Gähnende Leere vor den Haiselscher

Wenig Betrieb im Weindorf - Betreiber und Besucher bei Musik und Stimmung geteilter Meinung


VON UNSEREM REDAKTIONS-MITGLIED SABINE FELKER


War man am Montagabend auf dem Weinlesefest, konnte man Mitleid bekommen. Mitleid mit den Haiselscher-Betreibern, Mitleid mit den Gästen, ja irgendwie mit all den netten Neustadtern. Nichts war los.


Mittagszeit im Weindorf: So früh am Tag sind noch einige der Tische hochgeklappt.   -FOTO: LM

Nun ja, fast nichts. Einige versprengte Festbesucher sind auszumachen. Wären die Haiselscher verschlossen, könnte der Bahnhofsvorplatz in Würde auf besucherstärkere Tage warten. Nun sind die Bierbänke mit einzelnen Gästen besetzt, die meist wortkarg in ihre Duppegläser starren. So liegt eine Vermutung nahe: Im Wein liegt nicht nur Wahrheit, sondern manchmal wohl auch Trost. Die meisten Besucher sind im Rentenalter. Mit einer Hand wird der Schoppen gehalten, mit der anderen das Kesselfleisch auf dem Teller hin und her geschoben. Dabei wird ab und an ein Blick zur Bühne geworfen. Feststimmung kommt keine auf.
DJ Thomas, (er hat auch noch heute und morgen Abend Dienst), müht sich redlich. Professionell steht er da, auf seiner Bühne hinter dem Mischpult. Als wolle er das nicht vorhandene Publikum zum Mitsingen animieren, bewegt er wortlos zu den Liedtexten die Lippen. Sogar ein Absperrgitter ist vor der Bühne aufgebaut; doch es gibt keine Fans, die die Bühne zu stürmen drohen. Kurz vor neun Uhr erbarmen sich zwei kleine Kinder, sich zu den Schlagern und Ohrwürmern der 8oer Jahre im Takt hin und her zu wiegen. Auch gestern hielt sich bei einigen Gästen die Begeisterung in Grenzen. "Ich weiß nicht, aus welcher Kiste der die Musik raus gekramt hat", meint Gerhard Weber mit Blick auf den DJ. "Gut, dass überhaupt Musik läuft, sonst wäre es hier zu ruhig", stellt Otto Mattern fest. Der 8o-jährige Neustadter besucht jedes Jahr das Weinfest. "Wenn man jemanden trifft, den man kennt, ist es wirklich toll", erklärt er die Faszination, die das Weinlesefest auf ihn ausübt. Seine persönliche Erklärung für die geringen Besucherzahlen hat der rüstige Rentner parat. "Das Kesselfleisch kostet heute 6,50 Euro, Vor ein paar Jahren war das günstiger. Das hält die Leute ab", ist er sich sicher. Ein weiterer Rentner schaltet sich ein. Früher habe es eine Verbindung zwischen Fest und Musik gegeben. Rhein-, Wein- und Schunkellieder würden dem Fest einen würdigeren Rahmen geben. Seinen Namen möchte er jedoch nicht verraten. Manche Leute würden Kritik am beliebten Neustadter Weinfest nicht gerne hören, sagt er.
Der Pizzabäcker steht alleine in seinem Stand, keine Pizza backt in einem seiner vielen Öfen. Für wen hätte er auch auf Vorrat backen sollen? Die Dame vom Käsestand freut sich, wenigstens einem ihrer Enkel etwas zu essen machen zu können. "Es ist nicht viel los, aber für Montag haben wir auch nicht mit mehr gerechnet", sagt sie. Der Flammkuchenmann hat ähnlich tröstende Worte. "Am Wochenende war es auch nicht gerade toll.
Andere Feste machten Konkurrenz. Und heute? Besser wird's nicht mehr", sagt er und lässt seinen Blick über den fast leeren Platz schweifen, auf dem sich zu späterer Stunde immerhin ein paar mehr Menschen eingefunden haben.
Und wie steht's bei den Männern vom Rettungsdienst? Auch die sitzen gelangweilt in ihrem Auto und harren der Dinge, die da wohl nicht mehr kommen werden. "Hier ist nix los und das wird heute wohl auch nichts mehr", erklärt einer der beiden. Anders sah dies gestern Häuschen-Betreiber Marcus Hauck: "Das Wochenende war ganz okay, und auch Montag und Dienstag waren in Ordnung."
Leid könnten einem die Neustadter tun, bestünde nicht die Hoffnung, dass bald mehr los sein wird. Der Jahrmarkt wird mehr Besucher anlocken. Und wenn das Weinfest selbst und die Plandampf-Veranstaltung begonnen haben, dürfte es auch im Weindorf voller werden. Zu wünschen wäre es den putzigen Haiselscher.

Quelle: Rheinpfalz vom 28.09.2005