Hermann Bach 85:

Gratulationen für Neustadts "Till"

Er ist in die Geschichte der Feucht-Fröhlichen Neustadter (FFN) sowie des Karnevalvereins Neustadt (KVN) eingegangen: Hermann Bach. Heute feiert er topfit seinen 85. Geburtstag. Eine Abordnung der FFN, die er am 14. Januar 1953 mit aus der Taufe gehoben hat und deren erster Präsident er war, wird gratulieren.

Als Anerkennung für sein Engagement in der FFN und für die englische FFN-Tochter Sektion Lincoln wurde Bach im Januar 2010 zu deren internationalem Präsidenten  berufen. Er nimmt weiterhin aktiv am Vereinsleben teil und befasst sich mit der Städtepartnerschaft Neustadt-Lincoln. Die FFN haben in der englischen Partnerstadt unter anderem mit ihrer Unterstützung des dortigen Weihnachtsmarktes bedeutende Beiträge geleistet.
1955 ging Bach beruflich nach Mönchengladbach, blieb aber den FFN und dem KVN treu. Seine politischen Büttenreden, besonders die in der Rolle als "Till" des KVN, machten Hermann Bach weit über die Pfalz hinaus bekannt. 40 Jahre lang hielt er den Neustadtern den Narrenspiegel vor. "Jedoch gar mancher ist verblüfft, wenn ihn der Witz mal selber trifft", so sein Motto, unter dem er mit bissigem Humor sowie scharfer Zunge die große und kleine Politik glossierte.
Heutzutage sieht man Bach bei den Veranstaltungen "seiner" Fasnachter wie in den Jahren zuvor filmen und auf der Bühne stehen. Als er beispielsweise beim Ordensfest im Januar ausgezeichnet wurde, kommentierte der KVN-Senior aus dem Stegreif: Vor 60 Jahren stand ich erstmals in der Bütt und mach' heute noch als Fasnachter mit".
(awk/Foto: awk)


Hermann Bach als "Till".

Quelle: Rheinpfalz vom 17.04.2010


Die eigenen vier Weinfest-Wände

Feucht-Fröhliche Neustadter konstruieren vor 50 Jahren ihr erstes "Haiselsche"

Von Angelika Wilde-Kaufhold

Premiere auf dem Postgelände: Vor 50 Jahren haben die Feucht-Fröhlichen Neustadter (FFN) zum Deutschen Weinlesefest ihr erstes Winzerhäuschen gebaut und es auf dem Postgelände aufgestellt. Damit war der Grundstein für das heutige Weindorf auf dem Saalbauvorplatz gelegt. Erfunden hat dieses Dorf aber nicht der Stadtrat. Es geht wohl eher auf Erinnerungen und eine Entdeckung im Stadtarchiv zurück. Jedenfalls hatte es schon von 1936 bis 1939 am Bahnhofsplatz ein ähnliches Angebot gegeben.
Schon am Eröffnungstag, dem 20. September 1960, strömen die Besucher ins Woihaisel der Feucht-Fröhlichen Neustadter. Dass die FFN beim Bahnhof wieder Wein ausschenken, allerdings nicht an ihrem im Jahr zuvor errichteten Steh-Ausschank auf dem Bahnhofsvorplatz, sondern in einem gemütlichen Winzerhäuschen mit Tischen und Bänken auf der sogenannten Hundewiese, hatte sich schnell herumgesprochen. Noch ist die Auswahl an Getränken und Essen klein. Es gibt Würstchen mit Senf und Brötchen, zwei Weine - "Neustadter Rosengarten" und "Gimmeldinger Meerspinne" und Federweißen.
Angeregt von dem guten Zuspruch stellt die Stadt ein Jahr später nebenan auch ein Winzerhäuschen auf und vermietet es vom 30. September bis 9. Oktober 1961 an die FFN. Die Bedingungen: Die Stadt bekommt zehn Prozent vom Umsatz, mindestens jedoch 800 Mark. In beiden Häuschen trinken die Besucher in zehn Tagen 655 Liter Neuen Wein, 304 Liter Rosengarten und 470 Liter Meerspinne, so steht es in der Abrechnung. Übrig bleiben brutto 6000 Mark abzüglich Nebenkosten und Steuern. Der Gewinn kommt in den Sparstrumpf für Aktionen wie die Ausrichtung von Weinlesefesten 1972 und 1974 in der englischen Partnerstadt Lincoln.
Dass die Winzerhäuschen sogar einmal von der BASF ausgeliehen wurden, daran erinnert sich der Ex-FFN-Vize und Zeitzeuge Hermann Bach ebenso wie an den Bau des ersten Häuschens. Über Winter 1959/1960 werden Pläne für ein Winzerhaus im Fachwerkstil geschmiedet: 5500 Mark soll es kosten. 2000 Mark Barvermögen haben die FFN, 3500 Mark müssen geliehen werden.
Im März 1960 beginnen die Bauarbeiten auf dem Gelände Kriegshäuser in der Talstraße mit dem Zerlegen von zwei städtischen Baracken aus der Siedlerstraße. Obwohl die Polizei die Bauarbeiten aufgrund einer Anzeige wegen Störung des Feiertagsfriedens zwischenzeitlich unterbricht und Anfang September noch nicht klar ist, wer der FFN das Holz fürs Dach zur Verfügung stellt, wird der Bau rechtzeitig zum Weinlesefest fertig.
Sechs Abende plus Samstag und Sonntag dauert der Aufbau. Den Fußboden stellt Philipp Schwab für fünf Jahre zur Verfügung, bis die FFN ihren Schuldenberg abgetragen haben und einen eigenen Fußboden zimmern können. Dieses erste ursprüngliche Winzerhäuschen hat längst das Zeitliche gesegnet. Das aktuelle Domizil stammt aus jüngerer Zeit.
1971 ziehen die inzwischen fünf Winzerhäuschen - die Stadtverwaltung und die Neustadter Trachtengruppe haben drei weitere gebaut - auf den Saalbauvorplatz um und damit an jene Stelle, wo vor dem Zweiten Weltkrieg bereits ein Weindorf von 1936 bis 1938 mit elf Winzerhäuschen stand. Die Idee geht auf den damaligen Oberbürgermeister Schlee zurück. Stadtbaurat Hans Neher hatte sie entworfen und so konstruiert, dass sie zerlegbar und damit transportabel sind. Die Häuschen wurden an Weinorte vermietet und 1938 sogar zur Winzinger Kerwe auf der Festwiese aufgebaut. 1939 wurden sie als Bauhütten beim Bau des Westwalls zweckentfremdet.

Termin
Aufbau des FFN-Doppelhäuschens ab Freitag, 10. September, geöffnet ist es von 24. September bis 11. Oktober.

Quelle: Rheinpfalz vom 07.09.2010


Hochbetrieb bei Schaustellern

Ortstermin: Auf dem Bahnhofsplatz entsteht der Jahrmarkt für das Weinlesefest

Von Sebastian Böckmann

Der Maroni-Mann poliert den Kessel seiner Lok, vom Festzelt steht erst das Gerippe, und in der Geisterbahn "Crazy Halloween" geht es noch ganz menschlich zu: Da gehen Osteuropäer ein und aus, um alles für den Ansturm der Besucher herzurichten, die sich ordentlich gruseln wollen. Auf dem Bahnhofsplatz ist der Aufbau für das am Freitag beginnende Deutsche Weinlesefest in vollem Gang.
Der gebürtige Neustadter Heiko Geist hat gerade erst den Klappladen seines großen Süßwarenstandes hochgeklappt, da stehen die ersten hungrigen Kunden davor: Zwei junge Männer haben Appetit auf Marzipankartoffeln. Der Klassiker in der Pfalz sind indes die Schaumküsse. "Da nehmen die Leute zehn Stück auf einmal, aber schon in Karlsruhe ist das nicht mehr so", weiß Geist, der vom Mandelblütenfest bis zum Weihnachtsmarkt auf Reise ist. Im Advent lässt er sein Kindereisenbähnchen um den Neustadter Marktbrunnen schnaufen. Beim Weinfest sind bei der Confiserie Geist auch gebrannte Mandeln, Zuckerwatte und Paradiesäpfel immer wieder gefragt.
Nebenan beim "Wellenflieger" werden das Kassenhäuschen gewienert und ein paar neue Holzstufen mit einem Holzschutzmittel angestrichen. Der Berliner Schaustellerbetrieb Barthel gehört mit seinem nostalgisch anmutenden Kettenkarussell zum festen Programm - und beliebten Fotomotiv - des Weinlesefestes.
Angesichts des kühlen Wetters haben sich die Besucher der "Haiselscher" meist ins Innere verzogen. Beispielsweise bei den Feucht-Fröhlichen Neustadtern (FFN) herrscht reger Betrieb: Da locken neuer Wein und das gestrige Tagesessen "Wellfleisch".
Einer, der die kühle Witterung nicht fürchten muss, ist der Franzose Tsafi Salah, der in zwei Öfen, die Dampflokomotiven nachempfunden sind, Kastanien röstet. Richtig: Kastanien, obwohl Maroni an den auf Hochglanz polierten Geräten steht. Die gebe es aber erst in rund zwei Wochen; derzeit kämen noch Kastanien auf die Holzkohlenglut: erst in die obere Schublade zum Aufheizen und Aufplatzen, dann in die untere, um sie fertig rösten und schließlich in die spitze Papiertüte stecken zu können.
Hochbetrieb herrscht auch beim Riesenrad von Peter und Kerstin Henschel aus Heidelberg, Schausteller in fünfter Generation. Die sechste, Tochter Daniela und ihr Mann, ist mit einem weiteren Riesenrad unterwegs, und die siebte Generation, zwei Enkeltöchter, wird sicher auch mal ins Schaustellergeschäft einsteigen, erwartet Kerstin Henschel. 1954 hatten ihre Schwiegereltern ein erstes Riesenrad, damals noch aus Holz, so die 58-Jährige.
Das heutige Modell, 38 Meter hoch und 80 Tonnen schwer, ist da schon weitaus praktischer: Es ist 2005 nach den Wünschen der Familie für 1,5 Millionen Euro in Holland gebaut worden und komplett auf drei Tiefladern montiert, die nebeneinander geparkt und miteinander zur Plattform verbunden werden. "Wir sind viel auf Stadtfesten unterwegs, da ist es wichtig, den Platzbedarf gering zu halten", sagt Henschel. Dank moderner Technik brauchen Peter Henschel und vier Helfer nur zwei Tage, um das riesige Gerät mit seinen 26 Gondeln für je sechs Fahrgäste betriebsbereit zu bekommen. Von Anfang März bis 22. Dezember - dem Ende des Weihnachtsmarktes in Leipzig - ist die Familie mit ihrem Fahrgeschäft unterwegs, bundesweit und im benachbarten Ausland. Für Neustadts Tourist-Chefin Dagmar Loer ist das Riesenrad eine der Attraktionen auf dem Weinfest-Jahrmarktgelände - und ein Geheimtipp für das Abschlussfeuerwerk am Montag, 11. Oktober, ab 21.30 Uhr.

Termin
Am Mittwoch, 6. Oktober, ist Familientag auf dem Weinlesefest mit reduzierten Preisen bei Fahrgeschäften und an den Ständen.

Quelle: Rheinpfalz vom 29.09.2010


Lincoln im Schneechaos

Weihnachtsmarkt abgesagt - Feucht-Fröhliche Neustadter vorzeitig zurück

Vielleicht sollte man den Neustadter Verein FFN von feucht-fröhlich in frozen(gefroren)-fröhlich umbennen, denn er ist ein Opfer des Winters geworden: Zum ersten Mal überhaupt ist am vergangenen Wochenende der berühmte Weihnachtsmarkt in der englischen Partnerstadt Lincoln abgesagt worden - wegen eines Wintereinbruchs mit chaotischen Straßenverhältnissen.
Die Nachricht hat 25 Neustadter im Bus erreicht, nach fast 20 Stunden schwieriger Fahrt, als sie sich gerade der Partnerstadt näherten. "40 Zentimeter Neuschnee - das hat es zuletzt 1960 gegeben", berichtet der FFN-Vorsitzende Werner Maas, der ein gefragter Interviewpartner des Fernsehsenders BBC war.
Das öffentliche Leben in der Domstadt sei zusammengebrochen, die Entscheidung der Stadtverwaltung zwar bedauerlich, aber absolut nachvollziehbar, sagt auch Gerd Reif (72), der schon beim allerersten Neustadter "Exportschlager" in Lincoln dabei war. Heute ist der auf das Neustadter Vorbild zurückgehende Weihnachtsmarkt in Lincoln ein Riesenereignis, das zwar nur an einem verlängerten Wochenende stattfindet, aber bis zu 300.000 Besucher in Hunderten von Reisebussen anlockt. Ein solcher Ansturm wäre auf den steilen, gepflasterten Straßen rings um Kathedrale und Burg nicht zu verantworten gewesen, denn der Winterdienst sei nicht nachgekommen, schildert Reif. Wegen der normalerweise milden Winter fehle es an Schneepflügen und Streufahrzeugen.
Die "Feucht-Fröhlichen" haben sich ihre gute Laune bewahrt - auch wenn sie die Absage finanziell hart getroffen hat. Auf mindestens 7000 Euro schätzt Maas den Verlust, selbst wenn die Stadt Lincoln jene 2700 Pfund Standgebühr erstattet, die die FFN entrichtet haben. Ihre knapp 1000 Flaschen Wein konnten sie für das nächste Jahr einlagern, aber die deutsche Bratwurst, die der Lincolner Bäcker und Metzger Neil Curtis nach original Pfälzer Rezept und mit eigens importierten Gewürzen anfertigt, werden sie wohl Altenheimen und sozialen Einrichtungen spenden, sagt Maas. Übernachtungen, Spediteur, Busfahrt und Waffelteig werden noch zu Buche schlagen, auch wenn sich viele Geschäftspartner kulant gezeigt hätten. Immerhin waren die Neustadter mit neun Tonnen "Nachschub" und einem kompletten Küchenzelt nach England gereist.
Selbst die üblichen Begegnungen mit englischen Freunden und Clubkameraden - es gibt eine FFN-Sektion Lincoln - fielen sozusagen in den Schnee: "Die Leute konnten schlichtweg ihre Häuser nicht verlassen", erzählt Reif.
So bedauerlich die Absage für die Neustadter ist: Die Region Lincoln ist ebenfalls hart getroffen worden, denn den Umsatz des Weihnachtsmarktes gebe der Bürgermeister mit etwa 40 Millionen Pfund an, also mehr als 47 Millionen Euro, berichtet Maas. Die FFN haben sich vorzeitig auf den Heimweg gemacht - und als kleine Entschädigung am Samstag den Neustadter Weihnachtsmarkt besucht. (boe)

Quelle: Rheinpfalz vom 07.12.2010