Vor 70 Jahren erstmals Haiselcher aufgestellt

Idee stammte von Stadtbaurat Hans Neher - Schon Ende der 30er Jahre Klemmhofsanierung projektiert

Seit gestern ist das Weindorf vor dem Saalbau mit sieben "Haiselscher" geöffnet. 70 Jahre sind es her, dass an der gleichen Stelle das erste Weindorf stand. Der damalige Stadtbaumeister Hans Neher gilt als der "Vater" des Weindorfs.
Es gibt ein Foto aus dem Jahr 1937 aus dem Nachlass von Hans Nehers Sohn, Hans Michael Neher, das die Anfänge belegt. Auch eine Zeichnung auf dem Programm zum "Pfälzischen Weinlesefest 1938", wie es damals noch hieß, zeigt die Ansicht des Weindorfs. Auf der Grünfläche Landauer Straße/Ecke Bahnhofstraße stand eine kleine Nachbildung des Weintors, am südlichen Ende der Grünfläche schlossen sich in einer Reihe vier Fachwerkhäuschen an, die durch Torbögen miteinander verbunden waren. Aus einem Handzettel, einer Einladung zum Pfälzischen Weinlesefest, geht hervor, dass auf dem Bahnhofsvorplatz ein Festzelt stand und ein Vergnügungspark auf dem Strohmarkt aufgebaut war.
Wie es in den nächsten Jahren weiterging, ist nicht belegt. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg fanden 1946 die "Pfälzer Herbsttage" statt, die das Pfälzische Weinlesefest ablösten. Übrigens musste auch dieses Fest, wie alle andren Veranstaltungen damals, von der französischen Besatzungsregierung genehmigt werden.
Die Woihaiselscher sind dann wieder 1959 belegt. Der Verein der Feucht-Fröhlichen Neustadter (FFN) hatte die Idee "ausgegraben" und baute ein Fachwerkhäuschen mit Außentheke, stellte es in die Mitte des Bahnhofsvorplatzes und spannte zwischen zwei Bäumchen ein Schild mit der Aufschrift "Deutsches Weinlesefest 1959". Das FFN-Häuschen bekam 1962 Gesellschaft durch eines der Trachtengruppe. Die Stadt Neustadt nahm den Gedanken auf und ließ weitere zwei Häuser bauen und auf dem alten Bahnhofsvorplatz aufstellen. Damit war der Vorkriegsstand mit vier Häuschen wieder erreicht.
Wegen Umbaus des Bahnhofsplatzes mussten die Haiselscher weichen. Sie wurden auf der Grünfläche westlich des Saalbaus aufgestellt, 1971 aber auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Brix auf den Saalbauvorplatz verlegt und um weitere ergänzt. Damals kamen die Freiwillige Feuerwehr, die "Singende Elf", die "Woisträßler", der Gesangverein Geinsheim und die Mußbacher Vereine, später der VfL und der Schützenclub Lachen-Speyerdorf als Bewirter hinzu, die in den Folgejahren jedoch großteils wieder aufgaben, weil ihnen Ehrenamtliche fehlten, die die Arbeit leisten konnten. Geblieben sind bis heute die FFN, die Trachtengruppe und die Feuerwehr. Dafür sind teilweise professionelle Betreiber eingesprungen, und es sind andere Stände hinzugekommen. Seit 1996 gibt es ein Festzelt auf dem Bahnhofsvorplatz, das der Karneval-Club Neustadt betreibt.
Doch zurück zum Ursprung: Der Vater des Weindorfs, Hans Neher (1906 - 1941), wurde am 1. Oktober 1936 zum Stadtbaumeister und Vorstand des städtischen Hoch- und Tiefbauamtes in Neustadt berufen, 1938 zum hauptamtlichen Beigeordneten gewählt. Seine erste Aufgabe war die Umgestaltung der Stadion- und Freibadanlage. Es folgten der Umbau des Bahnhofsvorplatzes, der Bau des dortigen Springbrunnens, der Umbau der Saalbau-Gäststätte und des Strohmarktes. Weitere Objekte waren die Amalienburg (Hüllsburg), der Krankenhausvorplatz und die Sauloogsiedlung.
Er entwarf den Neubau einer Berufsschule und eines Volksschulgebäudes, den Ausbau verschiedener Straßenzüge und projektierte schon damals die Sanierung des Klemmhofviertels. Nach seinen Plänen, die auch durch ein Modell belegt sind, sollte die alte Bausubstanz im Klemmhof vor dem Verfall gerettet werden, um das historische Stadtbild zu erhalten. Neubauten sollten den Altbestand ergänzen.
Nebenbei malte und zeichnete Neher. Seine Arbeiten sind im Nachlass seines Sohnes. 1940 wurde Neher zur Wehrmacht einberufen. Er starb am 9. November 1941 bei den Kämpfen um Sewastopol. (awk/Repro: awk)

Quelle: Rheinpfalz vom 23.09.2006


Haiselscher standen auch auf der Festwiese

Bei Winzinger Kerwe - Später als Baubuden am Westwall verwendet - Eines wurde Gartenhaus

Die Geschichte der Woihaiselscher, die der Stadtbaurat Hans Neher vor 70 Jahren erdacht und entworfen hat (wir berichteten in der Ausgabe vom Samstag), hat dank eines aufmerksamen Lesers eine Fortsetzung erfahren. Er bemerkte, dass das Foto nicht auf dem Saalbau- oder Bahnhofsvorplatz aufgenommen sei, sondern auf der Festwiese.
Wie aus Nehers Skizzen zu ersehen ist, waren schon die damaligen Häuschen - wie die gegenwärtigen - auf- und abbaubar. Sie wurden denn auch bei verschiedenen Festen eingesetzt, erstmals 1937. In einem Artikel vom 24. September 1937 im Pfälzer Anzeiger heißt es: "Die Entwürfe für die Winzerhäuser des Weindorfes, das anlässlich des Pfälzischen Weinlesefestes am 9. und 10. Oktober auf dem Bahnhofsvorplatz und dem Saalbau errichtet wird, sind fertig".
Dieser Artikel und zwei Fotos sind abgedruckt im Buch von Gerhard Berzel "Neustadt an der Weinstraße - Ereignisse von 1870 bis Mitte des 20. Jahrhunderts". Dort sind auch zwei Aufnahmen von der Winzinger Kerwe 1938 mit besagten Weinhäuschen wiedergegeben.
Eine weitere Aufnahme von der Winzinger Kerwe mit Weinhäuschen aus dem Jahr 1938 findet sich in dem Buch von Claus-Peter Westrich "Neustadt an der Weinstraße wie es früher war". Diese Aufnahme ähnelt derjenigen in unserer Samstagausgabe, ist aber nicht mit ihr identisch. Wie der Leser richtig bemerkt hat, ist auch unsere Aufnahme auf der Festwiese entstanden.
Nehers Häuser sind offenbar bis 1939 bei der Winzinger Kerwe aufgebaut worden. Ob die Häuschen 1939 noch einmal für das Weinlesefest vor dem Saalbau und Bahnhof aufgebaut wurden, lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen.
Danach wurden sie offenbar von der "Aktion Todt" beim Bau des mehrere hundert Kilometer langen Befestigungsgürtels des Westwalls benutzt. Sie sollen an eine Baustelle in der Südpfalz gebracht und als Baubuden und Schlafstätten für die Baukolonnen verwendet worden sein.
Ein Häuschen hat offenbar den Krieg überlebt. Es soll bis Mitte der 50er Jahre in einem Schrebergarten in der Branchweilerhofstraße gestanden haben und später wahrscheinlich verfallen sein. (awk)

Quelle: Rheinpfalz vom 29.09.2006


Wie Neustadt den Weihnachtsmarkt „exportierte"

Seit 25 Jahren wird auch in der Partnerstadt Lincoln mit Glühwein gefeiert - Pro Jahr etwa 300 000 Besucher

Was wäre Neustadts englische Partnerstadt Lincoln ohne den viertägigen Christmas Market im Dezember zwischen der Kathedrale und der normannischen Burg? Nicht vorstellbar. Der erste englische Weihnachtsmarkt, zu dem Jahr für Jahr über 300 000 Besucher strömen, feiert jetzt seinen 25. Geburtstag. Der Jubiläums-Weihnachtsmarkt findet an diesem Wochenende in Lincoln statt. Oberbürgermeister Hans Georg Löffler und sein Amtskollege, der Mayor of Lincoln, Steve Allnutt, werden den offiziellen Part übernehmen.
Am Rande werden Gespräche über die Weiterentwicklung der Partnerschaft, des Lincolner Hauses des Weins und den von Neustadtern angelegten Lincolner Weinberg im jetzt bischöflichen Kirchengarten stattfinden. Langjährige Freundschaften werden vertieft und Pläne für Aktionen geschmiedet unter den Mitinitiatoren und immer noch Mitwirkenden des Christmas Markets, den Feucht-Fröhlichen-Neustadtern (FFN) und der FFN Lincoln-Section.
Die „Väter" des deutsch-englischen Weihnachtsmarktes, Hermann Weis, einstiger Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Neustadt, von den Lincolnern „Sir Herman" genannt, der damalige FFN-Präsident Alfred Schilling und der Touristikchef von Lincoln, Robin Rushton, hätten sich unbändig über den Riesenerfolg des inzwischen zu einer landesweiten Attraktion gewordenen Lincolner Weihnachtsmarktes gefreut. Doch sie leben nicht mehr.
Auf ihre zündende Idee beim Besuch einer Delegation aus Lincoln auf dem Neustadter Weihnachtsmarkt 1981 bei Dampfnudeln und Glühwein geht der Lincoln Christmas Market zurück.
„Sir Hermans" Frau Karla Weis erinnert sich an den ersten Weihnachtsmarkt in Lincoln 1982. „Es war beeindruckend, wie begeistert die Besucher von dem Markt waren, vom deutschen Weihnachtsschmuck, der Neustadter Tanne und vom Auftritt der Weinkehlchen. Und dann der Kampf um den Glühwein und der Ansturm auf die Lebkuchen. Das werde ich nie vergessen", sagt sie.
Den für englische Zungen unbekannten Glühwein, der am Stand der Section Lincoln erhitzt und ausgeschenkt wurde, hatten die FFNler nach England geschickt. Die Menge reichte gerade so aus. Auch Sir Herman als Belzenickel hätte noch mehr als die 1000 mitgebrachten Lebkuchen an Mädchen und Jungen verschenken können. Allein die FFN-Section erlöste so einige tausend Mark, für die Geschenke für die Kinder Arbeitsloser in Lincoln gekauft wurden, schrieb die RHEINPFALZ in der Ausgabe vom 21. Dezember 1982.
In diesem und anderen Artikeln steht aber auch zu lesen, mit welchem ideellen und finanziellen Aufwand die Partner die Idee umgesetzt hatten. Oberbürgermeister Dieter Ohnesorge hatte versprochen, einen Weihnachtsbaum mitzubringen. Die Freiwillige Feuerwehr Neustadt erfüllte den Wunsch und brachte eine zwölf Meter hohe Fichte aus dem Neustadter Stadtwald auf den Weg und übers Wasser.
Manfred Spuhler erinnert sich: „Nach etwa 120 Kilometern blieb das Fahrzeug stehen, die Spritzufuhr stockte, weil der Tankdeckel keine Lüftung hatte". Kurzerhand stopften sie einen Lappen in die Öffnung und weiter ging die Fahrt gen Rotterdam.
Nächste Hürde war die Kontrolle am Zoll in der englischen Hafenstadt Hull. Doch der wie eine Mumie eingepackte Weihnachtsbaum durfte dank Gesundheitsattest passieren. Und das kleinere Bäumchen, das die Feuerwehrmänner ihren Lincolner Kollegen mitbrachten, fiel gar nicht erst nicht auf.
Ein Jahr später, 1983, war aus der kleinen Budenstadt im Herzen des historischen Lincoln ein Christmas Market mit 43 Ständen geworden - doppelt so vielen wie bei der Premiere. Zum zweiten Mal wurde eine Neustadter Fichte zum Lincolner Christbaum. Inzwischen besorgen sich die Lincolner ihren Weihnachtsbaum selbst. Eine Gedenktafel liegt neben dem Kanaldeckel, der als Christbaumständer für die Neustadter Fichten diente.
Während bei der Premiere die Deutsche Weinkönigin Karin Molitor dabei war, hatte Oberbürgermeister Ohnesorge die Mandelblütenkönigin Elke Wiedemann zum zweiten Lincolner Weihnachtsmarkt eingeladen.
„O lovely", hörte sie mehr als einmal, als die Engländer begriffen hatten, was eine „Almond Blossom Queen" (Mandelblütenkönigin) ist, erinnert sich Elke Wiedemann-Fischer. Köstlich und unvergesslich waren die Szenen, die sich vor dem Stand der FFN abspielten. In der linken Hand ein Schälchen mit Weinsoße, in der rechten Hand eine Dampfnudel, guckten die Engländer der deutschen Delegation ab, wie man dieses „German cake, Dumplings with Winecreme", isst und fragten sich, mit welcher Hand, sie die Schale mit „Peace and Mintsauce" (Erbsen mit Minzesoße) halten sollten. Die grünen Erbsen (Lieblingsgemüse der Engländer), so grün, wie man sie nur in England kochen kann, gab"s am Stand daneben.
1 500 Dampfnudeln hatten die Frauen der FFNler in der Kantine des Stadthauses hergestellt und gebacken. In vier Tagen hatten die Engländer sie verputzt. Nachschub war nicht möglich. Mehl, Eier und so weiter gab"s in England, nur keine Hefe, hatte seinerzeit vorsorglich Margot Brix den Frauen mit auf den Weg gegeben.
Bereits am Abflugschalter in Frankfurt hatten vor allem die im Handgepäck mitgeführten Dampfnudelpfannen für große Aufregung gesorgt, die Alfred Schilling mit den Worten „ohne die fliege ich nicht" verteidigte. Dampfnudeln gibt es inzwischen nicht mehr auf dem Lincolner Weihnachtsmarkt, dafür aber am Stand der FFN frisch gebackene Pretzel"s (Brezeln) und Laugenstangen mit Käse, Pfälzer Wein in jedes Jahr mitgelieferten Zehntelgläschen zum Behalten und bei der FFN-Section wie eh und je „Gluhwine" (Glühwein).
Welche Beliebtheit der deutsch-englische Weihnachtsmarkt in ganz England genießt, ist abzuleiten an einem Besuch des BBC-Teams vor einigen Tagen. Zum Jubiläum filmten sie den Neustadter Weihnachtsmarkt und die Verladung des FFN-Equipments für die Beschickung ihres Lincoln-Standes.
Die Aufzeichnung war rechtzeitig zur Eröffnung des Marktes in Großbritannien zu sehen sein und dürfte wohl dafür gesorgt haben, dass noch einige Besucher mehr als sonst nach Lincoln strömen ... (awk)

Quelle: Rheinpfalz vom 09.12.2006


Adventslichter

Dank und Anerkennung

Auf einem Empfang der Stadt Lincoln für Standbesitzer, die seit 1982 einen Stand auf dem Christmas Market betreiben, wurde der Initiatoren des Christmas-Marktes vor 24 Jahren gedacht. Ratsherr Neil Murray und Tourismusmanager Rob Bradley verliehen den Nachfolgebetreibern der Gründungsväter Urkunden und Medaillen. In einer Feierstunde mit "baked potatoes with chili" (Ofenkartoffeln mit Chili), Neustadter Sekt und Rotwein würdigten sie im Beisein von Neustadts Oberbürgermeister Hans Georg Löffler und des Mayor of Lincoln, Steve Allnutt, das Engagement der FFN Neustadt und der Sektion Lincoln. (awk)

Sorgen mit House of Wines

Am Steep Hill im Norman House hat die "Haus des Weins-Gesellschaft mbH Neustadt" das "Lincolnshire House of Wines" eingerichtet und im April 1998 eröffnet. Der jetzige Pächter klagt über zu geringen Absatz. Deshalb fand am Rande des Christmas Market ein Gespräch mit ihm, den Beiratsvorsitzenden der GmbH, Franz Gutting und Stephan Hafen, sowie der Gesellschafterin Eva Nickel statt. Er könne, sagte der Pächter, nur vom Verkauf von Neustadter Weinen nicht leben. Die GmbH möchte gerne an dem Konzept festhalten, im House of Wines je zwei Produkte der Gesellschafter anzubieten und bemüht sich deshalb um einen neuen Pächter. Der jetzige Pächter hat gegen inzwischen zwei weitere Läden in unmittelbarer Nähe und gegen Großmärkte zu kämpfen. Sie alle bieten Weine an. Er hat deshalb in sein Verkaufsangebot auch Geschenkartikel aufgenommen.
Im Erdgeschoß des Weinhauses sind ein Verkaufsraum und eine Küche, im Obergeschoß ein Proben- und ein Büroraum untergebracht. Die Umbaukosten von 120000 Mark hatten die Stadt Lincoln und das rheinland-pfälzische Weinbauministerium bezuschusst. Neustadt hatte sich mit einer Anschubfinanzierung beteiligt. (awk)

Quelle: Rheinpfalz vom 16.12.2006


Mit Kind und Kegel hinein ins Markttreiben

Weihnachtliche Atmosphäre mit künstlichem Schnee - Die Briten lieben bunten und glitzernden Schmuck

Aus Lincoln berichtet Angelika Wilde-Kaufhold

Es duftet nach deutschem Glühwein und englischem Spice Wine, german Bratwurst with Currysauce und Lincolnshire Sausage (Wurst), baked Potatoes (Ofenkartoffeln), Brezels (Brezeln) und fresh hot roasted Chestnuts (geröstete Kastanien), Zimt und Christmas-Pudding. Von der Kathedrale tönt der warme Big-Ben-Schlag. Es ist vier Uhr am Nachmittag englischer Zeit. Die Burgwächter öffnen das Gitter, und die Besucher strömen mit Kind und Kegel hinein auf den Lincolnshire Christmas Market auf dem Burggelände.
Engländer drängeln nicht. Sie werden allenfalls vom Wind geschoben, der wieder einmal „very strong", sehr stark durch die Gassen der Altstadt fegt. „Stille Nacht" und „Jingle Bells" klingen aus den Lautsprechern, und auf die Besucher rieselt im Burgdurchgang zum Schlossgarten leise der Schnee. Die zarten, künstlich produzierten Eisflöckchen vermitteln ein wenig weihnachtliche Atmosphäre bei zehn Grad plus, typisch englischem Dauerregen und Windböen. Doch den Briten scheint das Wetter nichts auszumachen. Viele sind sogar nur leicht bekleidet.
Gleich rechts auf dem eigentlichen Christmas Market im Schlossgarten haben die Feucht-Fröhlichen-Neustadter (FFN) ihren Stand errichtet, jener Verein, der seit Jahrzehnten die Partnerschaft pflegt und längst eine eigene Sektion Lincoln gegründet hat. An jeder Seite stehen mitgebrachte Tannenbäume, der Stand ist verziert mit Kugeln, Ketten, Sternen und vielen Lichtern. „Bunt muss der Schmuck sein und glitzern, das lieben die Engländer", sagt FFN-Präsident Werner Maas. Gerd Reif, der fast seit dem ersten Christmas Market dabei ist, nickt und postiert noch ein kleines Kunststoffbäumchen auf die Theke samt einer Butzel mit Schleife. Auch Manfred Schäfer weiß, dass die Engländer es bunt lieben: Seine Frau stammt aus Lincoln.
Der Eröffnungstag gehört den Lincolnern, der Freitag den Besuchern aus der Region und den Behinderten, und am Samstag und Sonntag den Touristen aus dem gesamten Königreich. Das sei nicht reglementiert, sondern habe sich so eingespielt, sagen die FFNler, die alle schon unzählige Male am Stand Dienst hatten.
Der Christmas Market feiert seinen 25. Geburtstag. Neustadts Oberbürgermeister Hans Georg Löffler und der Lincolner Bürgermeister Steve Allnutt erinnern bei der Eröffnung auf der Marktbühne an die Anfänge 1982 und die Gründungsväter: FFN-Präsident Alfred Schilling und Hermann Weis, der sowohl FFN-Mitglied als auch Chef des Neustadter Verkehrsamtes war auf deutscher Seite, sowie Robin Rushton, den damaligen Touristchef in Lincoln. Er hat sich zwar aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, aus alter Verbundenheit aber bei den FFN sehen lassen, die seit Anbeginn des Christmas Markets an einem Stand vor der Burg Glühwein anbieten.
Die Besucher des Christmas Markets sind happy. Mit einer Sausage oder einem Burger in einem leicht süßen luftigen Brötchen und einem Gläschen Neustadter medium sweet (halbtrocken) Wine, einer Brezel oder Käsestange, die es nur am FFN-Stand gibt, einem Becher Glühwein, Donuts oder auch einer Portion Erbsen mit Minzsauce - very british - schlendern sie von Stand zu Stand. Am Osttor geht"s rein und durchs Westtor wieder raus. „One way", Einbahnstraße, steht auf dem Schild. Die Bobbys kennen kein Pardon. „Oh lovely", „beautiful" und „famous" rufen Besucher entzückt, kaufen die englische Nachspeise „Christmas-Pudding" und jede Menge „ Gifts", Weihnachtsgeschenke. Sie erwerben Weihnachtsdekorationen, probieren Handschuhe, hängen sich Taschen um, testen die Beweglichkeit von Puppen, blättern in Büchern und betrachten mit leuchtenden Augen Kristallschmuck.
Vor dem Westtor ist ein Vergnügungspark mit Fahrgeschäften und Imbissständen aufgebaut, der sich bis vor die Kathedrale zieht, wo ein Schmied seine Esse aufgeschlagen hat.
Von 10 Uhr am Morgen bis 10 Uhr am Abend ist der Markt am Freitag und Samstag geöffnet. Am Sonntag schließt er um 7 Uhr abends. Erst nach dem Glockenschlag beginnt der große Abbau. In den Schlosshof rollen die Lastwagen. Am FFN-Stand wird Bilanz gezogen: 1600 Flaschen Weiß- und Rotweine sind per Spedition angeliefert worden. 600 Dreiviertelliterflaschen sind noch übrig. Sie bleiben beim 1972 gegründeten Bruderclub FFN-Section Lincoln. Nach Abzug der Kosten (Transport, Verbrauchssteuer, Mehrwertsteuer, Bed & Breakfast für die 16 FFN-Mitglieder, Sprit, Automiete, Eurotunnelgebühr und Verpflegung) geht die Rechnung Null auf Null auf, hofft Werner Maas. Verdienen wollen die engagierten FFNler an dem Freundschaftsdienst nichts.
Die Sektions-Freunde bedanken sich traditionell mit einem Freundschaftsabend in einem Restaurant: mit einem „Good bye" und einer Einladung für nächstes Jahr. Die Zimmer sind für Dezember 2007 bereits gebucht.

Quelle: Rheinpfalz vom 16.12.2006


Feucht-Fröhliche Neustadter

Eine feste Größe in Lincoln


Die englischen Besucher schätzen die fröhliche Atmosphäre bei den FFN und kommen seit Jahren immer wieder gerne zu deren Stand auf dem imposanten Weihnachtsmarkt in Lincoln.

Neustadt. (hs) Seit mittlerweile 25 Jahren findet in Lincoln in England ein Weihnachtsmarkt statt. Die Idee hierfür ging von der gelebten Städtepartnerschaft zwischen Lincoln und Neustadt aus. Die Initialzündung lieferten die beiden Vereine der Feucht-Fröhlichen-Neustadter (FFN) in Lincoln und Neustadt.  Der Weihnachtsmarkt mit seiner herrlichen Atmosphäre im mittelalterlichen Schlosshof neben der: majestätischen Kathedrale Lincolns entwickelte sich von kleinen aber feinen Anfängen zum mittlerweile größten Weihnachtsmarkt in England. Jedes Jahr reisen etwa 250.000 Besucher mit Bus, Bahn und Auto an, um das faszinierende Ambiente zu genießen. Lange Jahre organisierte die FFN Lincoln dieses Ereignis. Dank der Initiative des Vereins kann die Region Lincoln mittlerweile etliche Millionen Pfund Sterling mehr umsetzen. Die FFN Neustadt beteiligte sich auch 2006 mit einem eigenen Stand auf dem Lincolner Markt. 17 Mitglieder fuhren mit einem LKW und Pkws über den Kanal und brachten Pfälzer Wein, Brezeln und gute Laune nach England. Viele Besucher schätzen die Atmosphäre bei den FFN und kommen seit Jahren immer wieder zu ihrem Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Auf diese Weise sind viele Freundschaften entstanden oder vertieft worden. Die FFN engagieren sich nachhaltig für mehr gegenseitiges Verständnis und eine länderübergreifende Freundschaft. Seit 25 Jahren freuen sich die Besucher immer wieder auf dieses Fest und ihren Besuch bei den FFN. Auch 2006 wurde der Wunsch laut, dass sich die FFN weiterhin am Weihnachtsmarkt engagieren und mit ihrer Anwesenheit vor Ort bereichern: „Kommt bitte auch nächstes Jahr wieder!", war häufig am FFN-Stand zu hören. Es ist zu wünschen, dass die FFN-Aktiven viel Unterstützung finden und der Verein, in dem auch und gerade Familien gerne gesehen und als Mitglieder willkommen sind, nie über mangelnden Nachwuchs klagen muss.


Die FFNler sind beredte Botschafter für die Neustadter Weine.


Die Engländer lieben die Atmosphäre des Weihnachtsmarktes


Ein Bild, das für sich selbst spricht: diesen Besuchern gefällt es gut am Stand der FFN.

Quelle: Stadtanzeiger vom 28.12.2006