitglied seit den Gründerjahren, gab launige Gedichte und heitere Geschichten zum Besten und mitreißende Stimmungslieder zur Gitarre.
Nachdem Helmut Schuster langjährige Mitglieder für ihre Treue zum Verein geehrt hatte, wurde der Neue Wein des Jahrgangs 1997 angeschlagen, ein Bacchus mit 88 Grad Oechsle, gestiftet von Mitglied Bruno Müller aus Harnbach. Ehrenpräsident Hermann Bach setzte mit gekonntem Schlag das Reiwerle und füllte den ersten Römer.

Quelle: Stadtanzeiger vom 2.10.1997
Foto: Schönig