Auch der Name macht das Fliegen schön

Der Sommerurlaub ist vorbei, und aus Rom oder Barcelona nach Hause gekommen sind Neustadter
vielleicht im Airbus A321-200, der auf den Namen „ihrer Stadt" getauft wurde. Seit 1978 ist es das vierte
Flugzeug mit dieser Bezeichnung - und nicht das einzige Fortbewegungsmittel mit dem Namen „Neustadt".

So reist die „Neustadt": Airbus A321 im Anflug auf Frankfurt bei Sonnenuntergang. Eines von 35 Flugzeugen
dieses Typs in der aktuellen Flotte ist nach der Weinbau-Metropole benannt.
FOTOS (2): LUFTHANSA


VON MARITTA FISCHER

Mit einem Airbus A300B2-1C fing es an: Vor gut 31 Jahren erhielt erstmals ein Lufthansa-Flugzeug den Namen der Stadt Neustadt und wurde am 18. April 1978 auf dem Flughafen Frankfurt feierlich getauft. Taufpatin war Margot Brix, Gattin des damaligen christdemokratischen Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Brix.

Heute fliegt die „Neustadt" bereits in vierter Generation bei Lufthansa. Momentan trägt ein Lufthansa-Airbus A321-200 den Namen der Stadt auf seinen Flügen in die Welt. „Die alten Maschinen sind nicht mehr im Dienst", berichtet Johannes Scholhölter, der als Flugkapitän bei Lufthansa arbeitet Der 44-Jährige ist in Neustadt aufgewachsen und hat „seine" Maschine schon auf Kurz- und Mittelstrecken eingesetzt. „Natürlich fliegt sie sich schön", schwärmt er, „aber das liegt nicht nur am Namen." Die „Neustadt" ist eines von 35 Flugzeugen des Typs A321-200 in der Flotte der Lufthansa und kann mit beeindruckenden Messwerten und Leistungsdaten aufwarten: Das Flugzeug ist über 44 Meter lang und hat eine Spannweite von 34,10 Metern. Es bietet Platz für maximal 190 Passagiere.

Bei einem maximalen Startgewicht von 89 Tonnen und einer Reisegeschwindigkeit von 840 Stundenkilometern fliegt der Airbus bis zu 4100 Kilometer weit. Registriert ist er unter dem Kennzeichen „D-AISE". Von den Crew-Mitgliedern wird er auch kurz „Sierra-Echo" genannt, dies sind die letzten beiden Buchstaben der Registrierung, nach dem internationalen Fliegeralphabet buchstabiert. Scholhölter spricht immer von „ihr": die Maschine. Er könnte auch „das" sagen, wie „das Flugzeug" oder „der" Airbus. Der Flugkapitän bleibt bei der weiblichen Form und schwärmenden Tönen. „Sie" sei so angenehm zu fliegen, habe ein geräumiges Cockpit, es gebe nicht mehr das Steuerhorn zwischen den Beinen wie bei den alten Flugzeugen, sondern einen Joystick auf der Seite. Das Cockpit sei modern eingerichtet, die Maschine bestens technisch ausgerüstet, sehr leise. „Das sind Dinge, die Piloten mögen." Aber nicht nur die: „Das gilt natürlich auch für die Passagierkabinen, alles sehr modern." Knapp 25.575 Flugstunden hat die aktuelle „Neustadt" schon absolviert und war auf über 17.600 Flügen unterwegs. Zuletzt flog sie etwa von Frankfurt nach Prag, Rom und Barcelona.


Im Cockpit: der Neustadter Pilot Johannes Scholhölter.
FOTO: FREI


Flugzeug-Taufen

Die Tradition, Flugzeuge der Lufthansa mit den Namen deutscher Bundesländer und Städte zu versehen, geht auf den September 1960 zurück. Eine Boeing 707 erhielt den Namen „Berlin". Taufpate: der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt. (taf)

Flugzeugtaufe 1978: Patin Margot Brix mit dem Lufthansa-Vorstandsspre-
cher Herbert Culmann und ihrem Gatten, Ex-OB Wolfgang Brix (links).

Zur Sache: Züge und ein U-Boot

Die Stadt Neustadt hat noch weitere Patenschaften neben der für den Airbus übernommen. Ein ICE der Deutschen Bahn und eine S-Bahn des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar sind mit ihrem Namen und Wappen unterwegs. Auch ein Unterseeboot war nach Neustadt benannt.

Bei dem ICE-Schnellzug handelt es sich um ein Modell aus der seit 1997 gebauten T-Baureihe. Er wurde am 26. Juni 2003 um 11 Uhr eingeweiht, als der Neustadter Oberbürgermeister Hans Georg Löffler und der Konzernbeauftragte der Deutschen Bahn AG für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Gerhard Schinner, eine Magnum-Flasche Sekt über ihm entleerten. In den vergangenen Monaten habe die Bahn mehr als 50 Patenschaften für ICE-Züge vergeben, so Schinner damals. Der Name und das Stadtwappen prangen oberhalb der Fenster an beiden Seiten des Zuges. Die Wahl sei auf Neustadt gefallen, da die Stadt ein wichtiger Knotenpunkt im Reiseverkehr sei und die Verknüpfung des Fernverkehrs mit dem Nahverkehr hier besonders augenfällig werde. Der „Neustadt-ICE"

befährt unter anderem die Strecken von Saarbrücken bis Dresden und von Düsseldorf bis Weimar.

Eine S-Bahn des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar ist seit März 2007 unter der Patenschaft von Neustadt unterwegs. Zudem ist eine S-Bahn „Haßloch" unterwegs. Weil Neustadt und Haßloch an einer der wichtigsten S-Bahn-Strecken liegen, ist es gar kein so großer Zufall wenn man in diesen Bahnen unterwegs ist.

Neustadt war außerdem Namensgeber des Unterseebootes „U26" der Klasse 206. Dieses wurde 1975 getauft und für die Bundesmarine in Dienst gestellt Der Verein „Feucht-Fröhliche Neustadter" (FFN) übernahm die persönliche Betreuung der Besatzung bei Aufenthalten in der Stadt und die Kontaktpflege. 1985 erhielt er für einen Festwagen beim Winzerfestzug, der von „U26"-Soldaten bemannt war, einen Preis. Bei einer Kollision mit dem DDR-Passagierschiff „Völkerfreundschaft" wurde das Boot 1983 beschädigt. Seit 2005 ist es außer Dienst und wurde am 14. Mai 2008 verschrottet. (anlx)

Quelle: Rheinpfalz vom 25.08.2009


Lieblingshits vom Erdhügel

Bei der Lebenshilfe steigt das Festival „Rock am Speyerbach" mit sechs Bands

Eine feste Größe im sommerlichen Veranstaltungsprogramm ist inzwischen das Festival „Rock am Speyerbach" der Neustadter Lebenshilfe. Am Samstag, 29. August, wird auf dem Gelände der Lebenshilfe im Adamsweg 10 in Lachen-Speyerdorf zehn Stunden lang Musik geboten. Dabei spielen nicht behinderte und behinderte Musiker. Im vergangenen Jahr hatte es erstmals eine Hitparade gegeben, die so großen Anklang fand, dass sich diesmal 15 Teilnehmer gemeldet haben. Sie werden ihr Lieblingslied vortragen und eine Jury wird den Sieger oder die Siegerin küren. Die Hitparade beginnt um 15 Uhr. Das Festival beginnt um 14 Uhr mit der Band „Puzzle", der Hausband der Neustadter Lebenshilfe, in der behinderte und nichtbehinderte Menschen gemeinsam Musik machen. Ein Anliegen von „Rock am Speyerbach" ist es auch, den Kontakt zwischen der Lebenshilfe und Nichtbehinderten zu fördern. Deshalb freuen sich die Veranstalter besonders, dass in diesem Jahr gleich zwei Bands aus Lachen-Speyerdorf auf der Bühne stehen: die „Stromer" und „Klärwerk". Erstere sind eine ungewöhnliche Band, denn die fünf Jungs sind alle erst zehn Jahre alt. Sie spielen seit über einem Jahr zusammen und hatten schon zahlreiche Auftritte, unter anderem beim Landesmusikfest. Zwei Papas der Stromer spielen bei der Formation Klärwerk, die Akustik-Rock auf die Bühne


Bei der Lebenshilfe stehen jedes Jahr andere Bands aus der Region auf der Bühne.
ARCHIVFOTO: LM

bringt. Die beiden Bands treten zwischen 16.30 und 18.30 Uhr abwechselnd auf. Dazwischen werden etwa um 17.30 Uhr die Sieger der Hitparade ausgezeichnet. Ab 18.30 Uhr spielt „Patchwork", eine Band der Tagesförderstätte des Arbeiter-Samariterbunds Pirmasens. Abends sorgen dann zwei bekannte Gruppen aus Neustadt und Umgebung

für die musikalischen Klänge. Ab 20 Uhr spielen „Chainbrook" eigene Rocksongs, ab 22 Uhr gibt es bekannte Songs der vergangenen Jahrzehnte von „The Peppermint Gang". In den vergangenen Jahren haben die Aktiven der Lebenshilfe nicht nur das Festival organisiert, sondern sich auch um die Bewirtung gekümmert. In diesem Jahr werden sie von den „Feucht-Fröhlichen Neustadtern" entlastet, die die Bewirtung übernehmen. Schon seit einigen Jahren hilft die Haßlocher „Kommune Schieber" beim Aufbau. Erstmals dient ein Erdhügel als Bühne. Diese natürliche Bühne wurde bei der 72-Stunden-Aktion der Katholischen Jugendgruppen von den Lachen-Speyerdorfer Pfadfindern St. Georg mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks (THW) gebaut. Pfadfinder und THW hatten das Außengelände des Kindergartens Regenbogen umgestaltet. Alle Bands treten ohne Gage auf. Der gesamte Erlös kommt der Ortsvereinigung Neustadt der Lebenshilfe zugute.

INFO


„Rock am Speyerbach" im Adamsweg 10 in Lathen-Speyerdorf beginnt am Samstag um 14 Uhr, Einlass ist ab 13.30 Uhr. Für Besucher ab 17 Jahren kostet der Eintritt fünf Euro. (ann)

Quelle: Rheinpfalz vom 25.08.2009


Open-Air-Festival Rock am Speyerbach

LACHEN-SPEYERDORF: Lebenshilfe lädt ein

Auf dem Gelände des Integrativen Kindergartens „Regenbogen" am Adamsweg 10 in Speyerdorf wird am Samstag, 29. August, ab 14 Uhr wieder zehn Stunden non-stop gerockt, Mit der ursprünglichen Idee von „Rock am Speyerbach" wollten die Veranstalter ein gemeinsames Forum für regionale Musikbands mit und ohne behinderte Musiker schaffen. Ziel und Zweck dabei ist es, Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderungen abzubauen und einen Schritt in Richtung in Integration in die Gesellschaft zu gehen. Die Festwiese der Lebenshilfe am Adamsweg bietet die idealen Voraussetzungen für ein solches Open-air-Festival.

Das Fest beginnt pünktlich um 14 Uhr mit „Puzzle", der Lebenshilfe Neustadt Band des Georg Jungmann Hauses. Ab 15 Uhr werden bei der „Hitparade" behinderte Sängerinnen und Sänger ihre Lieblingshits vorstellen. Nach der tollen Resonanz im letzten Jahr wurde die Hitparade kurzerhand als fester Bestandteil in das Festival integriert. Ab 16.30 Uhr werden die Nachwuchsband „Stromer" und die Akustik-Rock-Formation „Klärwerk" im Wechsel für Stimmung auf dem Gelände sorgen: zwei verschiedene Generationen von Musikern, beide aus

Lachen-Speyerdorf. Dazwischen, um 17.30 Uhr, findet die Siegerehrung der Hitparade statt. Ab 18.30 Uhr wird die Gruppe „Patchwork" die Bühne betreten, die Band der Tagesförderstätte vom ASB Pirmasens.

Das Abendprogramm bestreitet ab 20 Uhr die Neustadter Formation „Chainbrook" mit ausschließlich eigenen Songs und ab 22 Uhr rocken die vier Musiker der bekannten „Peppermint Gang" bis um Mitternacht mit Covers der vergangenen Jahrzehnte, aber auch mit neueren Hits, Ein interessantes und abwechslungsreiches Musikprogramm, das den Musikliebhabern in dieser achten Auflage des Rockfestivals geboten wird. Zwei erfreuliche Neuigkeiten hat die Lebenshilfe zu vermelden: Die Musiker/innen werden zum ersten Mal auf der neuen „natürlichen Bühne" der Wiese spielen. Diese Erdhügelbühne wurde von den Pfadfindern St. Georg aus Lachen-Speyerdorf im Rahmen der „72 Stunden Aktion" (neben der Neugestaltung des Kinderspielplatzes des Kindergartens) im Mai geschaffen. Die Veranstalter hoffen deshalb, dass viele Pfadfinder und das ebenfalls beteiligte THW die Gelegenheit wahrnehmen, um ihr Meisterwerk „im Gebrauch" zu erleben. Aber die Lebenshilfe kann weitere Gönner benennen: Um den Veranstalter zu entlasten, hat sich der Ver-

ein „Feucht-Fröhliche-Neustadter" (FFN) angeboten, die Bewirtung des Festivals zu übernehmen. In der Tat eine große Erleichterung für die Lebenshilfe, die nun neben den „Kommune-Schiebern" aus Haßloch einen weiteren Verein zur Unterstützung auf ihrer Seite weiß.

Die Organisatoren der Lebenshilfe sind sehr froh über die Hilfe aus der Bevölkerung und sehen sich in ihrer Idee bestätigt. Falls der liebe Petrus die Veranstaltung mit idealem „Open-air-Wetter" unterstützt, wird „Rock am Speyerbach" sicher wieder ein tolles Erlebnis.
Einlass ist ab 13.30 Uhr, ab 17 Uhr beträgt der Eintritt 5 Euro, Jugendliche unter 14 Jahren und Besucher, die vor 17 Uhr kommen, zahlen nichts.

Eine Woche später, am Sonntag, 6. September, von 14 bis 18 Uhr, findet auf gleichem Gelände das Sport-Integrationsfest von Lebenshilfe und TSG Neustadt statt. Unterstützt wird die Kooperation von der Sparda-Bank Südwest, Schirmherr ist Oberbürgermeister Hans Georg Löffler. Über diese Veranstaltung wird gesondert berichtet.

Quelle: Wochenblatt vom 26.08.2009


Mit Hannes Wader aufs Siegertreppchen

Rock am Speyerbach der Lebenshilfe mit vielfältigem Programm - 13 Teilnehmer an Hitparade

Urgesteine der Neustadter Musikszene und Neulinge, eine Hitparade mit beachtlichen 13 Teilnehmern, behinderte und nichtbehinderte Menschen, die gemeinsam feiern: Bei "Rock am Speyerbach", dem Open-Air-Festival der Lebenshilfe am Samstag in Lachen-Speyerdorf war jede Menge geboten.
Zunächst gehörte die Bühne "Puzzle". Die Gruppe hat etwa 20 Akteure, alles Bewohner und Mitarbeiter des Wohnheims der Neustadter Lebenshilfe. Und die legten gleich kräftig los. Alfred Hambsch, Geschäftsführer der Lebenshilfe, der anschließend die Hitparade moderierte, konnte ein breites Repertoire von Volksmusik bis zum Rocksong ankündigen. Die Jury, der die Musiker Heiko Seiberth und Hermann Bender und die Wohnheim-Bewohnerin Sabine Hauck angehörten, kürte Danny Lomen, der das alte Hannes Wader-Lied "Heute hier, morgen dort" vorgetragen hatte, zum Sieger. Auf den zweiten Platz kam Britta Liesfeld mit dem Uralt-Schlager "Zwei kleine Italiener", und Dritter wurde Thomas Schmoll mit "Poor Boy".
Heinz Busch, Vorsitzender der Lebenshilfe, war voll des Lobs, dass die Feucht Fröhlichen Neustadter (FFN) in diesem Jahr die Bewirtung übernommen hatten.
Dann standen "Die Stromer" auf der neuen Naturbühne, die Pfadfinder gebaut hatten. Die fünf Jungs zwischen zehn und zwölf Jahren machen fetzige Musik mit ausschließlich deutschen Texten. Nicht nur die Mamas und Papas waren begeistert, was der Nachwuchs so drauf hat. "Als nächstes kommen unsere Alten auf die Bühne, die sind gar nicht so schlecht wie sie aussehen." So kündigte der "Stromer"-Sänger die Formation "Klärwerk" an, in der einige Väter der "Stromer" mitspielen. Die vier Gitarristen kamen mit schönem Akustikrock gut an. Davor trommelten "Die Eintagsfliegen", eine Gruppe der Tagesförderstätte der Lebenshilfe. Mit "Patchwork" stand eine weitere Gruppe mit behinderten und nichtbehinderten Musikern auf der Bühne und bekam ebenfalls viel Beifall. Später spielten "Chainbrook" Bombastrock. Rockiger wurde es bei "The Peppermint Gang", die seit 25 Jahren zur Musikszene der Region gehören. Gestern ging es mit einem Sport-Integrationsfest weiter. (ann)

Quelle: Rheinpfalz vom 31.08.2009


Haushohe Umsätze in den "Haiselscher"

Über „sensationelle Umsätze in den vergangenen Tagen auf dem Weinlesefest freute sich gestern Mario Weil im Mörschel Woi-Haisel. „Das Heu ist gewissermaßen eingefahren und getrocknet", sagte er vor allem mit Bezug auf die Wochenendtage. Der Ausschank von 200 Litern Neuem Wein und die Produktion von bis zu 200 Essen pro Tag seien Belege dafür. Einzig die Tatsache, dass auch am Wochenende die Musik um 23 Uhr verklingt, findet Weil „schade". „Das Geschäft steht und fällt mit der Witterung", stellte der aus Berlin mit seinem Kettenkarussell „Wellenflug" angereiste Schausteller Robert Barthel fest. Seit sechs Jahren stagnierten seine Einnahmen, aber die Kosten stiegen. So sei die Standgebühr heute um 500 Euro teurer als vor zwei Jahren, als er den Platz noch an 16 statt nur an elf Tagen bespielt habe. Oliver Müller, Geschäftsführer des Schaustellerbetriebs Ruppert aus Speyer, der ein Karussell betreibt, sagte wie weitere Kollegen: „Wochenende super, Wochentage beschissen." Heute öffnet der Wein- und Sekttreff auf dem Hetzelplatz als weiterer Bestandteil des Weinlesefests. (als/Foto: Im)

Quelle: Rheinpfalz vom 08.10.2009


„Von innen
nach außen"

Fast 40 Jahre alt ist die Freundschaft, die Neustadt und Lincoln partnerschaftlich verbindet. Noch hält das Geflecht aus Kontakten, die vielen Familien ans Herz gewachsen sind. Noch. Denn schon heute deuten sich Nachwuchsprobleme an.


VON MARIKA SCHILLER
Wenn Claudia Goepferich von dieser Städtepartnerschaft spricht, kommt sie ins Schwärmen. Denn sie erzählt von einer "wunderbaren Freundschaft, die von Menschen und Gemeinsamkeiten lebt". Zusammen mit ihrer Kommilitonin Viktoria Regenauer hat sie sich 2007 in ihrer Diplomarbeit mit Geschichte und Gegenwart dieser Verbindung auseinandergesetzt. Sie sagt: "Das passt einfach." Ihre Arbeit, "Lincoln be-twin Neustadt", die mit ideeller und finanzieller Unterstützung beider Städte zu einem kleinen Buch geworden ist, erzählt "Geschichten über eine ganz besondere Freundschaft".

Etwa von den Oberbürgermeistern beider Städte, Wolfgang Brix und John Spence, die sich Ende der 1960er Jahre auf einer Bootsfahrt im Rheintal kennenlernen und beschließen: "alles zu tun, um gute Beziehungen zwischen beiden Städten zu fördern". Von Vereinen, die neugierig ihre Fühler austrecken, ganz gleich, ob 740 Kilometer und jede Menge Wasser sie trennen. Pioniere sind etwa die Folkloregruppen, die Lincolner Gilbert and Sullivan Society sowie die Neustadter Chöre Stiftskantorei und Liedertafel.

Und da sind die Feucht-Fröhlichen Neustadter (FFN), die, wie vielleicht keine andere Gruppe, den Geist dieser Partnerschaft leben. Die schon 1971 zur "Pfälzer Woche" in Lincoln Wein und Sekt aus Neustadt ausschenken, und ein Jahr später

die Insulaner zur Gründung eines FFN-Ablegers inspirieren. Nicht zuletzt aber sorgten sie vor allem auch dafür, dass der "Christmas Market", der 1981 erstmals zwischen Kathedrale und normannischer Burg veranstaltet wurde, von einer fixen Idee zu einem Exportschlager avancierte.

Wenn der Weihnachtsmarkt heute an vier Tagen bis zu 400.000 Gäste in die 88.000-Einwohner-Stadt lockt, reisen traditionell auch die Neustadter FFNler gen Lincoln. 6000 Gläser, gefüllt mit Riesling, Spätburgunder oder Merlot, gehen dann über den Tresen ihres Ausschanks. Nur allzu gerne lassen sich die dem Hopfen verpflichteten Engländer den Traubensaft von der Weinstraße schmecken. Schon in Vorfreude ob dem Besuch im Dezember ist Werner Maas, seit neun Jahren Vorsitzender der FFN. "Wir sind eng verbandelt, telefonieren einmal im Monat", berichtet der 55-Jährige von der Freundschaft zu den Lincolnern Dennis und Norma. Die Sprache ist nie eine Hürde gewesen - "da wurschtelt man sich eben durch".

So tausche man sich über alles aus, was familiär bewegt, aber diskutiere auch über politische Dinge. Wie sich etwa die Wirtschaftskrise auf Berufswahl der Kinder oder den Job auswirkt. "Die Situation ist in England nicht anders", sagt Maas, "wir können miteinander fühlen." Der Neustadter genießt das Eintauchen in die englische Kultur, das Traditionsbewusstsein der Menschen, ihre Zurückhaltung, die, wie auch die Höflichkeitsfloskeln "einfach abfallen, je näher man sich kommt und wenn der Umgang völlig ungezwungen wird". Selbst sein 14-jähriger Sohn lasse sich

begeistern, so Maas. Der profitiere während der Aufenthalte in Lincoln nicht allein daher, weil er sich dort auf Englisch unterhalte.

Mit sehr viel weniger Leichtigkeit, wie im Falle Maas Enthusiasmus in Sachen Partnerschaft an die nachfolgende Generation weitergegeben wird, besteht der Schüleraustausch zwischen dem Neustadter Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG) und der Robert-Pattinson-School in North Hykeham (Grafschaft Lincolnshire) fort. Die Feier zum 25. Jahrestag, die mit einer vierstelligen Summe aus Brüssel gefördert werden sollte, fiel ins Wasser: Die englischen Schüler wollten partout nicht nach Neustadt kommen. Das Interesse an der deutschen Sprache flaut seit Jahren ab.

Ob das am Angebot oder der Nachfrage liegt? Ute Clemens, am KKG zuständig für den Schüleraustausch, vermag diese Frage nicht zu beantworten. Sie bedauert die Entwicklung, die allerdings das von der EU gefördete Comenius-Programm abfedere, das sämtliche Kosten im Rahmen eines Austausches trage. Dazu gehören auch jene für die Unterkunft der Schüler im Hotel. Am ureigensten Partnerschaftsgedanken schrammen damit die jungen Leute auf ihren Reisen vorbei. Nur zu gern denkt Claudia Goepferich an Nächte mit Gästen aus Lincoln zurück, die von angeregten Plaudereien erfüllt waren. Die 49-jährige Kommunikationsdesignerin mit Büro in Lachen-Speyerdorf sagt: "Erlebt man ein Stück Alltag miteinander, lernt man ein Land auf wunderbare Weise von innen nach außen kennen."

Gemeinsamkeiten tun gut: Wie in Neustadt findet sich auch in Lincolns Altstadt historische Bausubstanz (Bild oben links), die Lincoln Cathedral (rechts) gilt als besonders hohes Kirchenbauwerk. Die Freude am Gesang teilen die Musiker der Liedertafel und der Lincoln Coral Society seit den 1990er Jahren.
ARCHIVFOTOS: LM

Quelle: Rheinpfalz vom 31.10.2009

Geschichtsträchtig: Die Partnerstadt

Lincoln blickt auf eine über 2000-jährige Geschichte zurück. Lange bevor die Römer nach Lincoln kamen, war das heutige Stadtgebiet bereits besiedelt. Die Römer errichteten im Jahr 48 ihren ersten Militärstützpunkt für die neunte Legion, der 96 in Lindum Colonia als Stadt für römische Veteranen umgewandelt wurde. Durch seine strategisch günstige Lage arn Fluss Witham, entwickelte sich Lincoln früh zu einem bedeutenden Handelszentrum. Die Normannen erbauten 1068 unter Wilhelm dem Eroberer die mächtige Burg Lincoln Castle. Vier Jahre später begannen sie mit dem Bau der Kathedrale, einer der monumentalsten mittelalterlichen Kirchen Großbritanniens. (ikx)

LINCOLN
in Großbritannien


GRAFIK: DOSTAL

E-Mail aus Lincoln:
„Effizienter publizieren"

Als starke, über vier Jahrzehnte gewachsene Partnerschaft, beschreibt Kate Fenn, Partnerschaftsbeauftragte der Stadtverwaltung Lincoln, auf Anfrage die Verbindung beider Städte. Nicht nur verschiedene Gruppen, wie Chöre und Sportvereine, trügen diese, auch gebe es zahlreiche Orte in Lincoln, die auf den Namen der deutschen Partnerstadt getauft wurden: etwa eine Abteilung des Landeskrankenhauses, eine Wohnsiedlung oder ein Zimmer im Konferenzzentrum „Lawn". Touristen interessiere besonders - neben dem größten Ereignis im Jahresverlauf, dem „Christmas Market", der Weinberg, auf dem 300 Neustadter Reben gedeihen. „Vielleicht", räumt Kate Fenn ein, „sollten wir versuchen, die Städtepartnerschaft effizienter zu publizieren. Beispielsweise könnten unsere Tourist-Informationen Prospektmaterial austauschen, Bücher an die Schulen gesendet werden aber auch die Studenten der Universität über die Partnerschaft unterrichtet werden," Der Kontakt sei wertvoll, „da er hilft, Ideen und Aktivitäten auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und diese unsere Jugend zu lehren". (ikx)

Quelle:Rheinpfalz vom 31.10.2009


"I'm dreaming of a German Christmas"

Eine deutsche Erfolgsgeschichte: Weihnachtsmärkte in Großbritannien - Als Marketingplattform für Deutschland genutzt

VON JOCHEN WITTMANN, LONDON
Es gibt nicht viel, was die Briten an den Deutschen lieben. Aber wenn es um Weihnachten geht, dann öffnet sich ihr Herz gegenüber den Cousins vom Kon- tinent. Den Weihnachtsbaum, zum Bei- spiel, haben sie Prinz Albert zu ver- danken, dem deutschen Ehemann von Queen Victoria, der den Zimmer- schmuck im 19. Jahrhundert einführte. Seine Untertanen haben den Brauch schnell und freudig übernommen.

Und in den letzten Jahren ist ein Trend immer stärker geworden, der den Eng- ländern eine neue Shopping-Erfahrung bietet: der Weihnachtsmarkt nach deutschem Vorbild. Vom schottischen Edinburgh bis zum Hydepark in London, von Manchesr ter bis Bristol, von Leeds bis Sheffield : Überall im Königreich, so scheint es, liegt jetzt der Duft von Brat- wurst und Glühwein in der Luft. Einer der größten Märkte hat soeben in Birming- ham eröffnet. Die deutsche Partnerstadt Frankfurt am Main organisiert hier mittlerweile irn neunten Jahr einen Markt nach Frankfurter Vorbild mit heißem Apfel- wein und Bethmännchen. Mit 94 Ständen und rund drei Millionen Besuchern gilt er als der größte Weihnachtsmarkt außer- halb Deutschlands und der fünftgrößte überhaupt. Wie beliebt das deutsche Vorbild ist, bewies ein Eklat vor ein paar Jahren. Damals beschlossen die Stadt-

väter, dem „Birmingham Christmas Market" ein englisches. Flair zu geben, indem man ihm ein Charles-Dickens-Thema verpassen wollte. Als die örtliche Zeitung „Birmingham Post" eine Sonderseite nach der anderen mit wütenden Leserzuschriften druckte, kam es zu einem raschen Umdenken bei den Politikern.


Immer mehr Besucher aus dem Königreich suchen das Original auf dem Kontinent.
Lincoln, die alte Römerstadt im Norden, darf sich rühmen, den deutschen Weihnachtsmarkt im Königreich einge- führt zu haben. Seit 1982 gibt es hier in Zusammenarbeit mit der pfälzischen Partnerstadt Neustadt einen Markt, der vor 27 Jahren mit lediglich elf Ständen anfing und in diesem Jahr über 300 Verkaufsbuden aufbieten wird. Allerdings dauert das Vergnügen im Unterschied zu anderen Märkten nur vier Tage lang, dürfte aber in diesem Jahr über 100.000 Besucher aus dem Umland anziehen.
Der deutsche Weihnachtsmarkt ist einerseits ein Exportschlager, der immer populärer wird. Andererseits nutzen ihn deutsche Städte, um sich im Ausland aufzustellen. Die Stadt Köln präsentiert sich an der Londoner South Bank heuer mit dem Motto „Köln ist ein Gefühl" sowie einem Markt, der Appetit auf die Stadt am Rhein machen soll, was mit Kölsch

und Bratwurst nicht allzu schwer fallen sollte. Und Frankfurt organisiert nicht nur in Birmingham einen Christmas Markt, sondern auch immer erfolgreicher in fünf weiteren Städten.

„Großbritannien", erklärt Betreiber Thomas Feda, „gehört zu unseren wichtigsten ausländischen Quellmärkten." Soll heißen: Die Weihnachtsveranstaltungen werden zur Marketingplattform, die Briten zur Reise nach Deutschland animieren sollen. Und das klappt immer besser. „Wollt ihr das Original? Kommt nach Deutschland!", warb der deutsche Tourismusverband in London und trifft damit auf wachsende Resonanz. „Die Weihnachtsmärkte in Deutschland sind prächtig anzuschauen", las man in der „Times", sie wären Meilen entfernt vom „ungezügelten Kommerzialismus", der leider die Jahreszeit in Großbritannien dominiere.

Tatsächlich scheint die Magie und die Romantik eines traditionellen Marktes eine Saite im Herzen der Briten anzustimmen, und die Besucher aus dem Königreich, die extra zum Weihnachtsmarktbesuch auf den Kontinent anreisen, werden von Jahr zu Jahr mehr, „l'm dreaming of a German Christmas", schwärmte der „Times"-Kolumnist Richard Morrison: „So etwas Festliches und Herzerwärmendes" wie ein deutscher Weihnachtsmarkt sei „das perfekte Tonikum, um die Düsterkeit dieser Wintermonate zu vertreiben".

In der alten Römerstadt Lincoln gibt es seit 1982 einen Weihnachtsmarkt.
Er wird in Zusammenarbeit mit der pfälzischen Partnerstadt Neustadt organisiert.
FOTO: ARCHIV

Quelle: Rheinpfalz vom 03.12.2009